Nächste Ausfahrt Nordpol: Auf Besuch bei Macks Ølbryggeri

Nächste Ausfahrt Nordpol: Auf Besuch bei Macks Ølbryggeri

Mal ist Macks Ølbryggeri die nördlichste Brauerei der Welt, mal ist sie es nicht. Fakt ist: Die sympathischen Norweger brauen ein verdammt leckeres Bier. Vielleicht, weil sie es mit Rage against the Machine und den Rolling Stones beschallen? Bier, Bars & Brauer war vor Ort in Tromsø, 344 Kilometer nördlich des Polarkreises.

Bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang führte am Ende Norwegen den Medaillenspiegel souverän vor Deutschland und Kanada an. Insgesamt 39 mal Edelmetall brachten die Athleten mit nach Hause, davon 14 Goldene, 14 Silberne und 11 Bronzene. Es wurde gekämpft, gejubelt, gelitten und Rekorde geknackt.

Nördlichste Brauerei in Tromsø?

Diverse Rekorde hält auch die Stadt Tromsø, gelegen 344 Kilometer nördlich des Polarkreises. Dort gibt es die nördlichste Universität der Welt, den nördlichsten botanischen Garten und insbesondere die nördlichste Kathedrale der Welt, die Tromsø Domkirke. (Wobei die Eismeerkathedrale mit ihrer faszinierenden Architektur von Jan Inge Hovig viel bekannter und einprägsamer ist. Aber trotz des Namens ist es eigentlich keine Kathedrale, also kein Bischofssitz.)

Die traditionsreiche Brauerei Macks Ølbryggeri trägt im Untertitel den Beibegriff als „nördlichste Brauerei der Welt“. Zurecht oder nicht? Stets ärgerten Mitbewerber die sympathische Marke hoch im Norden Norwegens. 2000 eröffnete weiter nördlich die Nordkapp Mikrobryggeri mit einer Kapazität von 400 Hektolitern. Sie brauten einen Sud ein, dem sie den Namen „Sårry Makk“ verleihen. Spricht man das aus, kommt das englische „Sorry Mack“ dabei heraus. Übersetzt: Es tut uns Leid, Mack. Oder einfach: Ätsch!

2009 stellte die Brauerei den Betrieb ein, aber der nächste Konkurrent um den Titel ließ nicht lange auf sich warten. 2012 eröffnete auf Grönland in Ilulissat eine Brauanlage in einem Hotel, die ungefähr 50 Meter weiter nördlich lag, im Folgejahr aber wieder schloss. Die Anlagen übernahm dann 2013 die Immiaq Brauerei http://breweryimmiaq.com. Den dortigen Brauern schien der Titel egal, sie brauen entspannt ihre Biere mit Kräutern und Früchten der Gegend und machten daraus Honey Ale und Black Cranberry Ale. Alleine der grönländische Tourismus-Verband geht auf Rekordjagd und preist die Brauerei als zugleich eine der größten und der kleinsten des Landes. Beides trifft zu, da es nur zwei Brauereien auf Grönland gibt.

Mittlerweile ist die Svalbard Bryggeri http://www.svalbardbryggeri.no die nördlichste von allen, nicht weit vom Nordpol entfernt. Errichtet bereits 2011, mussten sich die Brauer bis 2015 gedulden, ihr Bier zu präsentieren. Eine alte Gesetzgebung verbot die Herstellung von Alkohol auf den Inselgruppen von Spitzbergen, das norwegische Parlament musste erst die Änderung billigen.

Immerhin kann die Mack Brauerei nach wir vor und auf ewig darauf verweisen, dass ihre Biere 1981 die ersten Biere am Nordpol und 1990 die ersten am Südpol waren. Ganz klar: Goldmedaille für Norwegen.

