Was gärt? #5 Mikkeller, Smuttynose, Brussels Beer Project, Löwenbräu und Brewbaker

Was gärt? #5 Mikkeller, Smuttynose, Brussels Beer Project, Löwenbräu und Brewbaker

In Belgien geht man mit dem Brussels Beer Project eine heilige Verbindung ein, während die Gerüchteküche des Jahres 2018 langsam in Schwung kommt. Gelingt Nordmann nach dem BrewDog-Deal der nächste Coup mit einem internationalen Star der Kreativbierszene? Kauft ein Bierriese Smuttynose Brewery? Oder wirft der neue Dompteur gar das Löwenbräu aus dem Löwenkäfig?

Hamburg Beer Company schnappt sich Mikkeller?

Gerade erst berichteten wir ausgiebig über die neue Importpartnerschaft von BrewDog und der Hamburg Beer Company. Schon schlägt die Nordmann-Tochter offenbar erneut zu. Gerüchten zufolge hat wohl auch Mikkeller keine Lust mehr aufs Nischendasein als Spezialitätenbier im Braufactum-Kühlschrank und zielt gemeinsam mit HBC auf breitere Verfügbarkeit.
Dies wäre ein herber Schlag für Braufactum, die Mikkeller ja als Ersatz für den Verlust der starken Brooklyn-Marke an Carlsberg ins Sortiment geholt hatten.

Mikkel Borg Bjergsø, der dänische Gründer der wohl erfolgreichsten Kuckucksbrauerei der Welt, zeigt damit dasselbe Verhalten wie BrewDog zuvor: erst die eigene Bar in Berlin, dann der Umstieg auf einen neuen Importeur mit der Absicht, die Supermarktregale zu stürmen. Ob es gelingt? Noch mehr als BrewDog setzt Mikkeller auf hochpreisige Spezialbiere und Sonderabfüllungen – ein wahrer Albtraum für den glatt gebügelten deutschen Biermarkt, in dem Vorhersehbarkeit und Reproduzierbarkeit das A und O sind. Auch hier ist die Vermutung demnach, dass bestimmte Sorten als Standards in deutsche Mehrweggebinde kommen, während die ausgefallenen Sachen weiterhin mit DPG-Einwegglaspfand in den Handel kommen.

Smuttynose kommt unter den Hammer

“Die Revolution frisst ihre Kinder”, ist so ein schön abgegriffener Satz, dass ihm schon eine Patina der Nichtinfragestellung anhängt. Doch der US-amerikanische Biermarkt im Kreativbier-Bereich ist mittlerweile ein hartes Pflaster, auf dem bei Problemen nur der Verkauf bleibt – entweder an einen Branchenriesen oder, wie im Falle der Smuttynose Brewery aus New Hampshire, bei einer Auktion. Fast ein Vierteljahrhundert hat die größte Kreativbier-Brauerei des Staates bereits auf dem Buckel, man sollte also von einer gefestigten Finanzbasis ausgehen. Doch die Boomzeiten sind vorbei, momentan boomen nur die Neueröffnungen von Brauereien, ohne dass sich der Absatzmarkt auch nur annähernd so rasant vergrößert hätte.
Zum Verkauf, so meldet der Boston Globe, steht die Marke, die Brauerei auf der historischen Towle Farm sowie das Hayseed Restaurant auf dem etwas über fünf Hektar großen Grundstück in Hampton. Eine kräftige Finanzspritze erhoffen sich die jetzigen Eigner, mit der Smuttynose nach 20 Jahren Wachstum die nun anstehende Dürrezeit überstehen kann. Fragt sich nur, woher die kommt.

Brussels Beer Project will Kirche retten

Kennen Sie das Brussels Beer Project? Die Brüsseler gehören zu der Art Brauer, die auch den schon sehr vielfältigen und experimentierfreudigen belgischen Biermarkt zu langweilig finden. Als eines der ersten Brauerei-Start-ups finanzierten Olivier de Brauwere und Sébastien Morvan sich 2013 via Crowdfunding und gestatten den Unterstützern im Gegenzug weitreichenden Einfluss auf die Rezepturen. Dadurch kommen so einzigartige Biere wie das Babylone, ein von mesopotamischem Brottrunk inspiriertes Bier mit modernen US-Hopfensorten, zustande.

Momentan folgen die Brüsseler dem Vorbild von BrewDog und eröffnen Taprooms. Den Filialen in Brüssel und Tokio gesellt sich gerade eine in Paris hinzu. Dabei lassen die Brüsseler jedoch nicht ihren Kiez aus den Augen. Um den Erhalt der Kirche Sainte-Catherine im Herzen Brüssels zu sichern, trat der junge Priester Jérémie Schaub an die Brauer heran. Das Ziel? Ein Bier zu brauen, um das bröckelnde Bauwerk zu retten. Ste. Kat heißt das Pale Ale, und die initialen 170 Hektoliter des Brussels Beer Project sind bereits verkauft. Den Brüsselern gefällt die Idee offenbar, beim Biertrinken Gutes zu tun. Kreativbier statt Kollekte, sozusagen.

Kein Löwenbräu im Löwenbräukeller?

Für Traditionalisten undenkbar, doch der historische Bau am Stiglmaierplatz, 1882 von Löwenbräu-Eigner und Brauer Ludwig Brey in Auftrag gegeben, könnte unter dem neuen Inhaber, Gastronom Edi Reinbold, eine andere Biermarke als Löwenbräu an die Hähne nehmen. Verhandlungen laufen wohl sowohl mit König Ludwig als auch Augustiner und Tegernseer.
Schuld ist angeblich einmal mehr Bierriese Anheuser Busch-InBev. Denn seit der Übernahme von Löwenbräu kümmere man sich dort nicht mehr sonderlich um seine Gastronomen, so behauptet der Merkur. Ob dem wirklich so ist, oder ob “kümmern” hier mit “finanziellen Zuwendungen” oder “kostenloser Zapfanlagenwartung” gleichgesetzt werden kann, wie in der Branche üblich, bleibt Spekulation. Dennoch, ulkig wäre es schon, wenn der Löwenbräukeller plötzlich König Ludwig ausschenken würde. Ob das Restaurant dann in Schwanenbräukeller umbenannt werden muss?

Brewbaker verkauft?

Nein, tut er nicht. Eines muss man Michael Schwab ja lassen: Ohne dass er groß auf die Pauke haut, entstehen ständig Gerüchte um den Berliner Kreativbrauer. So soll er einen Vortrag an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei gehalten haben, in welchem er die grundsätzlich geringe Wichtigkeit von Hygiene in der Brauerei betonte. Doch Schwab referierte zuletzt an der VLB, als er noch Student war. Da scheinen einige ein sehr gutes Gedächtnis zu haben.
Nun will er angeblich verkaufen. Das trifft jedoch (wenn überhaupt) nur auf einen seiner Gesellschafter zu, denn Schwab ist nicht alleiniger Inhaber von Brewbaker. Entsprechend ist der Brauer sogar hoffnungsfroh, dass mit einem neuen (zusätzlichen?) Investor der nächste Schritt in der Entwicklung der Brauerei gemacht werden kann. Tragische Komik hatte indes das Gerücht, Schwab sei im Januar an einem Herzinfarkt verstorben. Die entsprechende Nachricht bezog sich auf einen anderen Michael der Biergemeinde. Aufmerksames Lesen kann also unnötigen Beileidsbekundungen vorbeugen.

Credit: Tim Klöckner

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