Was gärt? #4 Oorlam, Stone und Corporate Finance

Was gärt? #4 Oorlam, Stone und Corporate Finance

„Wäs gärt“ ist zurück! Unter anderem mit Nachrichten zur geplanten Buddelship-Bar Oorlam, einem neuen Bar-Projekt von Stone Brewing in Berlin-Prenzlauer Berg und Wechselstimmung bei Diebels und dem deutschen Hopfenwirtschaftsverband. Prosit!

Willkommen im neuen Jahr! Feucht-fröhlich war hoffentlich der Rutsch, und feucht-fröhlich geht es dank Bier, Bars und Brauer weiter. Doch diese Ausgabe von Was gärt? hat leider auch eine Neuigkeit, die bei Berliner Bierbarfreunden für viel Feuchtigkeit in den Augen, aber wenig Freude sorgen dürfte. Also schaffen wir das Unangenehme gleich aus dem Weg:

Monterey Bar vor dem Aus?

Seine zunehmende Müdigkeit im Bezug auf den Barbetrieb machte Adrian Sampson, Inhaber der Monterey Bar in Berlin – Prenzlauer Berg, in der Vergangenheit mehrfach deutlich. Nun scheint es ernst zu werden: In einem Facebook-Post bestätigte der gebürtige Australier die Absicht, die Bar zu verkaufen.

Für viele Berliner und Expats war die Monterey Bar der erste Kontakt mit kreativen Bieren in der Hauptstadt. Gleichzeitig Speziallbier-Kneipe und Heavy Metal Bar, füllte die “Monty” vor viereinhalb Jahren eine Lücke im Gastronomiesektor des Bezirks. Sampson ist nach wie vor berühmt für sein Engagement für eine bessere Bierkultur, und sein Bierkeller war lange Zeit unschlagbar, was Raritäten in Flaschen anging. Mittlerweile gibt es in der Gegend mehrere Etablissements, die Bierspezialitäten anbieten, doch Konkurrenz ist laut Sampson nicht der Grund für den Verkauf.

In seiner sehr offenen Nachricht führt er gesundheitliche und familiäre Gründe an, die sich mit den Belastungen durch den Barbetrieb nicht vereinbaren ließen. Die Berliner Bierbarwelt wartet nun gespannt auf einen neuen Eigner. Ist die Monty tot, oder kehrt sie gar stärker denn je zurück?

Stone am Prater

Sprachen wir gerade über Konkurrenz im Bezirk? Die Monterey Bar hatte als eine der Ersten die Biere von Stone Brewing am Fass, feierte gar den Einstand des beliebten Go To Session IPAs für den deutschen Markt. Nun verdichten sich die Gerüchte um einen Taproom in der Kastanienallee in Berlin-Prenzlauer Berg. Unweit des bekannten Biergartens Prater will Stone Brewing in gewohnt rebellischer Manier dem „yellow beer“, das dort ausgeschenkt wird, einen kreativen Gegenpol setzen. Damit bewahrheiten sich die Vermutungen, dass die Marienfelder mit ihrer Gastronomie und Produktionsbrauerei für die Berliner etwas weit ab vom Schuss sind. Auch wenn es dort inzwischen deutlich besser läuft, braucht es einen öffentlichkeitswirksamen Ausschank, um das Prestige, das Fassbier in Deutschland genießt, auch für die intensiven Gebräue von Stone anzuzapfen.

Das Buddelship lädt ne Buddel voll…Genever

Hamburg hat viele gute Kleinbrauer, aber zu wenig unbelegte Hähne in der Stadt, um die leckeren Tropfen auch auszuschenken. Selbst ist der Mann (und die Frau), dachten sich da der brauende Simon Siemsglüß von Buddelship und seine destillierende Lebensgefährtin Nienke Oostra von Filosoof Genever. Die Niederländerin, deren Varianten des Gin-Urvaters der Traditionsspirituose einen modernen Twist geben, stellt eine Hälfte des Barkonzepts. Siemsglüß kümmert sich um die Bierseite. Satte 15 Zapfhähne soll es geben, etwa 10 davon für Buddelship, der Rest offen für Gastbiere. Eine Backstein-Eckbar im Innenstadtbezirk Neustadt soll es werden, und sie hört auf den Namen Oorlam. Dabei handelt es sich um eine niederländische Maßeinheiten aus dem nautischen Bereich, in der die Seeleute ihren Genever zugeteilt bekamen.

