Ex und Hoppe – eine Brauerei macht den Landgang

Ex und Hoppe – eine Brauerei macht den Landgang

Hoppebräu und Hopper Bräu, das kann man schon einmal verwechseln. Was passiert, wenn zwei Brauereien sich in der Namensgebung in die Quere kommen und was sollten Brauereien im Markenrecht beachten? Sandra Heyne im Interview mit zwei Brauern, die wissen, wovon sie sprechen.

 Sommer 2016. Eine helle Aufregung war das, als Hopper Bräu aus Hamburg von Hoppebräu aus Bayern einen Anruf bekam: Hoppe besitze die Markenrechte an Hoppebräu, hieß es. Hopper und Hoppe, die Namen seien zu ähnlich, so hieß es weiter. Hopper solle bitte seinen Namen ändern.

Ein Schockmoment für die beiden Neugründer, Lars Großkurth und Sascha Bruns, denn kurz darauf – am 16. September – wollten sie ihre neue Brauerei namens Hopper Bräu in der Hansestadt eröffnen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits die Ausstattung produziert, die Flaschen etikettiert, die Webseite umgesetzt und das gesamte Paket in die Welt hinaus kommuniziert.

War das der Niedergang bereits vor dem Anfang?

„Verdammt‚ was soll denn das?“ fuhr es mir durch den Kopf, als ich von einer neuen Craft Beer Brauerei namens Hopper Bräu aus Hamburg erfuhr“, erinnert sich Markus Hoppe, Inhaber von Hoppebräu aus Waakirchen unweit des bekannten Tegernsees bei Bad Tölz.

„Ich war verunsichert, ob ich lieber meinen Mund halten soll oder eben nicht“, erzählt Markus in sympathischer Oberbayrischer Mundart zugleich mit gedämpfter Stimme. „Ich wollte halt keinen Stress machen.“ Schließlich griff er doch zum Hörer.

„Nach dem Telefonat mit Markus waren wir uns sicher, dass es ausreicht, wenn wir grob abstecken: Markus macht seinen Vertrieb im Süden, wir im Norden. Und wir treffen uns einfach in der Mitte“, so Braumeister Sascha Bruns in der unaufgeregt-pragmatischen Manier eines Hamburger Jung’. „Als Start Up waren wir unbedarft. Unsere To-do-Liste war voll, das Budget knapp. Dazu war die Namensfindung mit Abstand das Schwierigste“, gesteht Sascha ein. „Uns gefiel die Vorstellung, dass Leute sagen: Komm, wir gehen ins Hopper!“, freut er sich über diese Erinnerung. „Klar haben wir auch mal gegoogelt, ob es den Namen schon gibt. Aber im Grunde genommen, war es ganz einfach: Wir hatten unseren Namen, das war jetzt unsere Marke. Check.

Von Markenschutz hatten wir bis dato keine Ahnung, hatten aber gehört, dass wir unseren Namen registrieren lassen müssen.“

Gedacht, gemacht: Im Februar 2015 ließen die Hamburger ihre URL www.hopper-braeu.de über denic, der zentralen Registrierungsstelle aller deutschen Domains, eintragen.

Was Sascha und Lars zu diesem Zeitpunkt nicht wussten: Im Jahr 2013, also zwei Jahre zuvor, meldete ein junger Braumeister namens Markus Hoppe seine Marke „Hoppebräu“ beim Deutschen Patent- und Markenamt an und sicherte den Markennamen für die Klassifikationen der Alkoholischen und Nicht-Alkoholischen Getränke ab.

„Eigentlich war es ein Bekannter, ein Rechtsanwalt, der mich zur Markeneintragung angetrieben hat. Mittlerweile bin ich erleichtert, dass ich das durchgezogen habe. Besonders, weil meine Marke das einzig Greifbare ist, das mir zu 100% gehört. Eine eigene Brauerei besitze ich nämlich nicht. Noch nicht. Aber das Hoppebräu Brewpub ist in Arbeit – und rechtzeitig zur Biersaison 2019 fertig“, ergänzt er mit einem hörbaren Lächeln.

