Balduin Ales startet als Simian Ales mit neuer Brauerei durch

Balduin Ales startet als Simian Ales mit neuer Brauerei durch

An Englishman in Elmshorn: Den Hamburger (und eigentlichen Briten) Ian Faulkner hat es nach Schleswig-Holstein verschlagen. Hier soll Simian Ales mit einer eigenen Brauerei so richtig durchstarten. Wie es dazu kam, erklärt der studierte Philosoph, der eigentlich nur eine Weltreise machen wollte, im 3B-Porträt.

Als Hamburger vergisst man schnell: Elmshorn ist eigentlich gar nicht so weit von der Hansestadt entfernt. Gerade mal 30 Minuten Autofahrt trennen die beiden Orte voneinander. Dennoch: Elmshorn ist nicht Hamburg und liegt zudem in Schleswig-Holstein, Deutschlands nördlichstem Bundesland.

Und dieser Umstand macht Ian Faulkner irgendwie zum Grenzgänger. Seit Januar diesen Jahres baut der in Hamburg lebende Brite auf einem Gewerbehof zwischen Fahrradladen und Katasteramt vor den Toren Hamburgs seine Brauerei Simian Ales auf. Seit April 2018 braut er hier, an der Langelohe 65, auf der neuen 500-Liter-Anlage seine Simian Ales, den dazugehörigen Schankraum eröffnete er Ende Mai. Sechs Hähne hat er hier. Fünf davon will er mit eigenen Bieren bespielen, ein Hahn ist Gastbieren vorbehalten, entweder lokalen aus dem Ort oder von befreundeten Brauern aus Hamburg. „Auf jeden Fall regional“, sagt Ian Faulkner.

Ian Faulkner hat eine Geschichte

Der 37-Jährige ist kein Unbekannter in der Kreativbier-Szene. Bis 2017 braute er unter dem Namen Balduin Ales. „Mein erster Braugang fand in meiner Küche in der Balduinstraße statt“, erklärt er die Namensfindung. Schöne Geschichte, nur leider war der Name bereits rechtlich geschützt, und so wurde schließlich aus Balduin Simian Ales.

Ian Faulkner ist das, was man einen glorified Homebrewer nennt: ein Heimbrauer der ersten Stunde. 2011 begann er mit dem Bierbrauen; erst zu Hause in besagter Küche, später im Bierpub „Alles Elbe“ auf St. Pauli. 50 Liter produzierte er. Seine Biere kamen an, und der Brite bekam Lust auf Experimente. Und er wollte wachsen. Er mietete sich als Gypsy Brewer im dänischen Fanø Bryghus ein und lernte dort den Chef Claus Winther kennen. Man verstand sich – und kollaborierte. Zwei Biere sind dabei heraus gekommen: das Christmas on the Reeperbahn, ein traditionelles Dunkles, das mit Hüll Melon Hopfen gestopft wurde, und das Border Hopper, ein leichtes Spring Ale.

Auch mit Ian Pyle von der Ratsherrn Mikro-Brauerei arbeitete er bereits für einen Collaboration Brew zusammen: Ihr Old Drifter, ein klassischer englischer Barley Wine, der mit einem fassgereiften Sour Ale verblendet wurde, ergatterte eine Goldmedaille auf dem diesjährigen Meininger Craft Beer Award. Ian merkte: Simian Ales hat Potential. Er beschloss, zusammen mit seiner Freundin Anne Schrill, die inzwischen ebenfalls vom Bier-Virus infiziert wurde, eine eigene Brauerei zu gründen. Simian Ales soll eine feste Heimat erhalten.

Die Suche

Über ein Jahr suchten Ian und Anne nach einer geeigneten Location. In Hamburg fanden sie keine bezahlbaren Räumlichkeiten, und so zog es sie nach Elmshorn. Sie gründeten eine GmbH, liehen sich 100.000 Euro von der Bank und starteten im Januar 2018 mit dem Bau ihrer Brauerei. „Anne ist der wahre Chef, ich mache die Biere“, erklärt Ian lachend die Aufgabenteilung.

3000 Liter Bier wollen die beiden im Monat produzieren. Das sei nicht ganz klein, aber auch nicht ganz so groß. Der Schwerpunkt liege auf klassischen Bierstilen. Sechs Standards wollen die beiden fest im Programm haben. „Derzeit haben wir ein IPA, ein Pils und ein Summer Ale am Start“, sagt Ian. „Ich bin zwar selber kein Riesen-Pils-Fan, aber das brauchst du, wenn du hier im Norden Erfolg haben willst.“ Seine Biere haben eine leichte, frische Note, sind weder banal noch edgy. Das IPA hat eine leichte Hopfen-Bitterkeit und schmeckt fruchtig. Das Pils überrascht mit schlanker, frischer Note. Die Ausgewogenheit der Biere steht im Mittelpunkt. Das ist Konzept bei Simian Ales. „Die Biere sollen Spaß machen, sind bewusst trinkbar gehalten. Für echte Geeks vielleicht keine Herausforderung, für den passionierten Biertrinker aber ein Erlebnis.“

Zu den Klassikern sollen sich auch wechselnde Spezial-Sude gesellen, vielleicht auch wieder ein Collaboration Brew. „Ich würde wahnsinnig gerne mit Simon Siemsglüss von der Buddelship Brauerei zusammenarbeiten. Ich mag nicht alle ihre Bierstile, aber ich weiß: Alles was die machen, hat eine Top-Qualität!“

Ian Faulkner zwischen Lernen und Lehren

Leicht ist der Weg nicht, den sich Ian und Anne ausgesucht haben. Beide haben noch einen normalen Job, denn vom Brauen leben können sie noch nicht. Anne arbeitet in der Osteopathie, Ian als Englischlehrer an einer Hamburger Sprachschule. Sie wohnen und arbeiten in der Hansestadt und brauen in Elmshorn.

Dennoch, Ian sieht die Sache positiv. Demnächst startet er mit der Akquise und besucht mit seinen abgefüllten Flaschen die Bars und Einzelhändler in der Region. Der eigene Schankraum soll anfangs Mittwochs, Donnerstags und Freitags von 16 bis 22 Uhr geöffnet sein. „Wir müssen beobachten, welche Tage am besten angenommen werden.“  Die ersten Jahre seien jetzt eben ein Invest; finanziell und zeitlich.

„Aber Humor hilft.“ Und der Glaube an das Produkt. „Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben die Idee einer Karriere im Kopf. Das hatte ich bisher nicht. Ich habe in Manchester Philosophie studiert, wollte danach eine Weltreise machen, verliebte mich auf der ersten Station dieser Reise in Prag in eine Deutschlehrerin, ging spontan nach Berlin, dann vor rund acht Jahren nach Hamburg. Alles ohne Plan.“

Genug Platz für Simian Ales

Ob er manchmal Angst habe, dass dieser Entschluss falsch sei? Schließlich ist er einer von vielen Gründern. Und der Norden liegt diesbezüglich weit vorne: Von den 16 Brauereien, die 2016 an den Start gingen, waren ganze acht in Hamburg und Schleswig-Holstein beheimatet. 2020, vermutet der Deutsche Brauer-Bund, könne die Marke von 1.500 Braustätten geknackt werden. Die Anzahl der Mitbewerber wächst. „Nein“, sagt Ian überzeugt und grinst. „Da draußen ist noch viel Platz für gutes Bier. Und auf jeden Fall für Simian Ales.“

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Photo Credit: Regine Marxen & Simian Ales

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