Sieben Biere für Weintrinker

Sieben Biere für Weintrinker

Nicht jeder Mensch mag von Anbeginn an Bier. Und das ist völlig in Ordnung. Es ist allerdings überhaupt nicht schwer, Bier statt Wein aufzutischen. Wir empfehlen sieben Biere für Weintrinker.

Bier statt Wein? Bei diesen beiden Schlagworten schalten die Gemüter wie bei FC Bayern München und VFB Stuttgart. Oder wie bei der Currywurst mit oder ohne Darm. Wer Wein trinkt, mag bei Bierveranstaltungen die Nase rümpfen und wenn dann auch noch die Aschenbecher und Schnapsgläser den Tresentisch säumen, ist es mit einer Diskussionsgrundlage meist dahin. Ohne Frage – Wein- und Biertrinker haben es nicht leicht, sich miteinander darüber auszutauschen, welches Laster mehr Sinn ergibt. Doch der ausgebildete Bierverkäufer weiß, wie er auch den befremdeten Traubentrinker mit Bier bezirzen kann.

Klassischerweise, oder besser – bislang! – saßen Weintrinker im vermeintlichen Genussfachsimpen am längeren Hebel. Zumindest in puncto angesehen anspruchsvoll Trinken, ausgefeiltem Vokabular und dem olfaktorischen Ambiente. Das, allerdings, hat sich verändert und Weintrinker können sich warm anziehen, wenn es um jedwede Abgrenzungs-Versuche zwischen Wein und Bier geht. Nicht, dass Biertrinken einfach nur eine der günstigsten Weisen geworden ist, sich als Gourmet zu gerieren. Auch jenseits des Habitus gibt es jetzt eine Möglichkeit, dem Weintrinker das Biertrinken schmackhaft zu machen. Nämlich mit den passenden Bieren einer versierten Beratung – ob im Handel, an der Bar oder der Lektüre dieser Seite.

Mithilfe unseres Bierspezialisten Rory Lawton haben wir Biernasenrümpfern einige Biere zusammengestellt, die zu ihren Lieblingsweinen einigermaßen gut passen sollten. Also, anstelle derer.

Eine Weiße statt Weißwein

Die lieben Pinot Grigio-Trinker, beispielsweise, sollten sich an das deutsche Helle halten, wie möglicherweise ein Ayinger Lager Hell. Durch die süßlich malzigen Crisp-Noten passt das Bier ausgezeichnet zu warmem Wetter und kann das sommernachmittägliche Weißweinschorle am Wasser getrost ersetzen. Oder ergänzen, ist ja immerhin meist gut erhältlich.

Wer für gewöhnlich einen Riesling vorzieht, könnte es in einem fruchtgelaunten Moment mit einem Kristallweizen probieren – zum Beispiel mit dem Tap 2 Mein Kristall von Schneider Weisse. In weiten Teilen recht trocken, bestechen beide Getränke mit dezidierten Fruchtnoten, wobei die Banane in beiden Fällen besonders in den Vordergrund rückt.

Diejenigen, die es ein wenig voller im Körper und zudem würziger mögen, trinken möglicherweise gerne Gewürztraminer. Was aber, wenn man den einmal mit einem Belgian Tripel, wie beispielsweise dem Westmalle Tripel, ersetzte? Wir verraten es: das wäre noch immer genauso üppig, schmeckte noch immer nach Koriander und Nelke, bloß wären 1,3 Zentiliter mehr drin. Praktisch, dass das Trappistenbier derzeit ohnehin vermehrt Einzug in Berliner „Spätis“ und deutsche Supermärkte hält.

Naturweine sind, auch unter Weinliebhabern eine besondere Sache. Kann man Naturweinüberzeugungstätern ebenfalls Bier statt Wein anbieten? Selbstverständlich, denn mit den Liebhabern von Lambic Geuze Bieren haben auch die Biertrinker ihre Spezialfraktion. Aber nicht nur, was den Besonderheitsstatus in der eigenen Kategorie angeht, sind Naturweißweine und Lambic Geuze Biere sich ähnlich. Auch hier wird gänzlich ungefiltert, ungesüßt und das Bier aus vollständig echten Lambics hergestellt. Schwer von uns ans Herz gelegt sei das Oude Geuze Boon. Komplex und sauer, in Rieslingfässern aus dem Rheinland gelagert und somit den vollendeten Bogen zum Weißwein erbracht.

Rouchefort statt Rotwein

Kommen wir zum Rotwein – die besonders resoluten „Bier schmeckt nicht“-Postulierer. Und könnte man doch meinen, an einen schweren Cabernet-Sauvignon auf der spätsommerlichen Terrasse käme nichts, aber auch wieder nichts heran, so liegt man auch hier falsch. Denn es ist äußerst einfach für den versierten Barmann, hier Bier statt Wein aufzutischen.

Wem es nämlich um die vollmundigen Vanillenoten, die man auch aus im Bourbonfass gereiften Whisky kennt, geht, liegt mit einem im Eichenfass gereiften Imperial Stout ziemlich richtig. Da wäre zum Beispiel das Founder’s KBS (Kentucky Breakfast Stout), das im Bourbon-Eichenfaß gelagert wurde und eben die opulente Holzreifung mitbringt, die meist am Cabernet-Sauvignon geschätzt wird. Wenn sie denn geschätzt wird. Da die Brauerei Founder’s in Europa zunehmend präsenter wird, dürfte diese Spezialität in immer mehr gut sortierten Bars und Läden verfügbar werden.

Wenn man es nämlich ein wenig leichter mag, möglicherweise in Form eines mittel- bis vollmundigen Merlot, sollte es mit einem Belgian Strong Dark wie dem Rochefort. Auch hier finden sich die komplexeren Noten von getrockneter Pflaume, Walnuss und Zartbitterschokolade wieder, und auch hier kann man getrost ein Stück Blauschimmelkäse essen, ohne sich banausig zu fühlen. Im Gegenteil – ein so genanntes „Food Pairing“ in dieser Form ist sogar ziemlich fortschrittlich.

Wie beim Weißwein, gibt es auch hier die Naturwein-Fraktion. Und, wie beim Weißwein, gibt es auch hier das malzige Pendant zur Beere: ein Flamish Red wie Rodenbach’s Grand Cru! Genießer  feinherber Säure-Entwicklung auf der Zunge mit ausgewogenen Holznoten kommen hier genauso auf ihre Kosten wie beim Naturrotwein. Nicht umsonst hat der Bier- und Whiskyspezialist Michael Jackson dieses Sauerbier als „World Classic“ bezeichnet.

Bier statt Wein trifft Cognac 

Richtig, Cognac ist gar kein Wein, sondern ein Brandwein. Weil wir uns aber für die Wiederentdeckung des Herrengedecks einsetzen, wollen wir in dieser Sache die Fünfe gerade sein lassen und holen auch den Wein in gebrannter Form ins Boot.

Das Schöne in diesem Falle: man muss sich so gar nicht zwischen Cognac und Bier entscheiden, weil beide Elemente ganz zauberhaft zusammenpassen.

So möglicherweise der Cognac zu einem Barley Wine, wie beispielsweise Fuller’s Golden Pride. Offenbar interessiert an süßlichen, holzgereiften Noten mit Anklängen von Orangenzeste, findet hier jeder sein Bier, der ansonsten im Weißweingeist sein Unwesen treibt. Michael Jackson nennt dieses Bier im Übrigen „den Cognac der Biere“ und wir haben dem nichts hinzuzufügen.

Photo Credit: iStock.com/duncan1890

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