BrewDog und OnePint beenden Vertriebskooperation

BrewDog und OnePint beenden Vertriebskooperation

Es ist offiziell, BrewDog und OnePint gehen getrennte Wege. Nach nur neun Monaten wechselt die schottische Brauerei mit der Rebellenattitüde erneut den Vertriebspartner in Deutschland. Dirk Hoplitschek über die Odyssee der Briten.

So ein wenig müssen die Brauhunde einem ja langsam leidtun. Maruhn, Hofmark, Brausturm und nun OnePint – so richtig klappt es nicht mit den (gewünschten) Importeuren und Vertrieblern auf dem deutschen Markt. Das Punk-Bier aus Aberdeenshire bleibt eine Randerscheinung im deutschen Bierkonsum. Die Gründe dafür sind vielfältig und nicht schnell erklärt, aber eines ist sicher:
Mit der Hamburg Beer Company, einer Tochter der Gastronomie- und Getränkegroßhandelsgruppe Nordmann (u.a. Ratsherrn) holt sich BrewDog den bislang vertriebskräftigsten Partner ins Boot.

Damit bestätigen die Schotten wie schon die Brooklyn Brewery und Stone zuvor, dass Biervertrieb in Deutschland nur schwer mit rebellischem Punk funktioniert, sondern über bestehende Vertriebsstrukturen und Handelswege. Flächendeckender Zugang zum Getränkeabholmarkt und zum Lebensmitteleinzelhandel, das sind die Zauberworte.

Konsequenter Ex-Partner OnePINT

So war denn auch der Anlass für OnePint, den Hut zu nehmen, nicht etwa Unzufriedenheit. „Nach wie vor geiles Bier, eine geile Marke, ein starkes Produkt“, sagt OnePint GmbH-Gründer Bjarne M. Hoier. „Deutschland ist ein schwieriger Biermarkt, und vieles dauert hier länger. Das musste ich mit OnePint über die Jahre lernen. Ich bedauere das Ende der Zusammenarbeit, aber unsere Zielvorstellungen für die Entwicklung der Marke ließen sich einfach nicht vereinbaren.“

Diese Zielvorstellung, dazu ist weder Hefesatzlesen noch Kristallflaschenschauen notwendig, ist eine breite Verfügbarkeit von BrewDog in ganz Deutschland. Man will möglichst schnell dorthin, wo Stone Brewing und andere führende deutsche Experimentalbrauer bereits sind. Und zwar in die Regale der Getränkemärkte und vor allem in die der Supermärkte. Das BrewDog-Hauptquartier in Ellon hat für das Ziel einer schnellen Expansion in deutschen Landen bereits ein Team von knapp einem Dutzend eigenen Leuten auf der Straße, die dem schottischen Vorzeige-Bier endlich den Durchbruch verschaffen sollen.

BrewDog und die Ansprüche eines Milliardärs

Die Milliardenbewertung des eigenen Unternehmens hat offenbar auch die Ansprüche der Briten ordentlich hochgeschraubt. Zu hoch für OnePint, ein Unternehmen, das trotz ebenfalls starken Wachstums immer noch im kleinen Mittelstand angesiedelt ist. Man muss sich inzwischen allerdings ernsthaft die Frage stellen, ob BrewDog seine Vorstellungen für den deutschen Markt überhaupt kennt, oder aber nicht in der Lage ist, diese präzise zu formulieren. Von schnellen Personalwechseln und plötzlich völlig veränderter Kommunikation berichtete auch die Hofmark Brauerei aus Cham schon, welche vor OnePint Exklusivimporteur der Schotten war. Man meint, es stecke Methode hinter der Richtungslosigkeit.

von wegen „SINK THE BISMARCK“!

