„Uns hat geärgert, dass alles nur noch über Verdrängung läuft.“

„Uns hat geärgert, dass alles nur noch über Verdrängung läuft.“

Jeff Maisel lädt zum Hopfenreiter-Brautag nach Bayreuth. Anlässlich des limitierten Freundschaftssuds haben wir den Brauerei-Chef zum Interview gebeten und über Namensfindung, Geschmacksvorlieben und die Konsolidierung des Kreativbier-Marktes gesprochen. Und natürlich über Freunde.

Mit Freunden am Sudkessel stehen, jeder bringt Hopfen seiner Wahl mit und es entsteht nicht nur ein Bier mit Geschichte, sondern vor allem ein einmaliger Sud: Bereits zum 3. Mal haben im Januar 2018 Maisel & Friends den limitierten Sondersud „Hopfenreiter“ in ihrer Brauwerkstatt eingebraut.

Im Gegensatz zu normalen Collaboration-Brews, bei denen die Brauer gemeinsam am Kessel stehen, werden befreundete Brauer von Maisel & Friends für das streng limitierte Bier um ein Hopfengeschenk gebeten. Bei diesem Präsent handelt es sich meistens um eine sehr seltene oder brandneue Sorte.

Jeff Meisel, Hopfenreiter

2018 kommt der Hopfen Calypso von Superfreunde (Deutschland), Citra (Cryo Hops®) von Mikkeller (Dänemark), Styrian Golding von Duvel (Belgien), die nagelneue Sorte Styrian Fox von Bevog (Österreich), Enigma von Frau Gruber (Deutschland) und Mandarina Bavaria von Maisel & Friends in den Sudkessel. Aus diesem Anlass haben wir Brauerei-Chef Jeff Maisel zu einem Interview gebeten.

3B: Herr Maisel, eines Ihrer Brau-Kinder heißt Hopfenreiter. Ist der Gaul mit Ihnen durchgegangen?
Jeff Maisel: Kann man fast so sagen. Wenn man sich das Liebesbier insgesamt anschaut, ist es für eine Stadt wie Bayreuth schon ein sehr großes Projekt. Wir haben hier viele unserer Ideen verwirklichen können. Unter anderem wollten wir uns Street-Art ins Haus holen und haben den Künstler Vidam beauftragt, im Treppenhaus etwas zum Thema Bier und Brauen zu malen, aber eben nichts Klassisches. Rausgekommen ist der Hopfenreiter. Wobei der Name nicht vom Künstler kommt, sondern von unserem Biersommelier Michael König, der vorbei gegangen ist und meinte, das sei der Hopfenreiter. Den Namen haben wir uns dann auch sofort schützen lassen und auf ein passendes Projekt gewartet.

Sie sind also kein passionierter Reiter?
Jeff Maisel: Überhaupt nicht. Wenn, dann eher durch Nacht und Wind mit einem Seidla in der Hand.

Das Hopfenreiter entsteht aus einem Freundschaftssud, bei dem befreundete Brauereien ihren Hopfen mitbringen. Warum spielen die Friends in Ihrer Kreativbier-Sparte immer eine zentrale Rolle?
Jeff Maisel: Uns hat geärgert, dass alles nur noch über Verdrängung läuft. Aber so wollten wir nicht in den Craftbier-Markt, weil die Geschichte dahinter ja eigentlich eine ganz andere ist. Darum haben wir uns eine authentische Geschichte gesucht. Mein Großvater und auch mein Vater und mein Onkel haben immer Freunde mit ins Unternehmen gebracht, weil so einfach neue Ideen dazugekommen sind. Dieser Gedanke hat uns gefallen, und das wollten wir auch für Maisel & Friends umsetzen.

Aber man kennt auch das Sprichwort: Bei Geld hört die Freundschaft auf. Und die Bier-Branche ist nun wirklich kein Ponyhof …
Jeff Maisel: Natürlich lernt man Leute kennen, die unsere Gastfreundschaft ausnutzen. Andererseits lernt man seine Freunde besser kennen. Und gemeinsam ist man immer stärker als alleine. Für uns ist es wesentlich schöner, mit Leuten etwas zu machen, als alleine.

Nachdem die Kreativbier-Produkte jahrelang immer extremer wurden, mit noch mehr Hopfen oder noch wilderen Malz-Mischungen, scheint es jetzt Back to the Roots zu gehen. Klassische, ja fast schon konservative Bierstile, tauchen auf einmal in den Portfolios der vormals so unangepassten Kreativbrauer auf. Woher kommt’s?
Jeff Maisel: Viele Start-ups haben gemerkt, dass gerade mit den harten Bieren die Menge nicht funktioniert. Ich persönlich halte diese Entwicklung für die kleinen Brauer für sehr kritisch, weil sie dann keine klare Fokussierung mehr haben. Alternativ sollten sie vielleicht ihre bestehenden Biere harmonischer brauen. Dann sind es immer noch Craftbiere, aber erfüllen eher den Geschmack der Deutschen und sind mainstreamtauglich.

Wird es bei Maisel & Friends auch bald ein Zwickl, ein kaltgehopftes Lager oder ein Rotbier geben?
Jeff Maisel: Nein, Maisel & Friends bleibt ganz klar bei Craftbier – aber mit einer hohen Drinkability.

Was ist eigentlich Ihr Lieblingsbier?
Jeff Maisel: Sehr unterschiedlich, gerade mag ich unser Choco Porter sehr gerne, aber ich bin schon ein sehr schwankender Biertrinker. Je nach Saison und Laune. Vom Herzen her komme ich natürlich vom Weißbier (sagt’s und nimmt einen Schluck von seinem Weißbier).

Zum Schluss noch einen Blick in die Glaskugel: Man munkelt, dass der Craftbier-Hype langsam vorbei ist. Wo sehen Sie die Zukunft des Craftbiers in Deutschland?
Jeff Maisel: Ich glaube nicht, dass es ein Abebben ist, sondern eher eine notwendige Konsolidierungswelle.

Und wo sehen Sie die Zukunft von Maisel & Friends?
Jeff Maisel: Wir sehen uns als Wegbereiter für die Craftbier-Welle. Wir sind da sehr entspannt und haben endlich das geschafft, was wir uns vorgenommen haben. Nämlich, dass das Bier wieder im Vordergrund steht. Bei Maisel & Friends hat der Braumeister das Sagen und nicht der Controller.

Jeff Maisel, vielen Dank für das Gespräch.

Jeff Meisel, Hopfenreiter

 

Credit: Peter Doerfel, Hopfenreiter

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