Was gärt? #3 Von Beyoncé auf dem Biermarkt

Was gärt? #3 Von Beyoncé auf dem Biermarkt

Einmal gären wir noch nach, bevor Was gärt? ins nächste Jahr brodelt. Wer aber auch die Festtage nicht ohne Bier-Buschfunk begehen will, der findet diesmal ein wenig Baltikum, ein wenig Brooklyn, ein wenig Beyoncé und viel zu viel Felsquellwasser.

In dieser Rubrik widmen wir uns dem Halbgaren, dem Bierbuschfunk.. Insofern haben die Meldungen, die hier präsentiert werden sollen, keinen Anspruch darauf, Fakten zu sein. Sie sind unterhaltsames Szenengeflüster, aus dem einmal Fakt werden kann, aber keinesfalls muss. In dieser Rubrik gärt und blubbert es lebhaft, braucht aber noch etwas Reifezeit, bis es bierernst wird.

Brooklyn am Baltikum

In der vergangenen Ausgabe von Was Gärt? ging es ja bereits um die Carlsberg-Partner von der Brooklyn Brewery, und mögliche Pläne für Paris. Inzwischen ist bestätigt, dass es sich dabei NICHT um eine Brauerei handelt. Was dann? Wer weiß?
Auch ist die Bezeichnung der Brauereiprojekte als Brooklyn Brewery nicht ganz korrekt, denn die Brauereien haben eigene Namen und Konzepte, etwa Nya Carnegie in Stockholm oder E.C. Dahl in Trondheim. Als Absatzmöglichkeit für Brooklyn-Produkte dienen sie natürlich dennoch. Neuestes Mitglied der Brooklyn-Familie wird die Svyturys Brauerei in Klaipeda, Litauen. Wie viele Städte am östlichen Baltikum, etwa Tallinn oder St. Petersburg, hat auch diese Hafenstadt eine lebendige und unternehmungslustige Bierszene. Diese wird Brooklyn Brewery bald um einen Tasting Room, Fassreifungskeller und ein Restaurant bereichern. Neben den oben Genannten unterhält man auch in Südkorea, Hong Kong und Greoßbritannien solche Schwesterbrauereien. Pläne für Berlin gibt es indes keine mehr, die Idee mit der alten Bötzow Brauerei blieb leider genau das.

Beyoncé will nicht auf Brooklyner Bierdosen sein

Und nochmal Brooklyn, allerdings nicht die Brooklyn Brewery: Lineup Brewing, eine kleine, von Frauen geführte Brauerei mit lateinamerikanischem Hintergrund, erhielt unlängst einen freundlichen Brief von den Anwälten der Sängerin und Schauspielerin Beyoncé Knowles. Da das Design auf den Dosen vom 5. Studioalbum der Sängerin inspiriert ist, ihr Gesicht zeigt und sich auch noch Biëryoncé nennt, hätte man sich das allerdings auch denken können.
Firmeninhaberin Katarina Martinez arbeitete da wohl unter der alten amerikanischen Maxime ‚better ask forgiveness than permission‘.
„Wir sind enttäuscht, dass sie es nicht als Kompliment verstanden hat.“ sagte sie gegenüber dem Musikmedium Pitchfork. Gut möglich, dass Beyoncé es sogar so aufgefasst hat, aber mit einem fremden, berühmten Gesicht ungefragt den eigenen Alkoholverkauf ankurbeln – da muss man nicht Einstein sein, um sich das Ergebnis ausrechnen zu können.
Die bereits gebraute Charge darf allerdings abverkauft werden, Bier- und Beyoncé-Fans müssen also schnell zuschlagen, um die nun streng limitierte Auflage in die Finger zu bekommen.

Rauschfrei in Kanada

Molson Coors ist einer der Braugiganten dieser Welt. Zum Portfolio des Braukonzerns gehören unter anderem Carling, Cobra, Staropramen oder Paulaner. Die in Denver beheimatete Firma ist besonders auf dem kanadischen Markt ein Platzhirsch. Dort soll nun auch ein neues, untergäriges Alkoholfreies erstmals am Konsumenten ausprobiert werden. So weit, so unspektakulär, schließlich hat der Bierriese bereits 18 Biere mit wenig oder keinem Alkohol im Sortiment. Doch dieses soll tatsächlich schmecken, ein erwachsenes Publikum ansprechen.
Vorbild dafür ist der europäische Markt, auf dem alkoholfreie Biere je nach Land zwischen 4 und 14% Marktanteil haben. Die Macher des neuen Alkoholfreien sehen Kanada und die USA nun an einem ähnlichen Punkt angekommen. Bisher machte Alkoholfreies dort nur einen verschwindend geringen Marktanteil aus, wurde meist als billiger Abklatsch ohne Rausch verachtet. Doch mit dem Aufschwung gesundheitsbewusster Ernährungstrends soll alkoholfreies Bier nun auch hier zuschlagen. Nicht unbedingt als Konkurrenz zu berauschendem Bier, sondern um Kunden aufzufangen, denen Soft Drinks zu süß sind. 2018 ist der Auftakt, bis 2025 soll das neue Bier in jedem Land, in dem Molson Coors operiert, verfügbar gemacht werden. Ein Name steht noch nicht fest.

Felsquellwasser für alle! Krombacher droht Verlust der Wortmarke

Was gute Werbung nicht alles anrichten kann: Wie vielen Fernsehzuschauern flimmert nur bei dem Wort „Felsquellwasser“ wohl die (fast) unberührte Seenlandschaft der Aggertalsperre aus dem TV-Clip von Deutschlands beliebtester Pilsener-Sorte am inneren Auge vorbei? Ähnlich wie die bekannteste Hopfensorte Deutschlands, der Bitburger Siegelhopfen, eigentlich keine ist, ist es auch beim Felsquellwasser nicht weit her mit der Braurealität, denn selbst kleine Brauereien haben für gewöhnlich Wasseraufbereitungsanlagen und können sich die Wasserqualität so einstellen, wie sie es für das jeweilige Bier benötigen. Die Zusammensetzung für ein Massenprodukt wie Krombacher hingegen muss absolut vorhersehbar und stabil sein. Den Rest kann man sich denken.
Dennoch ist das Werbewort derart gut und erfolgreich, dass es zum Zankapfel wird. Krombacher hat es sich als Wortmarke schützen lassen, wie es bei einer großen Brauerei und einem aufwendigen Werbekonzept zu erwarten ist. Nun erwirkte Robert Meyen, ein 34jähriger Anwalt aus Neuss, im Auftrag einer Privatperson die Löschung der Wortmarke wegen Nichtbenutzung. „Momentchen mal, Nichtbenutzung?“ wird es jetzt manchem durch den Kopf gehen. Millionen von Bundesbürgern können die Perle der Natur im Schlaf rezitieren, und dann redet da ein Jungspund von Nichtbenutzung?
Doch Meyen geht es nicht um die quantitavie, sonder qualitative Nutzung. Das heißt, dass „Felsquellwasser“ lediglich eine Zutatenbeschreibung ist, und kein einzigartiges Werbeschlagwort. Schließlich können andere Brauereien ebenfalls mit Felsquellwasser brauen, und tun das auch.
Das Landgericht Bochum sieht das ebenso. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, und Krombacher wird natürlich in Berufung gehen. Sollte es aber bestätigt werden, dürften plötzlich alle Brauereien mit Felsquellwasser in ihrem Bier werben. Egal, wie sinnvoll oder unsinnig das letztlich ist.

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Photo Credit: Tim Klöcker 

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