Malto bene! Francesco Ludovici über sein neues Brewpub in Hamburg

Malto bene! Francesco Ludovici über sein neues Brewpub in Hamburg

Das Malto ist ein neu eröffnetes Brewpub in Hamburg-Altona, nur wenige Haltestellen von St. Pauli und der Reeperbahn entfernt. Das Besondere daran: Ins Malto geht man nicht, um ein perfektes Bier zu trinken. Ins Malto geht man, um bei handwerklich gebrautem Kreativbier komplett die Zeit zu vergessen. Wir haben Malto-Mitbegründer und Haus-und-Hof-Brauer, Francesco Ludovici, auf ein paar Bier getroffen.

Im Aussehen zeigt sich das Malto einladend; hell in der Fassade, warmes Licht aus dem Innenraum nach außen strömend. Im osmotischen Wechselspiel gibt die breite, freundliche Fensterfront – in hohe Rundbögen gefasst – seinerseits den Blick ins Innere frei. Dezent bestätigt ein Leuchtschild den Inhalt. Ein Fass mit einer Fahne darauf ist zu erkennen. Oh ja, hier gibt es Bier. Über der Eingangstür steht in großen Lettern: Malto. Birrifico Shanhait.

Malto – Minimalismus und maximale Gastfreundschaft

Der gleiche Minimalismus dominiert den Gastraum. Sechs Tische und eine Bar, lebendig gemasertes Holz in Kontrast zu kühnem Metall, Industrieglühbirnen, die unkitschig einen Kronleuchter imitieren und schwarz-weiß Fotografien aus der italienischen Heimat fernab von schnulzigen Italoklischees an den taupefarbenden Wänden mit horizontalen Petrol-Akzenten. Der Raum wird von einer maximalen Gastfreundschaft erfüllt.

Dazu gesellt sich in der Nase ein herrlicher und intensiver Duft von frischem Käse, malzigem Bier und wachsigem Kerzenschein. Die wohlige Wärme der Familiarität wird jäh von einem spontanen Freudenhüpfer im Bauch unterbrochen, als wir unseren Gastgeber inmitten des Raumes erblicken: Francesco!

Francesco bastelt gerade an der tagesaktuellen Taplist, einer puristischen Wandeinschiebevorrichtung – wie man sie auch aus Gotteshäusern für Programm und Psalme kennt -, als ihm ein, zwei Buchstaben aus den Händen gleiten. Halb jonglierend, halb herzlich lachend wendet er sich uns zu: „Das ist das Schöne, wenn man alles selbst macht. Nehmt doch schon mal Platz.“

Malto Hamburg: drin ist was drauf steht

Wir setzen uns an die Bar und blättern durch die kleine, feine Speisekarte. Dank der liebevollen Auswahl aus Bier, Wein, Kaffee sowie Käse- und Wurstspezialitäten liest sich bei uns das Wasser im Mund zusammen. „Alle Produkte sind von lokalen Herstellern, die wir persönlich kennen“, erklärt Francesco, der aus L’Aquila – einer kleinen Ortschaft etwa 150 km östlich von Rom – stammt, uns das Menü.

Im Geschmack ist der Name Malto Programm: Denn alle der Hausbiere sind malzig, obergärig und unfiltriert. Des Deutschen Lieblingsbier, das Pilsener, sucht der Durchschnittsbiertrinker vergeblich. „Mit voller Absicht,“ ist Francesco zufrieden. „Manchmal kaufen wir aber Pils dazu, zum Beispiel von unseren Freunden der Bunthaus Brauerei.“

Jeder Biername, jedes Bier, erzählt eine eigene Geschichte

Unser erstes Bier des Abends ist das Maracatu. Ein belgisch interpretiertes Saison mit 4,8% Vol. Das Bier verdankt seinen Namen einer kleinen Stadt unweit von Francescos Heimatort in Mittelitalien. Dort hat der Malto-Brauer eines seiner ersten und besten einheimischen Kreativbiere getrunken. „Leider gibt es die Taverne nicht mehr, deshalb ist unser Maracatu dieser gewidmet.“

