Was gärt? #12 Mashsee Brauerei, Kraftpaule, Eichbaum, Schweizer Kleinbrauerverband

Was gärt? #12 Mashsee Brauerei, Kraftpaule, Eichbaum, Schweizer Kleinbrauerverband

Alexander Herold verlässt die Mashsee Brauerei, Eichbaum spaltet die Gemüter mit Flaggen von Saudi Arabien, und der Stuttgarter Kraftpaule trennt sich von seinen Zapfhähnen. Wenigstens die Schweizer Eidgenossen versammeln sich und möchten gemeinsam einen Interessenverband der Kleinbrauer ins Leben rufen.

Nach all den Negativbotschaften der letzten Ausgabe sollte man hoffen, dass es in der zweiten Maihälfte besser wird, immerhin ist der Mai dank Tag der Arbeit, Himmelfahrt und Pfingsten ein Traum für die Absatzstatistiker, und das Wetter spielt auch mit. Doch leider haben wir wiederum nicht viel Gutes zu berichten.

Alexander Herold nicht mehr bei Mashsee

Kolja Gigla und Alexander Herold, Gründer der Mashsee Brauerei in Hannover, gehen getrennte Wege. Das 2014 gegründete Unternehmen füllte in der niedersächsischen Hauptstadt eine Lücke, die durch die gedrosselten Produktionsmengen der Gilde Brauerei entstanden war, da Eigner AB-InBev die Förderung überregionaler Marken betonte. Seit 2016 gehört Gilde nicht mehr zum Weltkonzern und stößt deutlich mehr Bier aus, doch die Lücke reichte für die Mashsee Brauerei, benannt nach dem Hannoveraner See.

Mit Bieren wie dem Trainingslager oder Captain Blaubeer Porter erfüllt die Mashsee Brauerei das Bedürfnis nach einem lokalen Bier – nur jetzt ohne Alexander Herold. Dieser wurde zum 2. Mai als Geschäftsführer abberufen. Zu den genauen Hintergründen wollte sich Herold noch nicht äußern. Nur das übliche, diffuse “unterschiedliche Vorstellungen über die weitere Entwicklung der Firma” geistert durch das Netz und lässt vermuten, dass man zwar am selben Strang, aber in unterschiedliche Richtungen zog.

Bierfluss gestoppt im Stuttgarter Kraftpaule

Jede Stadt braucht ihre hippen Bierpilgerstätten, in denen sich bärtige Frühzwanziger bis Spätdreißiger über die Geschmacksarmut industrieller Lager echauffieren können und Frauen nur dann als Kuriosum gelten, wenn sie tatsächlich “Frauenbier” bestellen.

In Stuttgart ist einer dieser Orte das Kraftpaule, welches den Osten der Stadt mit Bierkultur belebt. Oder belebte? Denn es herrscht Ausschankverbot in der Gastronomie, die wohl bald keine mehr ist. Der Grund dafür ist ein schwarzes Schaf in der sonst offenbar gutmütigen Eigentümergemeinschaft des Hauses. Aus der Furcht heraus, der Barbetrieb könnte den Wert der Immobilie verringern, darf nun kein Bier mehr aus den Hähnen fließen. Betreiber Thorsten Schwämmle ist entsprechend geknickt, möchte aber wie der Grashalm im Sturm eher biegen als brechen und sich mit einem anderen Konzept wieder aufrichten: Kraftpaule soll ein Flaschenladen mit Verkostungen etc. werden, hoffentlich mit gesitteteren Öffnungszeiten, die dem anonymen Eigner genehm sind.

Eichbaum sorgt mit Saudi-Flaggen für Aufruhr

Inzwischen müsste man diese Kontroversen auch vorhersehen können: Die Mannheimer Eichbaum Brauerei, die bereits durch ihre für Lidl umgelabelten Sondersude für Aufsehen sorgte, wollte vom WM-Fieber profitieren, indem man Flaggen der Teilnehmerländer auf die Kronkorken druckte. Sammelfieber auslösen in der ohnehin bierreichen Fußballzeit.
Blöd nur, wenn die Saudi-Flagge, akribisch abgedruckt, ein Glaubensbekenntnis enthält. Denn Alkoholkonsum und Islam, das verträgt sich eher schlecht. Die entsprechende Diskussion, fachmännisch geführt via Facebook, entglitt erwartungsgemäß geschwind, so dass Eichbaum den Thread nach den üblichen Drohungen und Beleidigungen schließen musste. Auch die Kronkorkenaktion ist gestoppt. Was bleibt? Brauereien mit derlei Ambitionen müssen wohl darauf hoffen, dass sich die betreffenden Länder in Zukunft nicht mehr zur WM qualifizieren. Alternativ hätte man das Glaubensbekenntnis auch weglassen können, deklariert als zufälligen Druckfehler, um den Sammlerwert nochmals in die Höhe zu schrauben. Aber dann hätten sich Saudi-Fans wahrscheinlich über die Schludrigkeit echauffiert.

Schweizer Kleinbrauer bilden Verband?

Eidgenossen, vereint euch! Denn die Schweiz ist eine Biernation wie alle anderen, und das heißt: 99% der Bierproduktion sind in den Händen der Großbrauereien, während 850 Kleinbrauer um die Brotkrumen streiten, die von der Reichen Tische fallen.

Das soll jetzt ein Ende haben, denn ein Verband der Klein- und Kreativbrauer soll geballt deren Interessen vertreten. Damit würde man den Fußstapfen vergleichbarer Organisationen weltweit folgen. Das prominenteste Beispiel ist sicherlich die Brewers Association of America. Es stellt sich die Frage, warum so eine Organisation angesichts des bereits existierenden Schweizer Brauerei-Verbandes (SBV) notwendig sein sollte. Schließlich ist die größte Herausforderung für den Verband deutscher Kreativbrauer, dass der Deutsche Brauer-Bund für sich in Anspruch nimmt, alle deutschen Brauer, groß und klein, zu vertreten. Genau da liegt der Hase natürlich im Pfeffer, denn im SBV sind nur 19 Brauereien vertreten, die einen jährlichen Ausstoß von 2.000 Hektolitern haben müssen. Dadurch fällt die Großzahl der Kleinen durch das Raster.

So ganz in trockenen Tüchern ist das Ganze allerdings noch nicht. Von jenen 850 Brauereien haben zunächst 40 Interesse bekundet. Sind diese 40 tatsächlich dabei, wäre das ein vielversprechender Start.

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Photo Credit: Tim Klöcker

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