Von Bienen und Pferden: Zu Besuch an den Kreativbier-Kesseln von Kassel

Von Bienen und Pferden: Zu Besuch an den Kreativbier-Kesseln von Kassel

Die Honigbier-Macher von CraftBee und Steckenpferd in einer alten Pferdemetzgerei halten in Kassel die Kreativbier-Fahne hoch. Beide Marken sind eher durch Zufall entstanden als einem Masterplan gefolgt. Das heißt aber nicht, dass ihre Macher nicht noch Großes vorhätten, wie sie Bier, Bars & Brauer bei einem Lokalaugenschein erzählen.

Kassel ist nicht gerade für seine pulsierende Kreativbier-Szene bekannt. Man muss genauer hinschauen, um die kreativen Brauer an ihren Kesseln zu finden. Im Angebot: Zwei bierbrauende Imker und zwei Studenten mit selbstgebauter Brauanlage. Aber der Reihe nach.

Michael und Michael langweilen sich

Bei CraftBee, einem Kunstwort aus Craft Bee und dem englischen „Bee“, ist der Name Programm: Bier mit Honig, also Honigbier. Dahinter stecken zwei Hobby-Imker: Michael und Michael. Die beiden waren an einem viel zu heißen Tag vor drei Jahren zu einem Brauereifest bei Hütt eingeladen. Honig verkaufen. „Es war echt zu heiß für Honig. Keiner wollte probieren oder gar etwas kaufen. Was zählte, waren gut gekühlte Biere“, sagt Michael.

Die beiden Männer langweilten sich an ihrem Stand. Es gab viel Zeit zum Sinnieren und Rumspinnen. Die Brauereiluft inspirierte. Die brennende Sonne tat das Übrige. „Irgendwann dachten wir, dass ein Bier mit unserem Honig eine Klasse Idee wäre. Und zudem eine echte Marktlücke für die Brauerei, auf deren Fest wir standen.“ Sie haben der Marketing-Chefin davon erzählt.

Ein paar Tage später kam ein Anruf aus der Brauerei. Man sei interessiert. „Der Braumeister hat dann gleich mit Test-Suden angefangen. Es sollte ein Honigbier werden, das nicht zu süß ist.“ Bis das Bier trinkbar war, hat es gedauert. Eine ganze Weile. Auf der Drinkability sei der Fokus gelegen. Ein Bier, von dem man gerne ein zweites trinkt. „Heute haben wir ein tolles Produkt. Ein honiggestopftes Bier, sozusagen“, erklärt Michael.

Das Honigbier war produktionsreif. Die Brauerei wollte es aber nicht ins Portfolio aufnehmen. Kein Reinheitsgebot. „Da waren wir schockiert. Wir dachten von der Idee bis zu den Testsuden, dass wir quasi der Honig-Lieferant der Brauerei werden für das Bier. Produzieren wollten wir es nicht. Eigentlich.“

CraftBee summt kräftig los

Plan B. Die beiden Michaels und Sascha, Braumeister bei Hütt, gründeten CraftBee, und mieten seither für die Produktion ihres Bieres die Produktionsanlagen der Brauerei. „Und auf einmal waren wir Craftbrauer“, fasst Michael zusammen. Das ist jetzt zwei Jahre her. Von den ersten 1.000 Flaschen bis zum heutigen Ausstoß von 160 Hektolitern im Jahr und zwei Sorten war es ein langer Weg.  „Wir haben schon jede Menge Preise für unser Bier gewonnen. Das hat uns selbst ein bisschen überrollt. Wir waren zwar immer von unserem Produkt überzeugt, aber dass wir in Wettbewerben doch so erfolgreich sein würden, war mehr, als wir erwartet hatten.“

Schwerpunktmäßig verkaufen die Michaels und Sascha ihr CraftBee im Großraum Kassel. Ein Vertriebspartner fehlt noch. Der Markt für Honigbier ist überschaubar, ein Nischenprodukt in der Nische. Großes Wachstumspotential sehen die drei vor allem in der Gastronomie. Um dort hinzukommen, lassen sie ihr Bier auf Festivals immer wieder die Besucher probieren. „Wer es einmal probiert hat, findet CraftBee super, gerade weil es nicht zu süß ist und aus hochwertigem Honig produziert wird.“