Bisher schoss man eher den Vogel ab, als getreu BrewDogs provokant getauftem 41 %-Vol.-Eisbock das deutsche Biermarkt-Schlachtschiff zu penetrieren. Die nächste, wichtige Frage ist folglich, ob BrewDog den hiesigen Markt schon zur Genüge sondiert hat. Denn dieser, soviel spitzbübischer Patriotismus sei erlaubt, ist tatsächlich mit keinem anderen vergleichbar, auf dem BrewDog bisher erfolgreich war. In vergleichbar wohlhabenden Ländern ist die Preisstruktur völlig anders. In vergleichbar billigen Ländern (in Bezug auf Bier) ist das brautechnische Niveau im Schnitt schlechter. Wer sich nicht ins deutsche Mehrwegsystem eingliedert, hat kaum Chancen, seine Bierflaschen in die primären Verkaufsstellen zu bekommen. All diese Hürden sind OnePint wohlbekannt, und auch die Hamburg Beer Company kennt sie.

Die logische Konsequenz müsste der Schritt hin zur deutschen Standard-Mehrwegflasche sein. Nordmann hat Brauereien, die eine Abfüllung leisten können, will man nicht direkt in Deutschland brauen. Kann man mit solchen Prozessoptimierungen BrewDog preislich in die Nähe hierzulande verbreiteter Marken wie Crew Republic führen, so könnte es endlich was werden mit der Eroberung der deutschen Regale. Die Pressemitteilung, die die neuen Partner Hamburg Beer Company und BrewDog unserer Redaktion als Antwort auf mehrere Anfragen per Telefon und Mail zukommen ließen, bestätigt dies. Die „repräsentativsten Craft Biere Punk IPA, Elvis Juice IPA und das neue Indie Pale Ale“ sollen in naher Zukunft als Mehrweg-Gebinde angeboten werden, „um damit professionell am deutschen Mehrwegmarkt agieren zu können“.

Es wird darüber hinaus aber weiterhin auch KeyKegs für die Gastronomie sowie Dosen und Einweggebinde mit anderen BrewDog-Sorten geben, heißt es weiter. Die Nordmann-Gruppe in Gestalt der Hamburg Beer Company, in Deutschland von Mikrobraufundamentalisten gerne Mal als Konzern und „Industrie“ geschmäht, wird von Berufs-Punk James BrewDog mit warmen Worten bedacht. Man sei „davon mehr als überzeugt, dass die Hamburg Beer Company in der Lage“ sei, dieselbe „Leidenschaft [für das Kreativbiersegment] zu transportieren“, wie man sie selbst lebe.

Man darf gespannt sein, wie viel Geduld BrewDog mit dem neuen Partner hat. Wenn man Mehrweg will und es mit der Hamburg Beer Company nicht klappt, bleiben nur noch die größeren deutschen Brauer wie zum Beispiel die Radeberger-Gruppe als Option. Auch wenn BrewDog bisher zu den lautesten Schmähern von „Big Industrial Beer“ gehört. Aber wenn man sich die Geschichte von BrewDog ansieht, siegte Pragamtismus bereits mehrfach über „Punk“-Attitüde. Der Siegeszug der Schotten im Supermarkt begann beim vielfach als Tante-Emma-Laden-Vernichter geschmähten Handelsmulti Tesco. Und erst kürzlich holte man einen Investment-Fonds an Bord, um die weitere Expansion stemmen zu können.

Nachtrag 17.1.2018: In der ursprünglichen Version dieses Artikels wurden Störtebeker und Stralsunder als Portfolio-Marken der Hamburg Beer Company genannt. Das Unternehmen führt diese nach eigenen Angaben nicht.

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Photo Credit: Brew Dog

One comment

  1. Maruhn
    16. Januar 2018 reply

    Ach ja, wenn ich schon namentlich genannt werde ;). Das Problem Mehrweg gab es schon zu unserer BD Zeit….zu einer Lösung sind wir damals mit Schottland nicht gekommen….es bleibt abzuwarten wie das Nordmann nun behandelt….Marketinggelder und Co dürften auch weiterhin auf sich warten lassen….

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