Bierlandschaft Franken: Brautradition im Wandel

Bierlandschaft Franken: Brautradition im Wandel

Mit der höchsten Brauereidichte Europas kann Franken getrost als Bierlandschaft bezeichnet werden. Doch auch jenseits von „Seidla Bier“ steht Franken für den Nährboden eines guten Bieres – ob traditionell produziert oder handwerklich modern.

Mit weit über 250 Brauereien ist Franken die Bierlandschaft in Deutschland schlechthin und auch weit über seine Grenzen hinaus für gute klassische Biere bekannt. Doch auch auf dem Land bleibt die Zeit nicht stehen und auch Traditionsbrauereien fangen an sich zu modernisieren. Ein Wandel findet auch in den Städten statt: Kreativbrauer erweitern das fränkische Bierangebot. Einer, der kräftig mitmischt, ist Felix vom Endt, der eine Heimat für sein Orca brau in einer Nürnberger Industriehalle gefunden hat.

Von je her ist die fränkische Bierlandschaft die am dichtesten besiedelte mit Groß- und Kleinbrauereien, mit (oftmals) dazugehörigen Wirtschaften. Doch in den letzten Jahren hat sich einiges getan, Traditionsbrauereien auf dem Land mussten schließen oder haben ihr Konzept überarbeitet. Die Gründe dafür sind schnell aufgezählt: Es wird insgesamt weniger getrunken, viele Familienbetriebe werden nicht familiär weitergeführt und für das entsprechende Personal fehlt wiederum Geld. Hinzu kommt, dass insbesondere junge Menschen vermehrt in die umliegenden Städte ziehen. Gleichzeitig gibt es dort neue Strömungen: Bierbars eröffnen, Hobbybrauereien professionalisieren sich oder die Landbrauereien expandieren in die Stadt, wie etwa die Boeheim-Brauerei.

Austoben IN DER BIERLANDSCHAFT

Seit dem Jahr 2016 braut auch der ehemalige Bierblogger Felix vom Endt in einer rund 320v qm großen Halle mitten in einem Industriegebiet am Rande von Nürnberg. „Ich sehe mich als Kreativbierbrauer, sprich, ich biete keine fränkischen Traditionsbiere an, dafür tobe ich mich aus. Außerdem gibt es hier so viele gute Land- und Kellerbiere, da muss ich die ja nicht auch noch machen“, so der 31-Jährige, während er einen seiner beiden Sudtöpfe sauber macht. Knapp 500 Liter Bier braut er pro Brauvorgang – von denen er maximal zwei in der Woche schafft: „Nicht besonders viel, aber fürs Erste reicht es.“

Allein seit Februar hat er 16 verschiedene Biere abgefüllt. So richtig in die Bierlandschaft tauchte er während seines Studiums im 100 Kilometer weit entfernten Coburg ein. Dort studierte er zunächst Soziale Arbeit: „Als Münchner ging ich dort in den Getränkemarkt und habe Paletten von Augustiner erwartet, die ich nicht fand, dafür jede Menge fränkische Biere und so fing es an, dass ich mich selbst immer mehr damit beschäftigt habe.“

Mit lieblingsbier.de schuf er kurze Zeit später einen der ersten und bis heute erfolgreichsten („Craft“) Bierblogs Deutschlands. Konzentrierte Brauerfahrungen sammelte er dann bei einem längeren Aufenthalt in Kanada 2012, als er in Vancouver bei Parallel 49 Brewing arbeitete. Im Anschluss zog er 2013 nach Berlin: „Dort habe ich dann unter anderem in der Markthalle 9 bei Heidenpeters gearbeitet. Als er seine alte Brauanlage verkaufen wollte, dachte ich: Moment mal, die nehme ich.“

Dabei gab sein damaliger Chef ihm noch den Rat mit auf den Weg, niemals eine eigene Brauerei aufzumachen, aber dafür ist es nun zu spät. „Ich bin gespannt, wo das alles hin führt, aber als nicht gelernter Brauer gehe ich die Sachen vielleicht eh ein bisschen anders an“, so vom Endt. Nach Nürnberg verschlug es ihn dann eher zufällig, seine Frau kommt von dort und der erste Nachwuchs stand an: „Da war für uns klar, wir gehen nach Franken.“ Und hier findet er sich nun mitten im Herzen der deutschen Braukunst wieder, die sich langsam im Umbruch befindet.

Leben in Franken ist teurer geworden

Wie dieser aussehen kann, zeigt Mike Schmitt. Seit 10 Jahren betreibt er gemeinsam mit seiner Familie die Brauereiwirtschaft Nikl rund 50 Kilometer von Nürnberg entfernt: „Dass das es ein Risiko sein kann, war uns bewusst, aber unser Wunsch war größer.“ Dabei setzt der Brauer auf Modernisierung der Traditionen.: „Wir sind auch Erlebnisbrauerei, so geben wir Brauereiführungen und -seminare, und unsere Speisekarte ist überschaubar.“ Mit diesen Ansätzen beugen sie der finanziellen Falle vor, in die viele Landbrauereien in der Vergangenheit gefallen sind.

Ein weiteres Problem sieht Schmitt in den zum Teil sehr niedrigen Bierpreisen in den ländlichen Gegenden. „Der Lebensstandard an sich ist kostspieliger geworden, da kann man die Bierpreise nicht gewollt niedrig halten“, so Schmitt. Eine Bierpreisbindung gibt es bisher noch nicht, aber ganz falsch fände der 39-Jährige  das nicht, denn wie auch vom Endt glaubt er, dass in den nächsten Jahren weitere Brauereien schließen werden, wenn sie sich nicht Neuem öffnen. „Und das heißt ja nicht, dass nun jede Brauerei Craft Beer anbieten soll, überhaupt nicht. Aber manchmal hilft schon ein Blick in das Braubuch des Großvaters und man bekommt neue Inspirationen“, so der Orca-Brauer. Und das wäre in der Tat zu wünschen, denn schließlich lebt die fränkische Bierlandschaft von ihrer Vielfalt, welche die modernen Handwerksbrauer um filigranere aber auch um stärkere Aromen zu erweitern vermögen.

Photo Credit: Orca Brau

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