Fünf Gedanken zum Forum Bier

Fünf Gedanken zum Forum Bier

Der Brauerbund lud kürzlich Brauer, Politiker und Journalisten zum Forum Bier in Berlin. Bier, Bars & Brauer war vor Ort und hat ein paar Eindrücke festgehalten.

Für die in Baden-Württemberg sozialisierte Chefredaktion von Bier, Bars & Brauer war das Forum Bier gewissermaßen ein Heimspiel. Die großzügigen Räume der Landesvertretung in Berlin hießen dieses Jahr den Deutschen Brauerbund willkommen. Draußen ging eine wahre Sintflut hernieder, während drinnen Reden geschwungen und Preise verliehen wurden. Was ist bei uns hängen gelieben?

Hut ab vor dem Lobbyismus des Brauerbunds

Geht es nur uns so, dass das Wort Lobbyismus einen negativen Beiklang hat? Dem sollte so nicht sein. Wenn wir ehrlich sind, verdanken wir als Verlag Verbänden wie dem BSI und dem Brauerbund, dass wir Geschichten wie diese schreiben können. Bisher haben sie verhindert, dass Deutschland ähnlich wie andere Länder ein sogenannter „Black Market“ mit Werbe- und Verkaufsverboten für Alkohol wird. Und der Brauerbund, mit dem ehemaligen Ministeriumssprecher Holger Eichele an der Spitze, beherrscht das Berliner Politikarkett virtuos, wie wir erleben konnten.

Der scheidende Bundestagspräsident Norbert Lammert, letztjähriger Botschafter des Bieres, überreichte mit einer launigen Rede den hopfigen Staffelstab an Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann. Dieser ist nicht der erste Bierbotschafter der regulierungswütigen Partei Die Grünen. Auch ein weiteres prominentes Mitglied des Realo-Flügels, Cem Özdemir, war bereits Bierbotschafter. Mit dem „Volksgetränk“ Bier lassen sich vermutlich sogar Betonsozialisten ködern, die dem flüssgien Mangel der DDR hinterhertrauern. Das Ehrenamt verspricht auf alle Fälle jede Menge Presse. Und schlau wie der Brauerbund nun einmal ist, hat er im bundesrepublikanischen Wahljahr einen Politiker gekürt, der sich keiner Landtagswahl stellen muss und auch sonst als konsensorientiert gilt. Chapeau!

Ist Rothaus wirklich so lukrativ?

In den Reden der beiden Polit-Schwergewichte ging es wiederholt um die landeseigene Brauerei Rothaus, überregional bekannt vor allem durch das Tannenzäpfle, das bei der Veranstaltung übrigens auch bis zum Abwinken gereicht wurde. Während Lammert dem grünen Politiker die unpassende politische Farbe im Namen der Brauerei unter die Nase rieb – ungeachtet der Tatsache, dass man dort in der Vergangenheit vor allem schwarze Politiker mit Pöstchen versorgt hat – lobte Kretschmann die Profitabilität des Betriebs im beschaulichen Grafenhausen-Rothaus. 20 bis 30% Marge werfe Rothaus jährlich ab. So viel wie Ex-Deutsche-Bank-Chef Ackermann seinen Aktionären auf dem Höhepunkt der Finanzkrise versprochen habe. Wir werden Rothaus demnächst einmal unter die Lupe nehmen. In Erinnerung ist uns nämlich ein Hektolitereinbruch von 700.000 auf rund 400.000 innerhalb weniger Jahre. Wo haben wir das gelesen? Bei Inside? Wie gesagt, wir klemmen uns dahinter.

Wo sind die Crafties?

Der Brauerbund redet gerne von „seinen“ Handwerksbrauern. Kein Wunder, diese ziehen Berichte reichweitenstarker Medien an wie Magnete. Mit diesen bunten Federn schmückt man sich gern und beweist gleichzeitig, dass man für die ganze Branche spricht. Allerdings dürften es bisher nur ein paar Federchen sein, wenn man das Forum Bier als Gradmesser nimmt.

Wir konnten in der baden-württembergischen Botschaft nur Katharina Kurz von Brlo erspähen, die in Gesellschaft des Lemke-Brauers Andreas Hegny unterwegs war. Hinzu gesellten sich noch Craft-Bloggerin Nina Anika Klotz und der umtriebige Berater Martin John, der sich unter anderem um Braukunstkeller kümmert.

Forum Bier als Sensor für den Status Quo

Und wenn die angebotenen Biere der Gradmesser für die szenige Relevanz sind, dann dominiert im Brauerbund nach wie vor die deutsche Vorsicht. Auf einer Karte mit DLG-prämierten Bieren gab es blitzsauber gebraute klassische Bierstile zur Auswahl. Mit Maxlrainer und Störtebeker waren da durchaus klangvolle Namen dabei.

Aber entweder werden beim DLG keine Stil-Experimente eingereicht oder die Tester bevorzugen das Altbewährte – das Portfolio erinnerte ein wenig an das Angebot von deutschen Winzern vor zehn bis fünfzehn Jahren. Einzig das Simco 3 von Riegele konnte in der flüssigen Karte des Abends als der progressiveren deutschen Brauerzunft zugehörig identifiziert werden. Wir sind überzeugt, dass sich das ändern wird. Sowohl in Sachen Experimentierfreudigkeit als auch in Sachen Präsentation.

Geht es um Bier, geht es um alles

Dabei gab es in puncto Präsentation der Redebeiträge nichts zu beklagen. Was auf den ersten Blick wie das verregnete Sommerfest der CDU anmuten hätte mögen, entpuppte sich spätestens beim zweiten Vortrag „Zwischen Shitstorm und Fanclub – Die neue Macht der Verbraucher“ als Referent Dr. Michael Kausch dem Publikum anhand des Beispiels Lammsbräu die besten Wege, einen Shitstorm zu evozieren, nahelegt. Das könnte einmal hilfreich sein, deswegen haben wir fleißig mitnotiert.

Außerdem wissen wir seit der Begegnung mit dem Spiegel-Journalisten Alexander Neubacher, wie der Homo Sapiens zum Homo Demenz verkommt, dass ein Land voller Beschränkungen ein Land voller Beschränkte hervorbringt und dass man überhaupt viel mehr Grenzen überschreiten sollte. Was genau das mit Bier zu tun hat? Es hat mit dem Leben zu tun. Und das Leben mit Bier.

Photo Credit: DBB/CHLietzmann

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