Seit diesem Zeitpunkt hat der Italiener seine Liebe zu handwerklich gebrautem Bier entdeckt. Er beginnt mit dem Hobbybrauen. Nach seinem Schulabschluss folgt ein Studium der Mathematik. Der junge Francesco promoviert zu Dr. Francesco Ludovici. Ein völliger Kontrast zu seiner Leidenschaft, dem kreativen Bierbrauen? „Ganz im Gegenteil,“ stellt er heraus. „Erst durch mein Studium lernte ich das wissenschaftliche, das exakte Arbeiten. Für einen reibungslosen Brauprozess ist das wichtig. Insofern ist die Mathematik für mich ein praktisches Mittel zum Zweck.“

Das Mathe-Studium war auch der Grund, weshalb der gebürtige Mittelitaliener um die Welt reiste und im hohen Norden landete. In Hamburg fand er Freunde, ja, eine ganze Community von Gleichgesinnten. So ergab es sich, dass Francesco, der übrigens fünf Sprachen spricht, im Jahre 2010 in die Hansestadt kam, sah und blieb – das ist mittlerweile acht Jahre her. Wir schmunzeln. Passenderweise reihen sich exakt acht Zapfhähne vor uns am Tresen auf.

Medea und das Spiel mit der Komplexität

Aus einem dieser Hähne fließt unser zweites Getränk: Das APA Medea mit 5,4% Vol. Der Name spielt auf den italienischen Filmklassiker von Pasolini an. Der Regisseur brachte heikle, vielschichtige Filmwerke auf die Leinwand. Im Fall Medea war dies ein altgriechischer Antik-Epos mit einem Fingerzeig auf den Massenkonsum.

Von diesem Klassiker bei Kino und Bier inspiriert, schmiedeten vier Freunde – aus Italien und Spanien stammend und als Teenies schon gemeinsam die Highschoolbank drückend – namens Francesco, Mattia, Pedro und Antonio den verrückten Plan, ein vorsätzlich extrem komplexes Ale einzubrauen. Mit vielen, teils schwierig kompatiblen Hopfensorten sollte es sein und dennoch leicht trinkbar. Gesagt, gebraut: Im Jahre 2013 kochten sie ihr Medea Pale Ale in der Küche von Mattia ein und so war die gemeinsame Sache geboren. „Wir wollten unsere eigene Bar ins Leben rufen.“

Aus Küchenbrauen wird der eigene Brewpub-Traum

Am 3. März 2018 – fünf Jahre später – heben die vier Freunde ihr Brewpub namens Malto aus der Taufe. „Das Malto ist Teil der unabhängigen Brauerei ‚Shanghait Braukollektiv UG‘. Frei übersetzt bedeutet Shanghait so etwas wie ‚anheuern‘“, erläutert uns Francesco mit seinem sympathischen Akzent. „Wir sind also eine Art Außenstelle, eben ein Birrifico Shanghait.“

Im Malto erwartet den Gast eine unbeschwerte Dolce Vita-Auszeit. Francesco stellt heraus: „Wir sind ein Brewpub, eine Viertelbar. Wir möchten kein neuer Hype-Craft-Bierpalast sein. Hier ist jeder willkommen: unsere multikulturelle Clique und Nachbarn genauso wie Hamburgs Barvolk, studentische Partygänger oder das Mittsechziger-Ehepaar vor ihrem Theaterbesuch.“

Prima Cotta und die Liebe auf den ersten Blick

Francesco zapft uns das dritte Bier. Das Prima Cotta ist ein IPA mit 6,2% Vol. Übersetzt bedeutet der Name „erste Liebe“, spielt aber gleichzeitig auf das erste Rezept, den allerersten Batch an, den Francesco eingebraut hat.

„Wir haben uns sofort in die Location in der Max-Brauer-Allee verliebt, als wir sie am 2. Dezember besichtigt haben.“ Alles Weitere verlief dann eher im Speeddatingmodus. „Am 17. Dezember unterschrieben wir den Mietvertrag, am 16. Januar fand die Schlüsselübergabe statt und nach eineinhalb Monaten Umbau und Renovierung des ehemaligen Croqueladens haben wir unsere Eröffnung gefeiert.“ erinnert sich Francesco. „Weil alles so schnell ging, sind wir auch noch lange nicht am Ende“, summt er verheißungsvoll.

