Tucher Bräu zurück im historischen Sudhaus: „Wir sind jetzt endlich wieder in unserer Herzkammer.“

Tucher Bräu zurück im historischen Sudhaus: „Wir sind jetzt endlich wieder in unserer Herzkammer.“

Nürnbergs Hit-Brauerei Tucher hat nach längerer Sanierung sein ehemaliges Sudhaus in der Nordstadt wieder eröffnet. Neben der Herstellung des bewährten, originalen Rotbieres geht man in der historischen Braustätte nun auch auf Tuchfühlung mit dem Publikum. 3B hat sich das aus nächster Nähe angesehen.

Mitten in der Nürnberger Nordstadt (für alle Nicht-Nürnberger und Nürnbergerinnen: So etwas wie der Prenzlauer Berg der fränkischen Hauptstadt), zwischen Wohnhäusern und neben einem Kindergarten, steht das historische Sudhaus der Nürnberger Traditionsbrauerei Tucher am Schillerplatz.

Tucher Bräu kommt nach Hause

Insgesamt fünf Jahre dauerte es, bis am einstigen Brauort wieder Bier hergestellt werden konnte. „Wir brauen hier auf der alten Fläche des historischen Sudhauses und nutzen die Räumlichkeiten wie früher“, sagt Tucher-Geschäftsführer Gunther Butz und zeigt auf die kupferfarbenen Sudkessel.

Fein rausgeputzt sind sie und machen sich gut in dem großen, hohen Raum. Über eine Wendeltreppe, vorbei an romanischen Fenstern, geht es hinunter in den Gär- und Lagerkeller des denkmalgeschützten Klinkerbaus. Fast fühlt man sich wie in einer Zeitreise Richtung Anfang des 20. Jahrhunderts. An die 50 Holzfässer lagern hier unten hübsch neben-, unter-  und aufeinander gereiht, jedes mit einem Fassungsvermögen von über 200 Litern.

Ausschließlich Rotbier – ein naturtrübes, obergäriges – lässt Tucher im Sudhaus brauen und knüpft damit an eine alte Tradition an, denn noch vor dem Reinheitsgebot Mitte des 16. Jahrhunderts gab es bereits naturtrübe Biere. Bis das finale Rezept für Tuchers Rotbier gefunden war, dauerte es allerdings auch seine Zeit. „Jahrelang haben wir die Archive durchstöbert, Probesude gebraut, diese in Holzfässern gelagert, verkostet und erst dann entschieden: Das ist sie die richtige Rezeptur für unser original Nürnberger Rotbier“, erinnert sich Butz.

Die Basis dafür bildet ein Starkbier, das ebenfalls im Sudhauskeller hergestellt wird und bis zu sieben Wochen reifen muss. Auf Bestellung wird das Rotbier per Hand über eine kleine Fassanlage als Vollbier abgefüllt, mit einem Schuss Starkbier aus dem Holzfass. Dieses reift seinerseits in besonderen Eichenholzfässern im Keller. „Durch die Behandlung der Innenseite mit Feuer hat jedes Fass seinen eigenen Charakter, den es an das Bier weitergibt“, erklärt Betriebsleiter Bernhard Wagemann. Das Ergebnis ist ein harmonischer, mildwürziger Geschmack und ein Alkoholgehalt von ca. 5,5% Vol.

Sudhaus mit langer Geschichte

Die Geschichte des Sudhauses ist über 100 Jahre alt: 1899 wurde hier das erste Bier gebraut, damals allerdings noch nicht von Tucher, sondern von der „Brauhaus Nürnberg J. G. Reif AG“, die später mit der Großbrauerei fusionierte. Die Anfänge von Tucher Bräu gehen weiter zurück: Als „städtisches Weizenbräuhaus“ in der Altstadt versorgte es bereits 1672 durstige Franken. Mit der Mediatisierung Nürnbergs rund 130 Jahre später wurde es gar geadelt und produzierte fortan als  „Königliches Brauhaus“.

Offiziell übernahm die Familie Tucher die Brauerei 1855 und wuchs weiterhin schnell, so dass Tucher auch außerhalb Bayerns als Biermarke immer bekannter wurde. Mittlerweile gehört Tucher Bräu zur Oetker-Gruppe, hat seinen Hauptbrausitz am Nürnberger Stadtrand und ist nach wie vor auch über die fränkischen Biergrenzen hinaus beliebt. Als Traditionsbrauhaus mit nun wirklich alter Geschichte, wissen die jetzigen Unternehmer natürlich, was eine lebendige Brauereikultur ausmacht: Neben dem Brauen werden zukünftig auch Führungen durch das Sudhaus angeboten, mit Bierverköstigung inklusive Brezelsnack. Im 5-Liter-Fass für Zuhause können sich die Sudhaus-Besucher und Besucherinnen das Originalbier auch gleich mitnehmen. Darüber hinaus füllt Tucher sein Rotbier in Flaschen und für die Gastronomie in 20- bis 30-Liter-Fässer ab.

Außen wird das Sudhaus noch fertig gestellt

„Wir sind jetzt endlich wieder zurück in unserer Herzkammer“, beschreibt es der zweite Geschäftsführer Fred Höfler bei der offiziellen Pressekonferenz des Sudhauses Ende April, und ihm wird nickend und prostend zugestimmt. Vor ein paar Jahren sah das noch ein bisschen anders aus: Das einstige große Brauereiareal wurde zum größten Teil an ein Nürnberger Immobilienunternehmen verkauft. Auf dem knapp 350.000 Quadratmeter großen Gelände entstanden Wohnungen und Grünflächen unter dem Projekt „Wohnen in den Nordstadtgärten“, das ebenfalls final dieses Jahr fertig gestellt werden soll.

Viel übrig ist dann nicht mehr von dem historischen Industriegebiet, aber auch das bedeutet, mit der Zeit zu gehen, und so sollte am Schillerplatz nichts schief gehen für Tucher. Zumal die Franken ihre Biertradition hoch in allen Ehren halten und die Traditionsbrauerei ein fester Bestandteil der hiesigen Braukultur ist. Und wenn dann auch die äußere Restaurierung des Sudhauses abgeschlossen ist, strahlt der neue alte Standort auch von außen in vollem Glanz. Auch wenn die mittlerweile hochgezogenen Häuser rechts und links nur einen begrenzten Radius zulassen …

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Photo Credit: Steffen Oliver Riese 

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