Schanzenbräu: Vom Underground zum Lieblingsbier

Schanzenbräu: Vom Underground zum Lieblingsbier

Ob Mikrobrauerein, Bierbars oder Fachgeschäfte für Bier – Nürnbergs jüngere Brauszene bebt. Einer seiner Vorreiter ist Stefan Stretz, der mit Schanzenbräu vor zehn Jahren der fränkischen Hauptstadt ein beliebtes Lokalbier beschert hat. Mittlerweile braut er nicht mehr in seiner Küche, sondern in einer Hightechanlage.

„Wenn mer noh an Hopfen hättet, Wasser und a Gersten, tät mer uns a Bierle braua, breichtet mer net derschten“ (sinngemäß: Wenn wir Hopfen, Wasser und Gerste hätten, könnten wir Bier brauen und müssten nicht verdursten) heißt es so schön in einem fränkischen Kärwalied (dt: Kirchweih – eine spezielle fränkische Form von Volksfesten mit starkem Trinkcharakter). Aber nicht nur auf dem fränkischen Land begeben sich Hopfen und Malz zusammen in den Brautopf, auch in der Stadt boomt die Braukultur – wie wir bereits berichteten.

schanzenbräu: Vom Bierkochbuch zur Brauerei

Eine Geschichte, wie sie im Lehrbuch für Startup Marketing nicht schöner beschrieben sein könnte, ist die von Schanzenbräu. Und dann wiederum so ganz und gar nicht: Innerhalb von zehn Jahren hat es Stefan Stretz geschafft, mit einem Hellen und einem Roten zu einer populären Brauerei in seiner Heimatstadt zu werden – und das lange vor dem Brauereiboom: „Fürs Brauen habe ich mich schon in der Schule interessiert, die lag nämlich neben einer Brauerei. Meine Großmutter hat mir damals ein altes Bierkochbuch gegeben, wobei meine ersten Versuche fürchterlich geschmeckt haben.“ Seine Leidenschaft war entbrannt und so folgte nach dem Abitur eine Ausbildung bei Tucher, einer der größten Brauereien in Nürnberg. Danach zog es den heute 47-Jährigen nach Berlin, wo er sich (neben eines Studiums des Bauwesens und der Getränketechnologie) weiterhin dem Brauen widmete und der Bier Company anschloss. „Eigentlich wollte ich gar nicht zurück nach Nürnberg, aber beruflich hat es sich ergeben“, das war 2003 und dann ging alles recht schnell: Zusammen mit seinem Bruder mietete er eine Werkstatt in der Bärenschanze (im mittlerweile recht hippen Bezirk Gostenhof) um an amerikanischen Autos zu basteln, der dazugehörige Keller wurde zur Heimbrauerei umfunktioniert. „Am Anfang haben wir nur alle sechs Wochen gebraut, aber das hat sich schnell rumgesprochen“, so Stefan. Und so wuchsen sie in kürzester Zeit über ihre Kellerräumlichkeiten hinaus, zogen um die Ecke in eine ehemalige Schlachterei und brauten zusätzlich noch in einer Brauerei in Bamberg, um der Nachfrage gerecht zu werden. Ein Lager mit Verkauf auf dem ehemaligen AEG Gelände – in dem auch einige Kunst- und Kulturschaffende ihre Ateliers und Studios haben – kam hinzu.

Schanzenbräu 2016

Es geht immernoch um den Rock´n´Roll

Von Keller und ausrangierten Sudtöpfen ist allerdings nicht mehr viel übrig, die Schanzenbräu-Brauerei befindet sich seit knapp zwei Jahren in einem Industriegebiet in der Stadt. Auf rund 3500m² brauen Stretz und sein sechsköpfiges Team in einer hochmodernen 20 Hektoliter-Vollautomatikanlage: knapp 400 m² umfasst die Brauhalle, gefliester Boden, hohe Decke, eine gemütliche Wirtshausecke mit Holztischgarnituren und einer Theke, dahinter die hochpolierte Brauanlage: „Wir sind auch eine Erlebnisbrauerei. Vorne ist die Verköstigung und hier sieht man, wie unser Bier hergestellt und abgefüllt wird“.

Und wie es sich für einen Brauer gehört, betreibt er zusammen mit zwei Freunden auch noch eine Wirtschaft – und zwar in Gostenhof, ganz in der Nähe des ursprünglichen Kellersitzes. „Einen großen Plan hatten wir eigentlich nie, das ist alles so passiert. Wichtig war uns, gutes Bier zu machen. Dass das nun klassische Biere sind, ist eher Zufall“, und so ist auch seine Brauerei offen für Kreativbrauer und Mikrobrauereien, die – wie einst er selbst – nicht genügend Equipment haben. „Ein Stückchen Land gehört uns hier außerdem noch, nächstes Jahr wollen wir dann noch weiter ausbauen. Dann reicht es aber auch.“, er zeigt es aus dem Fenster auf eine Ackerwiese, hinter der sich auch die Tucher-Brauerei befindet (griffbereit auf der Fensterbank, ein Fernglas im hübschen Ledercase. Stilsicher ist man hier zweifelsohne.).

In Fässern sowie Mehrwegflaschen gibt es Schanzenbräu im Getränke- und Großhandel in Nürnberg, Fürth und Erlangen zu kaufen – vereinzelt auch über die Grenzen Frankens hinaus. An sich ist der überregionale Vertrieb aber kein Ziel betont Stretz, „Sonst geht irgendwann der Spaß verloren, und es geht mir immer noch um den Rock’n’Roll“.

Bis Weihnachten veranstaltet er im Biergarten seiner Wirtschaft auch noch einen kleinen Weihnachtsmarkt, dafür haben sie extra Glühbier gebraut, ein Bockbier ist auch gerade in der Mache und ganzjährig bieten sie saisonale Spezialbiere an. Und so verwundet es nicht, dass einige Nürnberger und Nürnbergerinnen sich an eine Zeit vor Schanzenbräu kaum noch erinnern können – für viele die Brauerei ein Urgestein in der heimatlichen Brauszene.

Schanzenbräu 2016

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Photo Credit: Peter Dörfel

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