Brian Schlede, der brauende Rohstoffhändler

Brian Schlede, der brauende Rohstoffhändler

Brian Schlede versorgt mit BrewCraft von Hamburg aus die Brau-Szene mit Rohstoffen aus aller Welt. Nun hat er wohl den ersten Collaboration Brew zwischen Brauer und Händler mitentwickelt, ein alkoholfreies Pale Ale namens ‚Der Kapitän‘. Wie es dazu kam, erklärt er im ausführlichen Interview. 

Kreativbrauer und Hobbybrauer aus Norddeutschland stolpern früher oder später über BrewCraft und Brian Schlede. Seit 2016 versorgt der Hamburger die Brau-Community mit Zutaten aus aller Welt. Hopfen aus Amerika, Malz aus England, Hefen aus Deutschland – für Brian kein Problem. Von zehn Gramm Hefe bis containerweise Malz geht bei BrewCraft alles über den Ladentisch. Dass Brian ein Quereinsteiger ist, gehört in der Szene sowieso zum guten Ton. Mit seinem Fachwissen beeindruckt er heute nicht nur Hobbybrauer, sondern auch gestandene Braumeister mittelständischer Betriebe. Seine Umtriebigkeit hat Brian jetzt sogar ein eigenes Bier beschert – der wohl erste Collaboration Brew zwischen Brauer und Händler.

3B: Moin Brian – wie man hört, bist du jetzt unter die Brauer gegangen?

Brian Schlede: Das kann man so sagen. Gemeinsam mit der Hamburger Landgang Brauerei ist ein Collaboration Brew entstanden, den es seit Mitte April auf dem Markt gibt. Ein alkoholfreies Pale Ale mit dem Namen ‚Der Kapitän‘.

3B: Wie ist es denn zum Kapitän gekommen?

Brian Schlede: Ich habe mir schon länger den Kopf über ein alkoholfreies Bier zerbrochen. Gerade weil ich berufsbedingt immer wieder Bier trinke, würde ich zwischendurch gerne mal auf ein gutes Alkoholfreies zurückgreifen. Denn davon gibt es für meinen Geschmack viel zu wenige auf dem Markt.

3B: Klar, das würden wir doch alle gerne. Aber gleich ein eigenes Bier aus dem Ärmel schütteln?

Brian Schlede: Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen. Also habe ich mit verschiedenen Schüttungen, Maischverfahren und einer niedrigvergärenden Hefe zu experimentieren begonnen. Auf meinem Blog habe ich über meine Erfahrungen berichtet, und jetzt kommt Landgang ins Spiel. Die Jungs rund um Brauer Sascha Bruns hatten nämlich auch Bock auf das Thema, so ist das Projekt ins Rollen gekommen.

3B: Das klingt nach einer bierseligen Idee.

Brian Schlede: Vielleicht war es das am Anfang auch, aber nach einigen Versuchssuden auf meiner Mikroanlage haben wir jetzt 35hl alkoholfreies Pale Ale gebraut. Und seit Der Kapitän im Handel ist, kann sich die Bier-Community selbst ein Bild von unserem Sud machen. Die erste Resonanz ist gut, nach vier Wochen im Markt müssen wir schon den nächsten Sud machen, weil Der Kapitän so leicht runter geht.

3B: Eigentlich bist du ja der Kopf von BrewCraft und braust kein Bier. Erkläre doch mal kurz, was BrewCraft eigentlich macht.

Brian Schlede: BrewCraft soll für kleine und mittelgroße Brauer und Hobbybrauer in Norddeutschland eine Anlaufstelle für ihren Rohstoffbedarf sein. Brauereiversorgung aus einer Hand, sozusagen ein One-Stop-Shop.

3B: Händler gibt es aber doch wie Sand am Meer. Was ist das besondere an BrewCraft?

Brian Schlede: Der Brauer hat nur noch eine Telefonnummer, um seine Brauzutaten zu ordern. Wenn also der Brauer bei dem einen Lieferanten den besonders raren Hopfen nicht findet, muss er häufig lange suchen und viele Lieferanten ansprechen. Ich sehe mich da als Problemlöser für die teilweise sehr ausgefallenen Rezeptideen.

3B: BrewCraft ist also der externe Einkäufer?

Brian Schlede: Absolut. Ich habe mittlerweile ein sehr großes Netzwerk in ganz Europa. Meine Ansprechpartner betreiben wie ich auch ein eigenes Lager und haben Produkte vorrätig, die vielleicht in Deutschland gerade ausverkauft sind. Das führt auch dazu, dass einige Brauereien sich nicht nur gelegentlich mit einem Problem an mich wenden, sondern sich komplett von mir beliefern lassen mit allen Malzen, Hopfen, Hefen und Hilfsstoffen. Von wenigen Kilos bis ganzen Containern geht bei mir alles über den Ladentisch. Und immer mehr auch die Beratung.

3B: Inwiefern berätst du denn die Brauer?

Brian Schlede: Wenn ein Brauer etwa einen neuen Bierstil in sein Programm aufnehmen will, empfehle ich ihm passende Hopfen- und Malz-Sorten. So ist zum Beispiel eine der erfolgreichsten ganzjährigen Spezialsorten der Ratsherrn-Brauerei in Hamburg entstanden. Das ‚Lazy in Red‘ wurde entwickelt, weil ich den Leiter der Versuchsbrauerei Ian Pyle davon überzeugen konnte, das BEST Red X®-Malz auszuprobieren und ihm meine Erfahrung zur Verarbeitung mitgegeben habe. Das Bier ist zwar am Ende ganz anders entwickelt worden, als ich es mir nach dem ersten Versuch vorgestellt hatte, aber das ist eben die kreative Arbeit des Brauers.

3B: Woher kommt dein Fachwissen, dass dir Brauer oder Brauereien so vertrauen?

Brian Schlede: Tatsächlich bin ich ein Quereinsteiger in der Branche. Zwar habe ich einen brauchbaren, naturwissenschaftlichen Hintergrund, dann aber zehn Jahre als Strategieberater gearbeitet. Mein letztes Beratungsprojekt hat mich zu einer Spezialmälzerei geführt, und schon war ich infiziert mit dem Brau-Virus. Durch die vielen studierten Brauer im Unternehmen hatte ich die Chance, irrsinnig viel über Brauen und Malz zu lernen.

3B: Vom Strategieberater zum eigenen Unternehmen ist es aber schon noch ein großer Schritt …

Brian Schlede: Stimmt, aber die Idee des One-Stop-Shops hat mich nicht mehr losgelassen. Als ich meinen Businessplan geschrieben habe, war schon erkennbar, dass im Norden viele neue Brauereien gegründet werden. Die Lieferanten sitzen aber fast alle in Süddeutschland. Da war mir klar, die Nische muss ich als Erster besetzen. Das läuft jetzt seit zwei Jahren ganz gut.

3B: Und das bleibt hoffentlich noch eine Weile lang so. Vielen Dank, Brian.

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Photo Credit: Renate Kerscher 

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