Macks Ølbryggeri mit deutschen Wurzeln

Die Historie der 1877 gegründeten Brauerei Macks Ølbryggeri beginnt ursprünglich in Braunschweig. Von hier stammte der Bäcker und Konditor Ludwig Markus Mack. Von seinem Großvater, der als Brauer in Bayern tätig war, hatte er wohl auch Knowhow über flüssiges Brot mit auf den Weg bekommen. Er bereiste den Norden Norwegens und wunderte sich über den Mangel an Bier vor Ort. Er schaffte Expertise und modernste Brautechnik aus Deutschland heran und installierte es nahe der Tromsøer Innenstadt, wo er 1878 das erste Bier ausschenken konnte, das „Potøl“. Es folgten das „Bayerøl“, das „Bokøl“ und das „Pilsnerøl“.

Seit 2012 braut Norwegens viertgrößte Marke in Nordkjosbotn, ca. 70 km von Tromsø entfernt, denn der ursprüngliche Standort wurde zu klein. Mittlerweile ist Mack keine Regionalmarke mehr, sondern wird im ganzen Land verkauft.

Die historischen Brauereigebäude beherbergen jetzt die Experimental- und Mikrobrauerei der Marke, die sich insbesondere den modernen Kreativ-Stilen widmet. Gäste sind hier sehr willkommen und Besichtigungen und Verkostungen regelmäßig möglich.

Macks Ølbryggeri und

die Kraft der Musik

Zunächst geht es durch eine imposante Ausstellung zur Bierherstellung und der spannenden Firmengeschichte. Flaschendesign, Produktlinien und nostalgische Hinterlassenschaften werden präsentiert. Auch die Bier-Expedition zum Nordpol ist dokumentiert oder der Streit mit einer südamerikanischen Brauerei um den Begriff „Polar Beer“.

Durch eine architektonisch faszinierende Mischung aus historischen Gebäuden und ultramodernen Bauteilen führt der Weg durch Kupfer und Glas in die eigentliche Mikrokrauerei. Neben den Sudkesseln und Tanks fällt ein markanter Plattenspieler ins Auge. Die Biere werden bei der Fertigung beschallt, auf den Lagertanks hängen Schilder, welche Musikstücke bei der Produktion gespielt wurden. Das Pale Ale in Tank Eins hatte es mit Rage Against the Machine, den Rolling Stones und Rival Sons zu tun bekommen. (Der QR-Code auf der Flasche lässt sich mit dem Telefon scannen, so dass der Käufer die gleiche Musik hören kann.)

Die Brauereibesichtigungen finden – ab zwei Teilnehmern – Montag bis Freitag um 15.30 Uhr statt. Eine Voranmeldung für die 60-minütige Führung ist nicht nötig. Der Preis von 170 Kronen entspricht ca. 18 Euro. Programme für Gruppen ab zehn Personen können auch Samstag und Sonntag gebucht werden.

Ob nördlichste Brauerei oder nicht, Hauptsache verkosten

Mit dem Ende der Führung beginnt die Verkostung. Und zwar im ältesten Bier-Pub der Stadt aus dem Jahre 1928. An den Tischen der „Ølhallen“, Bierhalle, leerten schon viele Walfänger, Abenteurer und Entdecker ihre Krüge und erzählten ihre Geschichten. Von eindrucksvollen 67 Zapfhähnen fließen Mack-Biere, aber auch weitere skandinavische und internationale Brauspezialitäten. Montag bis Mittwoch ist der Pub von 10 bis 19:30 Uhr geöffnet, Donnerstag bis Samstag von 10 bis 00:30 Uhr.

Ob nun nördlichste Brauerei oder nicht – Bier vom Polarkreis ist schon der Rede wert. Und um zum Abschluss noch mal olympisch zu werden: Unbedingt zu verkosten gilt es das „Mack Haakon“. Das Bier (ein Lager) wurde im Rahmen der Olympischen Winterspiele in Lillehammer 1994 erstmals präsentiert, wurde mehrfach zum besten Bier Norwegens gekürt und ist bis heute ein Aushängeschild der Brauerei. Skål!

 

Ludwig Mack Bryggeri

Storgata 4

9291 Tromsø, Norwegen

http://www.mack.no

Photo Credits: Marius Fiskum und Mack Brewery

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