Der Stil soll wie auch das Konzept die niederländisch-deutsche Partnerschaft der Gründer widerspiegeln. Entsprechend soll es maritim, aber modern, hell, aber gemütlich sein. Herrengedecke spielen mit dem Variantenreichtum beider Getränke, dazu gibt es kalte Speisen wie z.B. eine holländische Käseplatte. Das Crowdfunding zur Kneipe ist bereits vorbei, und leider fehlgeschlagen. Die recht kurze Laufzeit und die Feiertage haben hier wohl nicht geholfen. Dennoch halten Oostra und Siemsglüß an einer Eröffnung im Februar, vielleicht schon Ende Januar fest.

Diebels mit neuem Inhaber

Unzufriedenheit wird bei der Belegschaft der vormals zu Anheuser Bush-InBev gehörenden Altbierbrauerei Diebels deutlich, redet man über den früheren Inhaber. Mit „weniger als AB-InBev für die Marke Diebels getan hat, ist kaum noch möglich.“ wird Betriebsratsvorsitzender Thomas Engelsiepen auf RP Online zitiert. Bei dem belgisch-amerikanischen Bierriesen war das auf Massentauglichkeit getrimmte Alt eher ein Nischenprodukt und wurde entsprechend wenig gefördert. Mit dem neuen Eigner Daniel Deistler und seiner Firma CK Corporate Finance sollen nun bessere Zeiten anbrechen, sobald der Deal finalisiert ist. Dies wird sich wohl noch bis zum Sommer hinziehen. In der Zwischenzeit gibt es reichlich Spekulationen zu dem Private Equity-Investor und seinen Geldquellen. Stemmt er den Kauf von Diebels (geschätzt knapp 200 Mio. Euro) überwiegend mit Fremdkapital, so dürfte eine Brauerei, die überhaupt nur 40 Millionen Euro pro Jahr umsetzt es schwer haben, jene Investoren glücklich zu machen. Zudem wird gemunkelt, dass Hasseröder einen Großteil des Geldes stellt, was AB-InBev letztlich wieder ins Boot holt, denn die Brauerei aus dem Harz gehört ebenfalls zum weltgrößten Bierkonzern.

Wechsel an der Spitze des Deutschen Hopfenwirtschaftsverbandes e.V.

Nach 32 Jahren Tätigkeit für den DHWV legte Josef Grauvogl zum Jahresende 2017 sein Amt als Geschäftsführer nieder. In dieser Zeit musste der Verband auf mehrere, teils starke Veränderungen auf dem Welthopfenmarkt reagieren, und Grauvogl habe diese Hürden stets gemeistert und sich unermüdlich für die Hopfenwirtschaft eingesetzt, lobt der Verbandsvorsitzende Peter Hintermeier den Ex-Geschäftsführer. Aus Altersgründen dankte Grauvogl nun jedoch ab. Sein Nachfolger bei der in Pfaffenhofen beheimateten Gesellschaft (direkt im deutschen Hopfenparadies Hallertau) wird nun der Rechtsanwalt Korbinian Meier. Ob dessen Eltern bei der Wahl des Vornamens allerdings an den in Freising tätigen Heiligen dachten oder doch an dunklen Weizendoppelbock von Weihenstephan, bleibt Spekulation. Wir tippen mal auf den Heiligen aus dem Frankenreich, der auch Namenspatron für das Bier ist.

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Photo Credit: Tim Klöcker

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