Great Herrengedeck: Gereifter Rum und fruchtiges Bier

Great Herrengedeck: Gereifter Rum und fruchtiges Bier

Gerade in den kalten Wintermonaten sollte man nicht versäumen, für Heiterkeit im Glas und ein wenig liquiden Sonnenschein zu sorgen. Was wäre da geeigneter, als lateinamerikanische Schwingungen in Form von köstlichem Rum und dazu ein erfrischendes, fruchtiges Gebräu.

Rum und Fruchtbier bedeutet oft eine famose Kombination. Beim Rum sollte man darauf achten, dass er weder zu würzig ist – doch all zu mild darf das Destillat auch nicht sein. Solide Holzfassnoten von Toffee und Vanille, gepaart mit einer kräftigen Süße sind meist die idealen Voraussetzungen für eine feine Harmonie mit den fruchtigen Bieren, wie beispielsweise einem kirschig-säuerlichen Kriek.

Die Höhenlagen Guatemalas

Ein köstlicher Rum, der diese Kriterien erfüllt und gleichzeitig über eine Komplexität verfügt – die natürlich nicht leiden darf, wenn ein Bier parallel getrunken wird – ist der Ron Zacapa Reserva Limitada 2015. Die Destillate der bekannten Marke aus Guatemala reifen auf 2.300 Metern Höhe. Im Solera-Verfahren, das insbesondere bei Sherry Anwendung findet, werden die verschiedenen Jahrgänge behutsam miteinander vermählt. Neben den Klassikern der Marke, bringt Zacapa alljährlich auch spezielle Jahrgangseditionen auf den Markt. Die 2015er Ausgabe beinhaltet einen Blend aus Rum, der zwischen sechs und 24 Jahren reifte. Veredelt wurde er in unterschiedlichen Fässern, wie in amerikanischer und französischer Weisseiche und auch in Fässern, die zuvor Pedro Ximénez Sherry beinhalteten. Das Mundgefühl ist angenehm und mild, die Aromatik elegant und komplex mit deutlichen Anklängen von Vanille und Kaffee. Dazu gesellen sich zarte Fruchtakzente und ein Hauch Rauch. Das Holzfass kommt markant und komplex eingebunden zur Geltung. Die Empfehlung auf dem Etikett lautet, den Rum über einem großen Eiswürfel zu servieren, um so das Höhenlagen-Klima zu simulieren, in dem das Destillat reifte.

Die Niederungen Flanderns

Wer an Fruchtbiere denkt, wendet meist automatisch den Blick in Richtung Belgien. Und so wenden auch wir uns zunächst gen Flandern, der Heimat der faszinierenden Lambic- und Geuze-Spezialitäten, auf denen zahlreiche fruchtbetonte Spezialitäten basieren. So auch das Liefmans Fruitesse on the rocks. Die Wurzeln der Brauerei reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück, aber die Erfolgsgeschichte in jüngerer Zeit basiert auf dem Tatendrang von Rosa Merckx, die die Sauerbierproduktion voran trieb und deren Konterfei auf den Etiketten der Marke abgebildet ist.

Das Fruitesse mutet ein wenig sonderbar an, beinhaltet es doch die Aufforderung, auf Eiswürfeln serviert zu werden. Das Gebräu weist einen Alkoholgehalt von 3,8 % Vol. Alc. auf (bei Markteinführung 2009 waren es noch 4,2 %). Trotz der historisierenden Buchstaben umweht ein Hauch von Alkopop das Produkt.

Das Grundbier reifte auf Kirschen, bevor dann weitere Fruchtaromen von Himbeeren, Heidelbeeren, Holunderbeeren und Erdbeeren zugesetzt wurden. Die Farbe des Cuveés, das auf Eis serviert werden soll, mutet wie ein dunkler Rosewein an. Die Nase ist sehr fruchtig-beerig, dabei jedoch etwas künstlich mit einem Hauch von Weingummi. Leichte Säure im Antrunk auf der Zunge, die rasch von der sehr süßen Fruchtnote eingeholt wird.

Das kuriose Fruchtgetränk passt sehr ordentlich zu dem Rum, aber leider verliert das Bier nie die eher künstlichen Fruchtnoten. Der Rum entwickelt mit dem Bier einerseits eine feine Vanillenote, andererseits eine Portion Toffee, fast wie ein Sahnebonbon. Dennoch kitzelt das Bie auch einige Gewürznoten hervor, beinahe etwas ledriges und Anklänge von Tabak. Eine spannende Entwicklung, wobei einige der eleganteren Facetten des Zacapa in den Hintergrund treten.

Köstliches Kriek

Die 1809 gegründete Traditionsbrauerei Lindemans ist auf Lambic-Bier spezialisiert und liegt im Dorf Vlezenbeek in der belgischen Provinz Flämisch-Brabant. Ursprünglich ein Bauernhof, in dem in den Wintermonaten mit den eigenen Getreiden Bier erzeugt wurde, entwickelte sich das Unternehmen dank des Erfolges der Brauspezialitäten immer weiter zur Brauerei. 1930 endete die Zeit des landwirtschaftlichen Betriebs und man konzentrierte sich ausschließlich auf das Bierbrauen von Kriek, dem legendären Kirschbier, und Geuze. 1978 kam ein Faro hinzu, 1986 und 1987 wurden zusätzlich das Cassis und Pecheresse in das Sortiment neu aufgenommen. 1991 wurde, angrenzend an die alte Brauerei, eine neue errichtet. Nun konnte die Produktion verdreifacht werden. Die Privatbrauerei befindet sich heute in der siebten Generation in Familienbesitz.

