Moeder Lambic, Le Barboteur & Co: Sieben essentielle Bierbars in Brüssel

Moeder Lambic, Le Barboteur & Co: Sieben essentielle Bierbars in Brüssel

Brüssel ist nicht nur die Hauptstadt Belgiens, sondern auch eine Metropole des Biers. Dementsprechend hoch und vielfältig ist die Dichte an Bierbars. Unsere in Brüssel lebende Autorin Fiona Grau nimmt sie regelmäßig für Bier, Bars & Brauer unter die Lupe. Dieses Mal widmet sie sich den  „incontournables“ – jene Adressen, an denen man einfach nicht vorbei kommt.

Eine Stadt, die es geschafft hat, einen pinkelnden Burschen von knapp 60 cm Höhe zu ihrem Wahrzeichen zu machen, an der kommt man auch als Bierliebhaber nicht vorbei. Zumal die Welt der Biere in Belgien ähnlich verrückt ist wie die Geschichte des Manneken Pis, ähnlich komplex wie die politische Struktur sowie mit der belgischen Vorliebe für Starkbier im wahrsten Sinne des Wortes so umwerfend, dass man sie so schnell nicht wieder vergisst.

Unsere Autorin Fiona Grau nimmt uns mit auf eine Bartour durch die belgische Hauptstadt. Diese Woche stellt sie ihre „incontournables“ vor, also die „nicht zu umgehenden“, die Basics für jeden Brüssel-Spezialisten „en herbe“ (im Wachsen).

 Au soleil: Die Kunst, sich einfach wohlzufühlen

(Rue du Marché au Charbon 86, 1000 Brüssel)

„Au soleil“ – auf Deutsch „Zur Sonne“ – ist eine der unumgänglichen Adressen im Brüsseler Zentrum für jeden Bierliebhaber. Mit sechs Bieren vom Fass, darunter dem erfrischenden hellen Bier „Saison Dupont bio“ (une „blonde“, eine „Blonde“, bezieht sich eher auf die goldene Farbe als auf die Brauart) und dem Brussels People Ale „Zinnebier“, dem absoluten Klassiker aus der Brasserie de la Senne – einer jungen belgischen Brauerei, die ihre Biere allesamt ohne Zusatzstoffe, ohne Filterung sowie ohne Pasteurisierung braut – bietet die Bar in dem denkmalgeschützten Gebäude mit Art déco-Interieur über dreißig weitere belgische Bierspezialitäten aus der Flasche an.

Im Sommer lässt es sich auf der Terrasse schön in der Sonne fläzen, aber selbst im Winter ist das gemütliche Holzinterieur mit einem fröhlichen Brouhaha (französisch für das Geräusch angeregter Gespräche) der zahlreichen Gäste gefüllt. Die Atmosphäre ist ziemlich hip, sprich viel junge Leute, darunter auch einige angehende Künstler aus der Schauspielschule nebenan, aber das Ambiente ist so unkompliziert gemütlich, dass man sich an den kleinen Holztischen einfach wohlfühlen muss.

Bierempfehlungen

Lupulus Organicus, ein helles Triple Bier mit 8,5% Vol., mit angenehm blumiger Nase und Hefearomen, sowie einem fruchtig würzigen Körper mit leichten Bitternoten im Abgang.

Lupulus Hopera, ein Hoppy Pale Ale mit 6% Vol. und einer etwas dunkleren, goldenen Farbe als das Lupulus Organicus, kräftigen Hopfenaromen und einer starken Bitterkeit.

Ich empfehle beide, weil es echt tolle Biere sind und sie sich gut ergänzen. Das Organicus ist ein bisschen hopfiger, gefälliger, während das Hopera eine schöne, volle Bitternote hat.

Café Belga: Wo der Hipster blüht …

(Place Eugène Flagey 18, 1050 Brüssel)

Das Café Belga ist eine Institution in Brüssel für jeden Hipster, der etwas auf sich hält. Wie eine ganze Reihe weiterer hipper Cafés in Brüssel (Flamingo, Bar du matin) wurde es von Frédéric Nicolay konzipiert und überzeugt durch eine angenehme Ästhetik mit viel Holz, einen langen, silbernen Tresen und einem großzügig geschnittenen Hauptraum. Das „Belga“ sitzt unten im denkmalgeschützten Art déco-Gebäude des ehemaligen Hauses des Radios am Place Flagey, das einem Passagierschiff ähnelt und von den Einheimischen daher gern „le paquebot“ genannt wird.

Neben sechs Bieren vom Fass, darunter auch das „Maredsous 6°“, das man ansonsten selten im Zapfhahn findet, gibt es über dreißig weitere belgische Bierspezialitäten aus der Flasche. Darunter Klassiker wie Orval oder Kriek, aber auch ein paar craftigere Zeitgenossen wie das Big Nose Triple oder das Papegaei.

Bierempfehlungen

Vedett Extra White 4,7% Vol., ein tolles, belgisches „Blanche“ (Weizenbier), das es hier auch vom Fass gibt und sich bei etwas Sonne wunderbar auf der großzügigen Terrasse mit Blick auf den See verköstigen lässt. Herrliche Zitrusaromen mit einem Hauch von Koriander.

Big Nose Triple 9° von NovaBirra. Für den Winter kann ich natürlich keine Weiße für die Terrasse empfehlen, daher greift man lieber zu dieser belgischen Kreativbier-Kreation, die durch ihre komplexen Aromen überzeugt. Gebraut mit Nugget und Willamette, kaltgehopft mit der elsässischen Sorte Triskel.