Aktuell wird das Malto-Bier in ihrer Braustätte im Jimmy Elsass – nahe der Sternschanze – gebraut. Hier setzt Brauer Francesco – ab und zu auch gemeinsam mit Kumpel Mattia – die handwerklich gebrauten Stammsorten auf 200 Liter, die experimentellen und saisonalen Sude auf 80 Liter um. „Auf diese Weise können wir unseren Gästen jede Woche um die ein bis acht frische und neue Biere an den Zapfhahn hängen“, freut sich Francesco über die qualitative Quantität.

Portella und der schmale Grat

Francescos Biere schmecken charismatisch, wirken ungezähmt, scheinbar auch mal unausgewogen – und genau das ist erwünscht. „Ich möchte Biere brauen, die nicht perfekt, nicht glattgebügelt sind. Sie sollen Ecken und Kanten haben, so dass sich unsere Gäste daran erinnern.“ In englischer Sprache ergänzt er und bringt damit seine Mission auf den Punkt: To me imperfection is perfection.“

Portella, unser nächstes Bier, ist ein typischer Vertreter für die Grenzerfahrung, die Francesco und das Malto-Team seinen Gästen bescheren möchte. Herrlich dunkel in der Farbe rinnt es unseren Trinkbecher hinab: das Porter mit 6% Vol., das übrigens wie Zartbitterschokolade auf Rauchschinkenbrot schmeckt. Portella, so nennt sich auch der Hausberg in Francescos Heimat. Allgemein steht der Begriff im Italienischen für einen Berg bzw. einen Bergpass, einen so genannten Türchenpass. Als der Brauer das bis dahin namenlose Porter das erste Mal an einen Gast ausschenkt, war genau das sein erster Gedanke auf die bornierte, eher verständnislose Reaktion seines Gegenübers. Ein Bier wie ein schmaler Grat. Francesco freut sich sichtlich darüber.

„Ja, mit unseren Bieren möchten wir polarisieren“, grinst er mit amüsierter Miene. „In Kürze ist unser NEIPA Motezumo wieder am Zapfhahn, darauf freuen wir uns besonders. Übersetzt bedeutet das etwa ‚Saftberg’. Ursprünglich war es tropisch, fruchtig. Typisch für den Bierstil halt. Und mittlerweile total langweilig, weil momentan jede Brauerei so ein NEIPA macht. Deshalb haben wir unser Rezept überarbeitet. Früher waren Biere allgemein bitterer, dahin wollten wir zurück. Unser Saftberg ist nun bitter, ich meine, so richtig bitter. Noch bitterer als das Stone Brewing Arrogant Bastard,“ reibt sich der Malto-Brauer innerlich leicht teuflisch die Hände.

„It´s a joke of a concept“ punktiert er in Englisch. „Unser Ziel ist es, die niedrigste Bewertung auf untappd zu erreichen,“ feixt Francesco mit bierernsten Intentionen. Und einem Augenzwinkern.

Die Zukunft wird roastig in Hamburg

Ein Besuch im Malto lohnt sich, und zwar regelmäßig! Übrigens auch auf Instagram. Selbstredend alleine schon wegen der laufend neuen, einzigartigen Bierkreationen. Bald kommt beispielsweise das Caronte: ein Ale mit frischem Hibiskus und Rosenblüten eingebraut. Auch ein Co-Brew mit den Bunthaus-Jungs steht in der Pipeline. „Details darf ich noch nicht verraten“, teasert Francesco an.

Der Biergarten – eine begrünte Terrasse zum Innenhof – ist bereits geöffnet. Im Sommer 2018 nimmt das Malto ein kleines Sudhaus im Keller ihres Brewpubs in Betrieb.

Und last but not least wird die Speisekarte saisonal um Events wie ein ‚Sunday Roast‘ ergänzt. Das schmeckt uns. Einfach Malto bene!

Malto

www.shanghait.beer

Adresse: Max-Brauer-Allee 88, 22765 Hamburg

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Photo Credit: Marcello Rosadini SR

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