Das Lindemans Kriek ist ein auf Eiche gereiftes einjähriges Lambic, das mit mindestens 20% reinem Kirschsaft versehen wird. Der Alkoholgehalt beträgt 3,5 % Vol. Alc. Der Duft gibt eine kraftvolle Kirschnote preis. Sie ist nicht künstlich, sondern eher reif. Im Glas funkelt ein helles Bordeauxrot mit zartrosa Schaumkrone. Der Auftakt ist säurebetont, bevor sich am Gaumen eine volle, fruchtige Süße hinzu gesellt. Animierend. Dann ein sehr langer Nachhall mit Frucht, Süße und einer erfrischenden Säure.

Wenn der Rum ins Spiel kommt, passiert etwas im Mund. Als weckte die Säure des Bieres den Mundraum azf und bereitete die Rezeptoren für die Komplexität des Rums vor. Auch hier kommen Noten von Kaffee, Leder, Bitterschokolade und Muskat zum Vorschein, aber sie sind harmonischer und stets als Gesamtkunstwerk eingebunden. Als würde die Fruchtigkeit des Bieres und die Sherry Noten des PX Fasses, beiden Getränken zur gemeinsamen Harmonie verhelfen.

Hier darf das Bier durchaus etwas wärmer werden. Die Fruchtnoten passen sich dem Rum stets hervorragend an und die Säure ist nur stimulierender Begleiter, nie allzu dominant.

Nun die schottischen Highlands

Umgang mit Bier und Frucht ist nicht nur den Belgiern vorbehalten, auch in Schottland widmen sich die Brauer dem fruchtigen Ansatz. Mit dem Brewdog Elvis Juice kommt nun ein Grapefruit Infused IPA ins Spiel. Das India Pale Ale wird mit Orangenschale und Grapefruitschale bei 6,5 % Vol. Alc. eingebraut.

Eine kuriose Geschichte begleitet diese Bier der schottischen Kultmarke. Die Anwälte des Nachlasses von Elvis Presley bemühten die Gerichte, um den Namen zu verbieten. Danach benannten sich die beiden Gründer, James Watt und Martin Dickie per Absichtserklärung in Elvis Watt und Elvis Dickie um. Sie rieten den Presley-Anwälten, sich zudem mit jener Biermarke auseinanderzusetzen, die sich als „King of Beer“ bezeichnet (US Budweiser).

Glücklicherweise ist der Elvis Juice nach wie vor erhältlich. Ein satter Bernsteinton schimmert im Glas. Die Nase ist sehr hopfig und frisch. Die Fruchtigkeit im Duft unterschiedet sich nicht immens von jener, die man auch sonst bei einschlägigen, fruchtaromatischen Aromahopfensorten, wie Cascade oder Chinook, erwarten würde. Gerade Grapefruit ist ja eine bewährte Aromatik im Hopfen.

Der Antrunk ist mild auf der Zunge und stark Fruchtbetont. Sehr süffig. Erst sehr spät im Abgang kommt eine sehr dezente Bitternote zum Vorschein. Nach drei Schlucken setzt diese sich aber dann doch im Mundraum fest und begleitet die Fruchtnoten auf sehr angenehme Art und Weise. Ein sehr schönes IPA, das aber insbesondere durch seine Hopfennoten den Zacapa dominiert. Die IPA-typische Bittere mit 40 IBU tut dem Rum nicht gut.

Der Rum unterstützt die geschmacklichen Noten des Bieres. Aber auf einen alkoholischen Geschmacksverstärker reduziert zu werden wird diesem eleganten Rum nicht gerecht. Wer das Bier (und womöglich auch die Gattung der NEIPAs schätzt) könnte mit einem Zacapa Rum einen Turbo für das Bier zuschalten. Aber es ist schade um das Destillat.

Plan B und A

Der Griff zu einer weiteren Rumflasche erwies sich hingegen als sehr ideal im Pairing. Ein spontanes Glas Havana Club 7 passte perfekt zu dem Bier. Der Havana Club 7 ist zart in der Nase, bevor am Gaumen dann Toffee, Röstnoten von Kaffee und eine feine Adstringenz hinzu kommen. Etwas Mandel, Süßholz und auch fruchtige Noten a la Orange und Limette schwingen mit. Faszinierend zu sehen, wie sich einige Noten herrlich an die Hopfigkeit des IPA anpassen und hier ein echtes Trinkvergnügen entsteht.

Aber das Siegerpaar der Herrengedecks-Verkostung bleibt das Lindemans Kriek mit dem Ron Zacapa. Rum und Fruchtbier ist eine faszinierendes Duett.

 

 

Photocredit: Shutterstock, Peter Eichhorn

 

 

 

 

 

 

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