Was gärt? #13: Beavertown, AB-InBev, Stone White Geist Berliner Weisse, Bier ist nicht bekömmlich

Was gärt? #13: Beavertown, AB-InBev, Stone White Geist Berliner Weisse, Bier ist nicht bekömmlich

In dieser Ausgabe von Was gärt? jubeln vor allem die Großen: Heineken setzt seine Shoppingtour durch populäre Kreativbrauereien fort und AB-InBev seinen Siegeszug, Stone Berlin exportiert sein erstes, konstant produziertes Berliner Bier zum großen Bruder nach Kalifornien und eine kleine Brauerei muss auf ein kleines Wort verzichten, sagt der Bundesgerichtshof

Nachdem Beavertown im April diesen Jahres den Vertrag mit der englischen Supermarktkette Waitrose bekannt geben konnte, soll es offenbar weiterhin mit großen Schritten voran gehen. Wie die Times (London) meldete, befindet sich die Brauerei von Logan Plant, Sohn von Led Zeppelin-Mitglied Robert Plant, in Gesprächen mit Biergigant Heineken. Der nach dem Megamerger von AB-InBev und SAB Miller zweitgrößte Bierkonzern der Welt zielt dabei offenbar auf ein ähnliches Modell, wie es bereits bei Lagunitas und Brixton Brewery funktionierte: Im Austausch für 49% Firmenanteile wird der Ausbau der Brauerei unterstützt, im Falle von Beavertown offenbar eine neue Produktionsstätte mit Biererlebniswelt namens “Beaverworld”. Diese Art von Bier-Disney scheint der neue Trend zu sein, und was die BrewDogs können, kann Beavertown schon lange, mit Heineken-Hilfe dann auf jeden Fall.

Während der Bauarbeiten soll die Produktion einiger Kernsortimentsbiere vorübergehend nach Belgien verlagert werden. Auch nach dem Deal soll Beavertown unabhängig bleiben. Ob dieser Zustand auf Dauer Bestand haben wird, muss sich zeigen.

AB-InBev legt zu

100 Milliarden Dollar kostete der oben bereits erwähnte Merger von Anheuer Busch-InBev mit Branchensecundus SAB Miller. Fünf Prozent davon (vor Steuern) hat man nun im ersten Quartal 2018 auch schon wieder drin. Der Bierabsatz erreichte dabei fast 120 Millionen Hektoliter. Zum Vergleich: Das ist mehr, als die gesamte deutsche Brauwirtschaft übers Jahr gesehen produziert (ca. 95 Mio. Hektoliter).

Den Anstieg sowohl in Absatz als auch Umsatz führt AB-InBev dabei auf Synergien zurück, die sich aus dem Zusammenschluss der Bierriesen ergeben haben. Hinter dem Euphemismus stecken sicherlich Entschlackungen an Personal und Logistikaufwand, denn schließlich braucht es nun nicht mehr zwei konkurrierende Vertriebsapparate für denselben Markt, sondern nur noch einen, der etwas größer ist. Zu den Entschlackungen (mit entsprechenden Verkaufsprofiten) gehören auch Biermarken wie Hasseröder, Diebels (InBev), Pilsner Urquell oder die Londoner von Meantime (SAB Miller).
Als offizieller Biersponsor der Fußball-WM 2018 in Russland ist es unwahrscheinlich, dass das zweite und dritte Quartal viel schlechter ausfallen.

Stone White Geist Berliner Weisse goes USA

Bisher waren es eher US-Importe aus Escondido, Kalifornien, die deutsche Hopfenfanatiker jubeln ließen, während die vor Ort gebrauten Standardbiere von Stone Berlin Spiegelbilder ihrer US-Geschwister waren. Dies änderte sich mit Stone White Geist, dem ersten exklusiv in Berlin produzierten Bier für das Standardsortiment der Brauerei. Natürlich handelte es sich dabei um eine Berliner Weisse.

Nun soll der Warenfluss auch andersrum fließen, und das Stone White Geist seinen Weg in die USA finden. Dort ist das sogenannte Kettle Sour-Verfahren weithin üblich, und so wird auch die Stone-Weiße hergestellt: Der für andere Bierstile gefährliche Lactobazillus, der die Berliner Weisse so schön sauer macht, kommt nur während einer kurzen Gärung im Braukessel zum Einsatz, bis der gewünschte PH-Wert erreicht ist. Dann wird gekocht, wodurch das infektiöse Bakterium das Zeitliche segnet und im weiteren Verlauf keinen Schaden mehr an anderen Bieren verursachen kann.

Hersteller traditioneller Berliner Weisse rümpfen die Nase, denn ihnen zufolge müssen Brettanomyces (ein wilder Hefestamm) und das Milchsäurebakterium mit in die Gärung und die Flasche, sonst gehen Entwicklungspotential und Komplexität verloren – der Grund, warum Weissebrauereien früher strikt getrennt waren von anderen Bierherstellern.
Stone hält Kalthopfung und einen erhöhten Alkoholgehalt dagegen (4,7% Vol.). Das macht das Stone White Geist zwar etwas weniger sommerlich, aber aromatisch wuchtiger. Typisch Stone eben. In den USA, mit Sauerbieren inzwischen ziemlich überlaufen, wird man auch damit einen schweren Stand haben, doch der Originalitätsanspruch könnte helfen. Vorerst kommt das Stone White Geist als Limited Edition, bei Erfolg sicherlich konstant.

Bier ist nicht bekömmlich

Es ist aus für das bekömmliche Bier der Brauerei Clemens Härle KG aus dem kleinen Leutkirch. Über den Fortgang des Rechtstreits mit einem Berliner Verbraucherschutzverein berichteten wir bereits. Nun hat auch die letztmögliche Instanz, der Bundesgerichtshof in Karlsruhe, die Revision des Beklagten zurückgewiesen.

Damit ist die Bewerbung von Bier als “bekömmlich” nun nicht mehr zulässig. Der Begriff wird laut Bundesgerichtshof mehrheitlich als gesundheitsbezogene Aussage verstanden. Werbung darf aber bei alkoholischen Getränken jenseits der 1,2% Vol. keine positiven, gesundheitlichen Auswirkungen suggerieren. Dass fast 90 Jahre niemand ein Problem mit der Bekömmlichkeit hatte, zeigt auch die Transition von Bier von einem Lebens- hin zu einem Genussmittel.

Eine mögliche Lücke für Fans des Begriffes ist, dass er wohl zulässig gewesen wäre, hätte er klar in einem rein geschmacklichen Zusammenhang gestanden. Ein “bekömmliches Hopfenaroma” könnte also durchaus Chancen haben. Ob dafür allerdings jemand eine weitere Klage riskieren möchte … Um das “Wohl bekomm’s!” am Stammtisch braucht sich hingegen wohl niemand sorgen. Schließlich kann man bei dem unbekömmlichen Gesöff jedem Trinker nur wünschen, dass ihn nicht das Magenkneifen ereilt.

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Photo Credit: Tim Klöcker, xphere und Shutterstock

 

 

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