Seit dem ersten Telefongespräch zwischen Hoppe und Hopper vergingen gut sechs Monate. Ein halbes Jahr, in dem beide Brauereien erfolgreich wuchsen und expandierten – und das über die regionalen Grenzen bis in den überregional organisierten Handel hinein. Darüber hinaus exportiert Hoppe in fünf weitere Länder.

Bis Anfang 2017 hatte sich der anvisierte vertriebliche Mittelweg als Einbahnstraße entwickelt.

„Die Missverständnisse rund um Hoppebräu und Hopper Bräu häuften sich“, berichtet Markus.

„Von banalen Dingen wie Anfragen nach Brauereiführungen von norddeutschen Interessenten bis hin zur Fehlkommunikation mit der Berufsschule unseres Azubis, war alles dabei. Die Schule hat den Lehrplan nicht an info@hoppebraeu.de, sondern an info@hopper-braeu.de geschickt. Also nach Hamburg, nicht zu uns.“ ergänzt er. „Natürlich war das alles kein Weltuntergang, aber kostete in Summe viel Zeit und Geduld.“ Ein Verständnis, das nicht alle Involvierten aufbrachten.

„Unsere Großkunden wurden zunehmend ungehalten.“

Der Verwechslung geschuldet, schlichen sich Bestell- und Logistikfehler ein. Denn der organisierte LEH bezog sowohl Hopper als auch Hoppe Bier. „Schließlich war es der Chefeinkäufer einer bedeutsamen Einzelhandelskette, der uns zum Handeln bewogen hat.“ erklärt Markus zerknirscht. „Er eröffnete uns deutlich: Klärt das mit euren Namen oder wir beenden unsere Zusammenarbeit – mit beiden Brauereien.’ Für den Kunden gab es keine zwei Meinungen.“ Gleiches galt schließlich für die Brauereien.

„Am Ende mussten wir feststellen, dass das doppelte Hoppe-Hopper zu doppelten Problemen führt“, zieht Sascha Bilanz. „Ein Rechtsstreit stand für uns gar nicht zur Debatte. Für uns war klar, dass Markus im Recht war. Außerdem wollten wir Bier brauen, nicht streiten.“

Im März 2017 einigen sich die brauenden Namenszwillinge. Bis zum 31.12.17 wird das zweit geborene Hopper Bräu aus Hamburg seinen Namen ändern und alle relevanten Elemente durch einen neuen Markenauftritt ersetzen. Die Vereinbarung wurde durch den Bayerischen Brauerbund e.V. ausgearbeitet und juristisch begleitet.

„Wir sehen den Neuanfang als Chance. Klar hätten wir uns das alles sparen können, indem wir einen ordentlichen Markencheck gemacht hätten. Aber schließlich sind wir nicht die erste Brauerei, die sich umbenennen muss – und bestimmt auch nicht die letzte. Man denke nur an die Berliner Bierfabrik oder Crew Republic. Und die neuen Namen sind so viel cooler“, fügt Sascha mit einem selbstironischen Grinser hinzu.

Landgang statt Niedergang

Landgang Brauerei – so lautet der neue Name der ehemaligen Hopper Bräu. Und genau das scheint auch das Motto des tiefenentspannten Duos zu sein. „Für uns bedeutet Landgang ein wohliges Gefühl des Heimkommens, ja, des Ankommens. Ein absolut positiver Moment“, philosophiert Braumeister Bruns. Passender Weise nennt sich das Flagship Pilsener ebenso.

