Von Crêpes zu Craft: Die Geschichte der Superfreunde

Von Crêpes zu Craft: Die Geschichte der Superfreunde

Eine kleine Crêperie in Berlin-Friedrichshain ist die Wiege der Kreativbrauer von Superfreunde. Wie es dazu kam, warum sie jetzt ein Pils machen und was die Zukunft noch bringen soll, erzählen Stefan Schröer und Marco Sgarra, zwei der Superfreunde, im 3B-Porträt.

Hoch trinkbares, kreativ kuratiertes Bier: Eine Neuheit in der jungen Bierszene, die in Deutschland gerade auftritt, und eine Lücke, die neben den Doppel, Tripel und Quadrupel Pale Ales unbedingt gefüllt werden muss.

Die Köpfe hinter Superfreunde haben ihre Nische gefunden und erfinden nun die Klassiker neu mit ihrem Old School Ale (Altbier) und einem in Kürze erscheinenden Pils. 3B hat sich mit zwei der Freunde getroffen, um zu erfahren, was heutzutage in der Bierszene fehlt und wie die Freunde uns genau das geben wollen.

Es waren einmal ein paar Kumpels und ein paar Biere

Die zwei Superfreunde-Gründer Stefan Schröer, 31, und Marco Sgarra, 32, sind gelernte Kaufmänner, Hobbymusiker, und berufliche Autodidakten. Sie haben sich vor einigen Jahren im Frenc Heartcrafted Goods kennengelernt, einer winzigen Crêperie in Berlin-Friedrichshain (jetzt geschlossen). Dort haben die Freunde mit dem Selbstbrauen angefangen; ihr erstes gemeinsames Bier-Projekt war eine Kollaboration mit BRLO – und dann gleich ein zweites mit Hops & Barley –, um Bier für das Restaurant zu brauen.

Von Anfang an wollten die Kumpels gute Produkte liefern. Klar haben sie mit anderen zeitgeistigen Bieren experimentiert (das Black IPA gilt als Beweis dafür), schließlich aber wollten sie etwas, „wo man drei Stück von trinken kann.“ Im gerade beginnenden Sommer haben sie nun genau so ein Bier in der Hand.

Der OG Teutone

Pilsener: das jüngste Mitglied der SUPERFREUNDE Palette. Aber … ein Pils? Pils ist doch was ganz langweiliges, Pils ist eben kein Kunstwerk. Doch, die SUPERFREUNDE tollen angesichts der Herausforderung herum und kommen mit einem leicht, aber cremigen, fruchtigen, vollmundigen, nicht zu bitteren und überaus trinkbarem Lager ins Spiel.

Das Pils bleibt der deutschen Brautradition treu – ein Muss, da sie in Bamberg brauen lassen und sich nach dem Reinheitsgebot richten –, fühlt sich aber wohl mit anderen aggressiveren, intellektuelleren Bieren. Außerdem ist das Pils kein leicht zu brauendes Bier. „Es vergibt keine Fehler.“

Letztlich war das Pils die perfekte Ausrede für eine Atempause auf der CRAFT Frankfurt, der Kreativbier-Messe, die im späten März in Frankfurt stattfand. Es ist natürlich ein super Bier „für den Anfang oder zum Runterkommen nach anderen komplizierten Sachen.“ Gebildete BiertrinkerInnen sind an den SUPERFREUNDE-Stand zwischen Gläsern Aprikosenales und Biobrausen geströmt, um sich ein Schlückchen von was Leichterem, Freundlichem, Bekanntem zu gönnen.

Superfreunde auf der Pils-Autobahn

Dank detailorientiertem Arbeiten und aktiver Teilnahme am Brauprozess ist das Endprodukt etwas, worauf die Superfreunde stolz sein dürfen. Gebraut wird im Wagner Bräu und im Brauhaus Binkert, beides Brauhäuser in Franken, unter den aufmerksamen und erfahrenen Augen von langjährigen Profis. Die Superfreunde lassen ihr Bier aber nicht einfach outsourcen. Obwohl sie zurzeit in Berlin wohnen, verbringen die Partner viele Zeit auf der Autobahn Richtung Bamberg, wo sie ihre Biere und die Leute, die sie zum Leben bringen, kennenlernen.

„Bis jemand unsere Flasche kauft, haben wir die schon mehrmals in der Hand gehabt,“ lacht Stefan über die lange Zeit, die sie für jeden Schritt des Prozesses benötigen. Die Freunde haben das letzte Wort, natürlich, und sind bei jeder einzelnen Entscheidung engagiert, ob es um Rezepte, die Kalthopfung oder das Flaschendesign (designt von Killer Artworks, die Etiketten haben eine unverkennbare Ästhetik der späten 2010er-Jahre) geht.

Um sich mehr Zeit mit der spaßigen Seite der Industrie zu beschäftigen und auf neue Ideen zu konzentrieren, haben die Superfreunde Mitte April eine Zusammenarbeit mit der Betriebsfirma One Pint gestartet. One Pint bringt Superfreunde-Bier ab jetzt in über 90 Städte in Deutschland und vielleicht auch bald ins Ausland (man kann schon einiges von dem Sortiment in Norwegen und in Belgien finden). Die Freunde schauen jetzt in die Zukunft. „Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit One Pint und auf das, was danach kommt.“

Musik, Bier und Superfreunde

Und was soll das bitte sein, was danach kommt? „Gastronomie.“ Marco braucht nicht lange überlegen. „Im besten Fall eine Brauerei,“ schließt sich Stefan an. Wo, wann, wie usw. steht noch nicht fest, aber vielleicht irgendwo in Norddeutschland. Sie fühlen sich fast überall wohl.

Nun wollen sie aber das Team vergrößern (mittlerweile sind sie mit Christian Buggenthin, 31, der sich um die Hamburger Betriebsgeschichte kümmert, bereits drei Vollzeit-Beschäftigte, hinzu kommen noch drei Teilzeitkräfte) und mehr Kulturveranstaltungen planen. „Wir wollen zwei gute Sachen zusammenbringen: Musik und Bier.“ Etwas, womit sie sich schon längst nebenbei beschäftigen, mit Bands wie The Flatliners, Smile and Burn und Silverstein.

Musik oder keine Musik, „wir wollen, dass Leute Bier trinken, nicht um sich wohl zu fühlen, sondern weil sie sich schon wohl fühlen“, sinniert Stefan über die Motivation, zu brauen. Ein Wunsch, der gut zu einem frostigen Glas, einem weichen Schaum und einem befriedigten Lächeln passt.

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Photo Credit: Puria Safary  

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