Tradition ist kein sturer Bock. Der Hamburger Senatsbock 2018

Tradition ist kein sturer Bock. Der Hamburger Senatsbock 2018

Der Hamburger Senatsbock ist das traditionelle Gemeinschaftsprojekt von fünf Hamburger Brauereien: Blockbräu, Gröninger, Joh. Albrecht, Kehrwieder Kreativbrauerei und Ratsherrn. Bereits im 4. Jahr – seit 2014 – entwickeln, planen und brauen sie gemeinsam ihren Doppelbock und läuten mit dem alljährlichen Fassanstich im Januar die fünfte Jahreszeit ein. Die Bockbierzeit.

Doch der Senatsbock 2018 ist anders. Das erste Mal braute jede Brauerei seinen eigenen Doppelbock ein. Entspricht das dem ursprünglichen Grundgedanken eines 5-fachen Co-Brews?Wir waren beim offiziellen Fassanstich dabei.

Wir schreiben Freitag, den 19. Januar 2018. Auf dem ‚Historischen Speicherboden‘ in der Hamburger Speicherstadt am Hafen finden 5 Brauereien und 600 Gäste zueinander, um ihn gemeinsam zu zelebrieren: den Hamburger Senatsbock 2018. Für 45 Euro Eintrittspreis konnte der Gast eines der begehrten Senatsbock Rundum-Sorglos-Tickets erwerben. Mitinbegriffen war der gesamte Abend: Der traditionelle Anstich, der Senatsbock sowie bis zu 10 verschiedene Biere der Hamburger Brauereien, unalkoholische Getränke, ein bodenständiges Buffet aus Fischbrötchen, Kartoffelsalat und Currywurst sowie ein Unterhaltungsprogramm und Waterkant-Schlagerstar Freddy Albers.

18:25 Uhr: Der Anstich Beginn verzögert sich. Mit der Begrüßungsansprache wurde versehentlich das Fischbrötchen-Buffet eröffnet. Die Gäste sind dankbar für den Fauxpas und lassen sich die Grundlage schmecken.

18:45 Uhr: Zünftig mit Zylinder auf dem Kopf und Steinkrug in der Hand stehen die 6 Braumeister Thomas Kunst, Philipp Bollhorn (beide Ratsherrn), Thomas Hundt (Blockbräu), Philipp Diener (Gröninger) und Florian Haider (Joh. Albrecht) auf der kleinen Bühne zusammen. Vergnügt stellen sie sich und ihre Versionen des Senatsbocks vor.

Und wann kommt das Holzfass mit dem ersten Senatsbock des Jahres?

18:55 Uhr: Zur bedeutungvollen Einlaufmusik – „Conquest Of Paradise“ – wird das heiß ersehnte und wohl gekühlte Fass gen Bühne getragen. Das Publikum ist begeistert.

19:00 Uhr: Feierlich kündigt Thomas Kunst, seines Zeichens Brau- und Showmeister des Vorabendprogramms, den diesjährigen Überraschungsgast für den Anstich an. In nicht ganz zotenfreier Marnier, dafür mit einer Handbreit Augenzwinkern unter`m Kiel, führt er aus: „Ich habe alles versucht, habe unserem Bürgermeister Olaf Scholz einen netten Brief geschrieben und ihn gefragt, ob er kommt. Er wollte aber nicht. Vielleicht war im der Senatsbock zu schwarz.“ Die Menge jubelt.

Schließlich ist es zumeist ein bekannter Hamburger Senator oder Politiker, der traditionell mit seinem kräftigen Schlag den Zapfhahn in das erste Holzfass hineinschlägt.

Denn das war schon immer so

Rückblick: In den 1950iger Jahren schlossen sich die fünf großen Brauereien Hamburgs zusammen, um gemeinschaftlich ein Bier einzubrauen. Der Senatsbock, ein Doppelbock mit 18° Stammwürze, wurde von den meist männlichen Gästen im altehrwürdigen Curio-Haus gefeiert. Der Dresscode: festlich mit Frack und Zylinder. Hochzeremoniell wurde in das erste Fass des Jahres ein Zapfhahn geschlagen und nach den Richtlinien des Protokolls freigegeben. „Zum menschlichen Genuss geeignet!“ lautete das Urteil der Zapfhahn-Prominenz wie Polizeipräsident Bruno Georgis oder Fußball-Ikone Uwe Seeler. So wurde die Tradition des Hamburger Senatsbocks geboren und bis zu ihrem Ende in die 1970iger Jahre hochgehalten. Im Spätsommer 2014 entscheiden sich die 5 Hamburger Brauereien Ratsherrn, Kehrwieder, Joh. Albrecht, Gröninger und Blockbräu die alte Tradition neu aufleben zu lassen. Der erste Anstich 2015 wurde von Senator Joachim Seeler – ja, verwandt mit ‚Uns Uwe Seeler‘ – vollzogen. Der Senatsbock war nach Hamburg zurück gekehrt!

600 Menschen blicken irritiert auf die Bühne

19:00 Uhr. Gleich geht es los. Der Politiker, der den Anstich vollziehen darf, wird angekündigt: „Elegant, verführerisch und man kann ihrer dunklen Schönheit einfach nicht entkommen. Genau wie unserem Senatsbock: Alsterradio Moderatorin, Lilly Roberts!“ donnert es aus dem Mikrofon. Eine Frau? 600 Menschen blicken irritiert auf die Bühne. Gut gelaunt und mit einer souveränen Selbstverständlichkeit betritt eine attraktive, dunkelhaarige junge Frau die Bühne. Die 26-jährige Moderatorin lässt die Zuschauer keine Sekunde lang im Zweifel. Sie liebt Bier, sie liebt Hamburg, das Projekt Senatsbock findet sie toll. Das Publikum sie ebenfalls.