Am Ende des Tages scheint alles zu passen. Sogar auf dem persönlichen Level. „Es ist verrückt, aber im Laufe der Zeit haben wir festgestellt, dass wir uns recht ähnlich sind. Wir brauen von Hand, machen alles selbst von Einkauf über Events bis Marketing und Vertrieb. Wir sind ehrlich und direkt in unserer Kommunikation. Und haben den gleichen Humor“, beschreibt Markus das mittlerweile eher freundschaftliche Miteinander. „Ich bin dankbar, dass wir das unschöne Thema gemeinsam und auf Augenhöhe klären konnten. Trotzdem sind wir alle erleichtert, wenn ein Haken hinter der Geschichte ist. Spätestens zur Internorga 2018 in Hamburg werden wir ganz viele Biere zusammen trinken“, sind sich alle Beteiligten sicher.

Die Braumeister Markus und Sascha haben uns übrigens verraten, dass sie über ein gemeinsames Projekt nachdenken. Details ließen sie sich nicht entlocken, aber wir dürfen gespannt sein. Das sind wir definitiv und wüssten auch schon einen Namen für das Co-Brew: Ex und Hoppe!

Hier haben wir für euch eine kleine Übersicht der 10 wichtigsten Fakten zum Deutschen Markenrecht zusammengestellt. Aus dass ihr vor dem gröbsten Rechtsstress gefeit seid! 

  1. Das Deutsche Markengesetz hat seinen Ursprung im Warenkennzeichnungsgesetz von 1894, das Wortmarken und Ausstattungen erstmals schütze.
  2. Die Eintragung eines Domainnamens via denic.de entspricht nicht der Anmeldung einer Marke. denic ist die zentrale Registrierungsstelle für alle .de-Domains, jedoch keine Prüf- und Sammelstelle für deutsche Marken.
  3. Das Deutsche Patent- und Markenamt (kurz: DPMA) ist das Kompetenzzentrum des Bundes für gewerblichen Rechtsschutz in Deutschland. Die Anmeldung einer Marke kann auf 3 Wegen erfolgen: online via dpma.de, elektronisch via Signatur-Karte und auf Papier.
  4. Das DPMA empfiehlt eine Identitäts- und Ähnlichkeitsrecherche bevor die Markenanmeldung erfolgt. Die Prüfung sollte mindestens über das DPMA-Register und Google stattfinden.
  5. Im Markenrecht gilt der Grundsatz der Priorität. Das bedeutet, dass die ältere Marke sich gegen die jüngere durchsetzt.
  6. Gibt es bereits eine ähnliche Marke und könnte in Folge dessen eine Verwechslungsgefahr bestehen – besonders aufgrund gleicher Klassifikation -, droht eine markenrechtliche Abmahnung, Schadensersatzansprüche sowie ggf. ein Rechtsstreit mit hohen Kosten.
  7. Die Anmeldung kann vom Inhaber (auch Privatperson) selbst vorgenommen werden. Eine rechtsanwaltliche Vertretung ist nicht notwendig.
  8. Eine pauschale Markenanmeldung kann nicht erfolgen. Es muss genau definiert werden für welche Waren die betreffende Marke geschützt werden soll. Die sogenannte internationale Nizza Klassifikation ist Grundlage der Klassifikation.
  9. Wer eine deutsche Marke erfolgreich angemeldet hat, hat zunächst Schutz für 10 Jahre. Die Schutzdauer kann beliebig oft jeweils um 10 Jahre verlängert werden.
  10. Kosten für die Eintragung beim DPMA

Anmeldegebühr für Markenschutz (bis zu drei Klassen): 300 EURO

Anmeldegebühr für Markenschutz bei elektronischer Anmeldung: 290 EURO

Markenschutz Klassengebühr (für jede weitere Klasse): 100 EURO

Beschleunigte Prüfung der Anmeldung für Markenschutz: 200 EURO

Verlängerung Schutzdauer um 10 Jahre: 750 EURO

Weitere Informationen unter www.dpma.de

Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und stellt keine juristische Beratung dar.

Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernimmt die Redaktion keine Haftung für die Rechtsverbindlichkeit und Vollständigkeit.

 

Stand Dezember 2017

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