Brauerei Boeheim baut Bars

Brauerei Boeheim baut Bars

Im Herzen Nürnbergs brodelt es: die fränkische Boeheim Brauerei hat innerhalb eines Jahres zwei Gastroableger eröffnet. Zeit für einen Besuch in Boeheim Bierhalle und Bar durch unsere Nürnberger Autorin Lara Sielmann.

Die Franken, so sagt man außerhalb der fränkischen Grenze, sind auf zwei Dinge bedacht. Erstens: Sie sind keine Bayern. Und zweitens: Ihr Bier ist ihnen heilig. Alleine in Bamberg sind zehn Brauereien ortsansässig, einen Bierpass kann man dort ebenfalls erlangen. In den ländlicheren Gegenden gibt es allerhand kleinere und größere Brauerein, an viele schließt sich eine Wirtschaft an. Das wäre dann so etwas wie drittens. Und nicht wenige der Einkehrenden gehen mit einem Kanister frisch gezapftem Helles nach Hause für einen Preis, mit denen selbst die Spätis in Berlin nicht mithalten können. Das Wirtshaus und das Bier – in Franken ein (gefühltes) Grundrecht.

Eines dieser Traditionsunternehmen ist die Boeheim Brauerei aus Pegnitz. Sie liegt ca 50 Kilometer nördlich von Nürnberg entfernt und ist seit 1923 in Betrieb. Und das zunächst als Brauer-Vereinigung Pegnitz, bis der Unternehmer Martin Weiß im Jahr 2010 die Mehrheitsanteile kaufte. Mittlerweile hat Boeheim expandiert. Und das gleich mit zwei gastronomischen Ablegern in Nürnberg.

Klassisch gebraut, hip verkauft

Nur wenige Gehminuten trennen die Boeheim Bar und die Boeheim Bierhalle in der Altstadt voneinander. Optisch liegen Welten zwischen ihnen. Die Bar ist dunkel und etwas kühl gestaltet, mit einem langen Tresen und einer Messingwand mit eingelassenen Zapfhähnen. Die Bierhalle hingegen ist insgesamt heller, großzügiger und verfügt über einen Außenbereich. Innen empfängt ein bunt gestalteter Tresenbereich in Fabrikoptik die Gäste, dahinter stehen Stühle und Tische, abgetrennt davon eine spelunkige Wirtshausecke mit Spruch an der Wand und Kacheln am Boden. Rund 170 Gäste können innen wie außen Platz nehmen.

„Wir möchten unserem Publikum zeigen, wie Bierklassiker heutzutage schmecken können, deshalb haben wir die Bar vor einem Jahr eröffnet. Mit der Bierhalle zogen wir dann vor vier Monaten nach; hier greifen wir fränkische Wirtshauselemente auf, die wir modern interpretieren“, erzählt Ralph Weiß, der Sohn der Eigentümer der Boeheim Brauerei. Zusammen mit dem Sozialökonomen Fabian Faßmann und seinem Bruder Claus Weiß ist der Unternehmer verantwortlich für das Boeheim-Konzept. Sprich: auf dem Land wird klassisch gebraut, und in der Stadt hip verkauft.

Neben dem Hellen gibt es eine überschaubare Auswahl an Biersorten in der Bierhalle. Ein fruchtiges IPA, seit Neuestem ein Pils, ein fränkisches Spezial (malzig süß), drei Weizensorten und die tschechische Zapfvariante Mlíko (die milchcremig daherkommt, allerdings nur für ein paar Minuten, und deshalb schnell zu trinken ist). „Zuerst war unser Brauer gar nicht dafür zu begeistern, Neues auszuprobieren, aber mittlerweile ist er auch überzeugt“, erzählt der 29-Jährige Faßmann. Der sei nämlich Franke durch und durch und braue auch noch die alten Rezepte der Boeheim Brauerei. „Das Helle, das es in Pegnitz gibt, verkaufen wir nicht“, ergänzt er. „Wir haben ausschließlich neue Biere im Angebot.“ Preislich rangieren die Biere in der Bierhalle zwischen € 2,90€ (für ein 0,33 Helles) bis € 4,50 (für ein 0,33 IPA/ Wochenbier).

Die Speisen haben weniger mit fränkischen Wirtshausklassikern wie zum Beispiel Schäufele (Schweineschulter mit Kruste) oder Kloß mit Soß (Kartoffelkloß mit Bratensoße) zu tun. Stattdessen setzt die Bierhalle der Boeheim Brauerei auf Gerichte aus dem Smoker, Burger und vietnamesische Banh Mi. „Wir haben uns viel umgeschaut, waren unter anderem in Warschau, Kopenhagen, Berlin und Prag unterwegs. Hier hat uns insbesondere Mikkellers War Pigs in Kopenhagen begeistert! Das Konzept von langsam auf Niedrigtemperatur geräuchertem regionalem Fleisch hat uns sofort zu 100% überzeugt“, erzählen die beiden Gastronomen. „Omas Kartoffelsalat“ hat es allerdings auch auf die Speisekarte geschafft. Genauso wie die „Franconian Sausages“.

Boeheim Brauerei bald in Fürth

Nicht nur beim Essen arbeitet die Boeheim Brauerei mit regionalen Lieferanten zusammen. Neben dem eigenen Biersortiment, das mit ausgewählten Bierspezialitäten anderer regionaler Brauereien erweitert wird, bieten das Team eine Auswahl an Thüngersheimer Weinen in der Bierhalle an. Außerdem gibt es Schnaps. Schnaps, das ist so ein bisschen die Nummer Vier auf der Frank-Liste. Allein hier irritiert die Getränkekarte, steht neben den fränkischen Schnaps-Klassikern Marille, Haselnuss, Heu und Willi, die Rubrik „Für unsere Damen“ mit Berliner Luft und Apfelstrudel. Nun, so eine Rubrik braucht es nun wirklich nicht, man lässt sich schließlich ungern bevormunden. Außerdem sind gute (Obst-)Schnäpse (fast) konkurrenzlos.

„Der Franke ist zunächst misstrauisch. Manche kommen erst rein, schauen sich eine Weile um, dann unterhält man sich zehn Minuten über unsere Biere und am Ende wird dann erst mal ein Helles bestellt“, so Ralph Weiß. So skeptisch seine Gäste sind, so verlässlich sind sie auch: Wer einmal da war, kommt wieder. So hat die Boeheim Brauerei in Nürnberg eine neue Heimat gefunden und zeichnet sich durch ihre Neuinterpretationen fränkischer Bierklassiker mit internationalen Einflüssen aus. Nächstes Jahr geht es dann weiter nach Fürth, wo eine weitere Gastronomie das Licht der Welt erblicken wird. Und zwar mit Growlersystem zum Abfüllen – beinahe so wie auf dem Land.

Photo Credit: Boeheim Brauerei

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