Faszination Nachhall: das Aecht Schlenkerla Fastenbier im Test

Faszination Nachhall: das Aecht Schlenkerla Fastenbier im Test

Schlenkerla ist Kult, und das nicht nur, weil die Bamberger Brauerei nach dem Beinamen ihres Gründers benannt ist, der nach einem Unfall eine eigenwillige Art des Gehens entwickelte. Heute tragen vor allem Rauchbiere wie das Aecht Schlenkerla Fastenbier zum Ruhm bei. Wir haben die Spezialität, die nur zwischen Karnevalsende und Ostern ausgeschenkt wird, getestet.

Das wunderhübsche Bamberg gilt als Inbegriff einer sehr besonderen Brauspezialität: nämlich der Rauchbiere. Wie aber kommt der Rauch ins Bier? Sobald die gewässerte Gerste ihre ersten Triebe entwickelt, gilt es, das Keimen zu stoppen. Das geschieht durch Hitze, historisch über einem Feuer und dessen Rauch.

Schwenker zum Schlenkerla-Kult

Der Rauch trägt sein Aroma in die Gerste, das sich später im fertigen Getränk wiederfindet. Insbesondere die Brauerei Spezial, die auf das Jahr 1536 zurück datiert und noch heute ihre verwendeten Rauchmalze selbst herstellt, verkörpert diese Brautradition. Und natürlich die Brauerei Schlenkerla, deren Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen deutlich kraftvoller und rauchiger mundet als die meisten anderen Spezialitäten, von denen auch jene der fränkischen Marken Rittmayer oder Weiherer zu überzeugen wissen.

Aber Schlenkerla ist Kult schlechthin – und das zu Recht. Der Name geht auf Andreas Graser zurück, der 1877 die Geschicke einer Brauerei übernahm, deren Bierausschank  erstmals 1405 in den Annalen der Chronisten auftaucht. Graser erlitt einen Unfall mit einem Fuhrwerk und entwickelte in der Folge eine ungewöhnlichen Gehweise, bei der er auffällig mit den Armen schlenkerte. Dies brachte ihm seinen Beinamen ein, der dann zum Namen seiner Braustätte mutierte.

Schlenkerla und sein Fastenbier

Neben dem Rauchbier Märzen-Klassiker bietet Schlenkerla über das Jahr hinweg wechselnde weitere Sorten an, wie den Rauchbock, das Rauchweizen oder die köstliche Aecht Schlenkerla Eiche zur Weihnachtszeit.

Eine besondere Spezialität, die nur zwischen Karnevalsende (Aschermittwoch) und Ostern ausgeschenkt wird, ist das Fastenbier. „Trinken bricht das Fasten nicht“, lautet der bewährte Spruch, der stets dazu beitrug, dass insbesondere Klöster die Brauwissenschaft voran trieben. Lange war das Fastenbier nur von den Zapfhähnen im Brauereiausschank erhältlich. Seit 2015 wird es auch in limitierter Auflage in Flaschen abgefüllt.

Das rötliche, untergärige Bier wird mit 5,5% Vol. eingebraut, also etwas stärker als das bewährte Märzen. Ausgewählte Hopfen aus Spalt und der Hallertau kommen hinzu. Nach einer einwöchigen Hauptgärung folgt über zwei weitere Monate hinweg eine Lagerung und Reifung in den historischen Felsenkellern unter dem Bamberger Stephansberg. Die Malzmischung enthält etwas weniger Rauchmalz, stattdessen einen Anteil an hellem Malz.

Schlenkerla Fastenbier: Faszination Nachhall

Die Nase kommt dennoch rauchig daher, aber mit weniger Schinken, eher einem Hauch Räucheraal an der Seite. Dazu eine kräftige Holznote. Im Antrunk mundet die Spezialität erstaunlich schlank, frisch und süffig. Eine elegante Malzsüße schwingt mit, Anklänge von Dörrobst, Lakritz und Karamell gesellen sich hinzu. Das Mundgefühl bleibt überraschend geschmeidig.

Die wahre Faszination entwickelt sich im Nachhall, wenn von hinten eine komplexe Aromenvielfalt über die Nase ausgeatmet wird. Der Abgang entwickelt sich dadurch sehr lang und vielschichtig. Man meint, den Rauch des Feuers wahrzunehmen, dazu Holz und röstige Nuancen von Nüssen.

Viel los im Schlenkerla Fachwerkhaus

Am besten genießt man die Schlenkerla-Biere natürlich inmitten der Altstadt von Bamberg im historischen Fachwerkhaus mit dem Brauereiausschank. Trotz des hohen Touristenaufkommens ist das Essen sehr gut, der Service souverän und die Bierpflege vorbildlich.

Hier wird das Rauchbier auch aus dem Holzfass gezapft und mundet nach dem dritten oder vierten „Seidla“ besonders gut. Und das Aecht Schlenkerla Fastenbier darf sich wohl zu den vorzüglichsten Rauchbieren der Welt zählen.

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5/5 Kaufbefehl!

4/5 Probierempfehlung

3/5 Solide

2/5 Geschmackssache

1/5 Nicht mein Fall

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Photo Credit: Tim Klöcker für Bier, Bars & Brauer und Shutterstock

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