Kuehn Kunz Rosen beweisen mit ihrem Brau.Nett Mut und Geschmack

Kuehn Kunz Rosen beweisen mit ihrem Brau.Nett Mut und Geschmack

Für den neuesten Streich aus dem Hause Kuehn Kunz Rosen, dem Brau.Nett, wurde gemeinsame Sache mit dem Winzer Kai Schätzel gemacht und ein Sud aus Bier- und Weinmaische angesetzt. Das Resultat spricht für sich: Es ist ein aufregendes, mutiges Bier, das wunderbar in den sich anbahnenden Frühling passt.

Kuehne Biere braucht das Land – so lautet das Motto von Hans Wägner und Wendelin Quadt. Die beiden haben nach einer Zeit als Wanderbrauer seit dem Sommer 2017 in Mainz ihre eigene Brauerei in Betrieb genommen.

Erst kürzlich kam auch der eigene Schankraum hinzu. Neckisch greift der Name einen historischen Pfiffikus auf: Kunz von der Rosen (1470-1519) trieb als kühner Hofnarr von Kaiser Maximilian I. sein Unwesen und durfte dem Herrscher – als Einziger – die Wahrheit sagen. Das sympathische Brauprojekt aus Mainz bringt einen ähnlichen augenzwinkernden Schwung ins Bier.

Brau.nett als neuester Coup

Die kühne Komponente machte sich bereits in allerhand ihrer Biere bemerkbar, sie experimentierten sehr gelungen mit Haferflocken, Orangenschalen, Gewürzen, Kamutflocken oder Tonkabohnen. Mit ihrem neuesten Coup bringen sie in den schönen Brauch der Kollaborations-Sude eine gänzlich neue Bedeutung.

Mit dem Brau.nett erweisen Kuehn Kunz Rosen ihrer Heimat in der Weinbauregion Rheinhessen eine Referenz und taten sich mit dem Winzer Kai Schätzel aus Nierstein zusammen. Sehenswert allein schon das kunstvoll gestaltete Etikett mit Reben und Gerstenähren vor dem Hintergrund von Mainz und Nierstein mit einem Bacchanten davor, der sich Sorgen um den heimischen Fußball zu machen scheint.

Brau.Nett erinnert farblich an Berliner Weisse

Der Sud wurde mit einer Maische angesetzt, die aus 60 Prozent Biermaische und 40 Prozent Weinmaische bestand. Die Farbe ist ein sehr helles Gold mit leichter Trübung, einem Wit oder einer Berliner Weisse nicht unähnlich. Zunächst bildet sich ein opulenter Schaum, der dann allmählich (relativ laut) abklingt.

Auch die Nase erinnert ein wenig an Berliner Weisse: Säurekomponenten mit deutlichen und faszinierenden weinigen Noten. Versucht man die Wein-Einordnung, so landet man irgendwo zwischen mineralisch-säurebetontem Riesling und Cabernet Franc mit seinen typischen, grünen Paprikanoten. Dazu kommen deutliche Hefenoten; tatsächlich eine sehr spannende Nase, die zu einer sensorischen Entdeckungsreise vom Feinsten einlädt.

Brau.Nett erinnert an eine Gose für die Weinregion

Der Antrunk ist sehr spritzig und erfreulich rezent: schlanker Körper mit erfrischenden Zitrusnoten und fruchtigen Hefeanklängen, trocken im Abgang. Im Nachhall wird diese trockene Note noch durch eine gewisse Salzigkeit betont. Tatsächlich wurde auch Salz im Brauvorgang eingesetzt. So erinnert das Getränk an eine Gose für die Weinregion.

Was für ein aufregendes Bier: zunächst süffig, dann abgerundet von einem langen Nachhall. Eine elegante Balance aus Süße und Säure mit der ausgewogenen Trockenheit im Abgang. Dieses Bier muss einfach jedes Konzept zur Bier-Speisekombination fantasievoll befeuern. Wie wäre es mit Fisch, gedämpft oder gebraten. Auch zu Salaten und Krabbencocktail gut vorstellbar. Gerne auch als Aperitif, oder zu Cheesecake als Dessertbier.

Fazit: faszinierend und ausgewogen

Eine lange Haltbarkeit bis Ende 2019 macht neugierig darauf, wie das Bier sich in der Flasche weiter entwickeln mag. Das Brau.Nett ist jedenfalls ein mutiges Bier aus dem Hause Kuehn Kunz Rosen. Äußerst gelungen, weil ungemein faszinierend und ausgewogen. Aber der Brauereiname verrät es ja bereits: kühn!

 

Noctus 100 Riegele Imperial Stout

http://kuehnkunzrosen.de/

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Photo Credit: Tim Klöcker für Bier, Bars & Brauer 

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