Le Barboteur: Für Experten und solche, die es werden wollen

(Avenue Louis Bertrand 23, 1030 Brüssel, Schaerbeek)

Der „Le Barboteur“ ist eine Bierothek im klassischen Sinne; fünf regelmäßig wechselnde Bierspezialitäten vom Fass, sowie eine Auswahl von über 50 Triple, Stouts, Gozen, hellen Bieren, Fruchtbieren, IPAs etc. als Flaschenbieren zur Verköstigung vor Ort. Eine große Anzahl weiterer Biere kann man zum Mitnehmen kaufen, oder sie aber (allerdings nicht immer vorgekühlt) direkt in der Bar zu sich nehmen.

Das Barboteur liegt in der für Ortsfremde eher selten besuchten Brüsseler Gemeinde Schaerbeek an der großzügigen Avenue Louis Betrand mit ihren Jugendstilschätzen. Der Eingangsraum ist hell, einladend, geprägt von einer schlichten Ästhetik mit viel Holz und den die ganze Wand einnehmenden Bierregalen sowie zwei kleineren Kühlschränken, in denen eine großzügige Auswahl belgischer Bierklassiker mit belgischen und internationalen Kreativbieren um die Wette glänzt.

An der Bar steht ein Mann wie aus dem Hipsterbilderbuch; breite Schultern, gepflegter Bart – dabei aber mit seinem gemütlichen Lächeln so entspannt charmant, dass man nicht nur dem Bier nicht widerstehen kann, sondern auch dem Ort.

Bierempfehlungen

Saison Vignon (vom Fass), gebraut von Mad Yeast in Dänemark, ist ein feines Saisonbier mit 6% Vol., das zwei Monate in Sauvignonfässern reift und mit Hallertau kaltgehopft wird. Wunderbare Zitrusaromen und Sauvignon-Noten.

Cuvée Delphine von De Struise Brouwers Belgium, ein Russian Imperial Stout mit stolzen 11% Vol., benannt nach der unehelichen Tochter des Königs Albert II. Das schokoladefarbene Wundergetränk wird 12 Monate in Four Roses-Bourbonfässern gereift. Eichennoten, leichte Vanille, dazu Kaffee und brauner Zucker auf einem Körper von vollem, geröstetem Malz.

Moeder Lambic – Der Klassiker unter den Klassikern

(Moeder Lambic „Fontainas“, Place Fontainas 8, 1000 Brüssel)

(Moeder Lambic das Original, 68 Rue de Savoie, 1060 Saint-Gilles)

Wie kann man über Brüsseler Bierbars schreiben, ohne die großen Namen zu erwähnen, die selbst den Bierfans etwas sagen, die die belgische Hauptstadt noch nie betreten haben? Man kann es nicht. Ich erspare dem Leser daher eine weitere Beschreibung des Delirium Cafés, das Moeder Lambic möchte ich euch dennoch nicht vorenthalten. Dafür gehört es selbst für Locals zu sehr zum Baralltag!

Die bekanntere Niederlassung des Moeder Lambic befindet sich im Brüsseler Zentrum, mit legendären 46 Zapfhähnen und einer Kühlkammer direkt unter den Tresen (wodurch beim Zapfen weniger CO2 zugeführt werden muss). Die Bierspezialitäten vom Fass wechseln regelmäßig, so dass die Karte nie ganz dieselbe ist, dazu gibt es eine große Auswahl an Flaschenbieren, mit einem Fokus auf kleineren, belgischen Brauereien. Wie der Name schon suggeriert, nehmen die Gozen und Lambic-Biere auf der Karte einen wichtigen Platz ein, man findet aber neben den belgischen Leckereien auch Spezialitäten aus dem Ausland. Ich könnte jetzt die ganze Palette an Biersorten aufführen, die, sortiert nach Farbe und Geschmack, angeboten werden (von bitteren hellen Bieren über dunkle milde bis zu spontanvergorenen Gozen), aber das wird nicht nötig sein. Die Bedienungen im Moeder Lambic gehören wohl zu den bestausgebildetsten Brüssels und ich kann jedem nur empfehlen, sich vor Ort direkt in die Welt der Biere einführen zu lassen.

Wer es etwas gemütlicher angehen möchte, sollte das kuschelig-rustikale Moeder Lambic in Saint-Gilles ausprobieren, das als erstes 2006 von Jean Hummler und Nassim Dessicy gegründet wurde. Es ist weniger von Touristen überlaufen und hat ebenfalls eine wunderbar komplexe Bierkarte.

Bierempfehlungen

Cuvée de Ranke, aus der Brauerei de Ranke, ein geblendetes, helles belgisches Ale mit gemischter Gärung und 7% Vol. Für die Cuvée werden fassgereifte Biere und Lambic-Biere gemischt, was eine charakteristische, fruchtige Säure im Mund und wunderbare Eichennoten mit sich bringt.

Oud Bruin, ein „altes Braunbier“, gebraut von ‚t Verzet, ein Sauerbier mit 6% Vol. Mein absoluter Liebling; der bräunlich trübe Zaubertrank ist eine wahre Geschmacksexplosion und vereint die Säure von vergorenen Äpfeln mit einer vollen Bitterkeit und Aromen von Malz und Kandiszucker.

Photo Credit: Tim Klöcker für Bier, Bars & Brauer

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