Genau, da war ja noch der Honig. Den produzieren die beiden Michaels nach wie vor selbst. Beziehungsweise „ihre Mädels“, wie einer der beiden Michaels seine Bienen nennt. Exklusiver Stadtbienenhonig – ohne Raps. „In der Stadt gibt es keinen Raps. Zum Glück. Der verdirbt jeden Honig“, sagt Michael. Zweimal im Jahr wird geerntet: Frühjahrsblütenhonig und Sommerblütenhonig. Einer kommt in das helle Honigbier, der andere ins Dunkle.

Und wie sieht es mit ihrem Honigbier in fünf Jahren aus? „Da haben wir unsere eigene Brauerei, einen professionellen Vertrieb und machen mehr als zwei Sorten. Vielleicht machen wir auch klassisches Bier, so ganz ohne Honig“, blicken die beiden Michaels in die Zukunft von CraftBee.

Kreativbier-Kneipe in der Pferdemetzgerei

 Kreativbier in Kassel, die Zweite: Steckenpferd. Zwei Studenten, eine Kreativbier-Kneipe mit kulturellem Anspruch und eigener Brauerei – der einzigen Brauerei innerhalb der Kasseler Stadtgrenzen. Wie kommt’s?

„Erik und ich haben irgendwann mal gemeinsam Bier gemacht. Zuhause in Töpfen. Das war nicht schön. Eine riesige Sauerei“, erklärt Johannes, der die Geschichte von Steckenpferd erzählt, während sein Freund Erik im Urlaub ist. Es musste etwas Professionelles her. Also haben sich die beiden etwas gebaut. Eine eigene Brauanlage. Warum auch nicht. Die beiden haben geklotzt statt gekleckert. „Für die Wohnung war sie zu groß. Also haben wir uns einen Raum angemietet, wo wir basteln und brauen können“, sagt Johannes.

In einer alten Pferdemetzgerei haben die beiden ein Hinterzimmer gemietet. Gefliest und groß genug für ihre 150-Liter-Anlage. Klein anfangen kann ja jeder. „Nach einem Jahr experimentieren wollten wir unser Bier in den Ausschank bringen“, sagt Johannes. Äußerst praktisch, dass es in der alten Pferdemetzgerei auch einen stillgelegten Verkaufsraum gab. „Das Startkapital haben wir bei einem Innovationswettbewerb gewonnen. Mit viel Eigenleistung ist dann das Steckenpferd entstanden.“

Neben handwerklichem Bier steht im Steckenpferd auch die Kultur im Fokus. Es gibt Ausstellungen, Musik-Veranstaltungen und Lesungen im Laden. „Das Viertel hier soll wieder besser belebt werden“, erklärt Johannes den Anspruch der Jungs.

Steckenpferd reitet weiter

Auf 120 Hektoliter im Jahr kommen die beiden inzwischen. Das ist überschaubar, aber für die 150-Liter-Anlage zu viel. Darum wird nicht das gesamte Bier im Hinterzimmer gebraut. Die zwei greifen auf Lohnbrau zurück. Drei Biere sind im Standard-Sortiment: Das Kellerkind, ein Kellerbier;  läuft – ein Pale Ale und Gut Sud, ein Double IPA.

„Wir wollen weiter machen und mehr machen, denn das Ende der Fahnenstange haben wir noch lange nicht erreicht.“ Die Zukunft soll den beiden Studenten größere Räumlichkeiten bringen, um nicht mehr so beengt arbeiten zu müssen. Und ein Großhändler muss an Land gezogen werden, damit die Ausstoßmenge weiter wachsen kann. Ach ja, und ihr Studium wollen die beiden auch irgendwann abschließen.

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Photo Credit: Craftbee

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