19:07 Uhr: Endlich – der Hamburger Senatsbock 2018 wird angeschlagen! Mit dem Hammer in der Hand haut Lilly zu – doch das Fass trotzt ihrem Zapfhahn. Nach mehr als 20 Schlägen sitzt der Hahn immer noch nicht dort, wo er hin soll. Er hatte sich – so erfahren wir später – nach dem ersten Schlag verkantet. Egal, das tut der Show keinen Abbruch. Kurze Zeit später klappt es.
Und allgemeine Erleichterung macht sich mit dem erlösenden Ausruf breit: „Definitiv zum menschlichen Verzehr geeignet!“ Der Hamburger Senatsbock 2018 ist freigegeben.

Der Hamburger Senatsbock 2018

Der Senatsbock 2018 ist anders

 

In 3 wesentlichen Merkmalen unterscheidet sich der diesjährige Senatsbock von seinen Vorgängern:

1. Der Anstich: Zum ersten Mal führte kein Mann, kein Hamburger Politiker, den Senatsbock Anstich durch, sondern eine Frau – eine Hamburgerin.

2. Das Bier: Zum ersten Mal wurde der Senatsbock nicht gemeinsam von allen fünf Brauereien in einem Braukessel, sondern in drei Varianten in den verschiedenen Brauereien eingebraut.

3. Die Organisation: Zum ersten Mal organisierten die Braumeister bzw. das Brauer Team selbst das gesamte Projekt Senatsbock – von der ersten Planung der Rezeptur bis zur Umsetzung des Anstich-Events. Eigens hierfür gründeten sie den Senatsbock e.V..

Die Tradition hat sich weiterentwickelt

Der Hamburger Senatsbock 2018„Der Senatsbock 2018 ist weit mehr als das gemeinsame Einbrauen eines Biers. Es ist ein monatelanges Gemeinschaftsprojekt!“ so Florian Haider und Philipp Diener. „Dadurch, dass wir Brauer alles selbst organisiert haben, war unsere Zusammenarbeit dieses Jahr noch viel intensiver.“ zieht Thomas Hundt Bilanz. Philipp Bollhorn fügt hinzu: „Unsere drei Senatsböcke haben das gleiche Grundrezept, die gleiche Mischung aus fünf Malzsorten. Das haben wir vorher festgelegt. Die Rezeptur wurde nur 3-fach interpretiert. Uns war wichtig Vielfalt zu zeigen, ja, wie vielfältig der Senatsbock ist!“

Der Senatsbock ist ein Doppelbock von tiefschwarzer Farbe und einem geschmeidig-cremigen Mundgefühl. Ein Nachtrunk mit Noten von Schokolade, Karamell und Espresso runden ihn ab.

Die 3 Senatsbock Varianten in 2018 sind: die klassische Version, wie sie in den letzten Jahren eingebraut wurde, von dem Trio um Blockbräu, Joh. Albrecht und Gröninger, die Version Franzbrötchen von der Kehrwieder Kreativbrauerei und die Version Schokolade trifft Vanille von der Ratsherrn Brauerei.

„Durch die Reifung auf Holzchips haben wir unserem Senatsbock wunderbare Aromen von Vanille verpasst. Das passt richtig gut mit den dunklen Röstnoten zusammen. Wie ein kleines Schokodessert!“ schwelgen Bollhorn und Kunst über ihren Senatsbock.

„Wir wollten den Bock typisch Hamburgisch interpretieren. Für uns gab es da nur zwei Richtungen: Matjes oder Franzbrötchen (eine im Norden beliebte Abwandlung der Zimtschnecke). Erst hatten wir sogar überlegt die ganzen Teilchen in den Tank zu geben, haben uns dann aber lieber für Zimt im Whirlpool entschieden.“ flachst Oliver Wesseloh.

Emanzipation am Fass – warum eigentlich nicht?

„Für den Anstich haben wir keinen geeigneten Kandidaten gefunden. Dann hat unser DJ die Moderatiorin Lilly Roberts vorgeschlagen. Anfangs waren wir nicht begeistert. Dann lernten wir sie kennen und dachten: ‚Coole Frau. Warum eigentlich nicht?`“ erinnert sich Thomas Hundt ehrlich.

So kam es dazu, dass der traditionelle Fassanstich des Senatsbocks schließlich im Jahre 2018 emanzipiert wurde. Doch eigentlich spielte das gar keine große (Gender)Rolle: das Aufregende passierte unaufgeregt. Ganz nebenbei.

Ob das einzig Wahre oder wahre Vielfalt, ob Frau oder Mann, ob Braumeister oder Veranstalter – der diesjährige Senatsbock hat gezeigt, dass auch eine Tradition mit der Zeit gehen darf.
Tradition ist kein sturer Bock.

Unser Fazit

Der Hamburger Senatsbock 2018. Ein 100%iges Gemeinschaftsprojekt der Senatsbock e.V.. Wir freuen uns schon auf den traditionellen Anstich in 2019! Ab sofort könnt ihr die leckeren Hamburger Senatsböcke auch käuflich erwerben.

Weitere Informationen zur Verfügbarkeit unter www.senatsbock.de

 

Credit: Felix Bernhard

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