Was gärt? #7 St. Erhard, Leffe & Ballast Point

Was gärt? #7 St. Erhard, Leffe & Ballast Point

Meine Güte! Da dachte man, der Winter ist vorbei und war auch nie so richtig da, und dann wird es plötzlich bitterkalt. Im Winter! Die Bierbranche hat’s wenig gestört. Quasi Eisbock frei Haus, und im Vergleich zu 2017 fließt es – 10% mehr Bier als im Vorjahr wurden bisher ausgestoßen. Ansonsten gibt es neue Designs bei St. Erhard in Bamberg, das Ende für ein Berliner Bierfest, AB-InBev steigt mit Leffe in den deutschen Markt ein, und eine südkalifornische Brauerei sorgt dafür, dass Donald Duck die Kehle beim Quaken nicht trocken wird.

 St. Erhard mit neuem Design

Eine Auszeichnung für ihr Packaging konnten die Biere der Marke St. Erhard aus Bamberg bereits 2014 mit dem German Design Award abgreifen. Die Flaschen, herausgebracht vom Bierothek-Gründer Christian Klemenz, verbanden Simplizität im Etikett und die Urigkeit der Steinie-Flasche mit Weißglas, um die Bernsteinfarbe des Bieres leuchten zu lassen. Was hierzulande Feinde des Lichtgeschmacks die Nase rümpfen lässt, findet offenbar gerade in Asien Anklang.

Doch getreu den Leitsätzen jeder Marketingagentur ist alle paar Jahre ein Redesign fällig, von dem von vier mittlerweile produzierten Biersorten nur das St. Erhard Original verschont bleibt. Das Konzept kommt aus Stockholm von Designer Perniclas Bedow, und nun zieren die braunen Flaschen weiße Etiketten mit Symbolen darauf, die scheinbar frisch aus dem Buchstabensalat gezogen wurden.

Der Simplizität bleibt man im Ausdruck ganz klar treu, der Lesbarkeit nicht unbedingt. Man entschied sich hier ganz klar für die Optik und gegen klar erkennbare Informationen auf dem Etikett, die entsprechend auf der Rückseite nachgereicht werden müssen.

Berliner Bierfestpioniere geben auf

Die Ungarn haben viel für die Berliner Bierwelt getan. Beispiele gefällig? Hopfenreich, IPA Bar, Badehaus & Café Szimpla, Braufest Berlin, Berlin Craft Beer Fest. Die verbindenden Figuren sind Attila Kiss, Daniel Barth und der Deutsche Mark Hinz, wenn auch nicht in jedem Projekt in dieser Konstellation.

Eines dieser Projekte findet nun offenbar sein Ende, denn Hinz stellte unlängst die Marke “Berlin Craft Beer Fest” frei für Interessierte. Wer also die Wort/Bildmarke haben möchte, kann sich an die Noch-Eigner wenden.

Zu verschenken wird sie nicht sein, gleichwohl die Reputation der initial sehr gut laufenden Feste (BCBF und Braufest) unter den misslungenen Vorstellungen der letzten zwei Jahre gelitten hat. Die Geschichte ist dabei altbekannt: Als das BCBF rund ums Badehaus Szimpla stattfand, waren die Gassen des Partygeländes RAW im Friedrichshain durch die Verbindung von Bierinteressierten und Partyvolk brechend voll, die Fässer leer, die Brauer happy.

Dann wollte man Wachstum, wollte 70+ Brauereien fürs Braufest, stieg auf ein System mit Eintritt und einem eingezäunten Bereich um. Dazu etwas schlechtes Wetter, ein Bankstreik, und fertig war der Misere-Cocktail. Ein gutes BCBF-Jahr im Juli 2016 wurde wiederum von einem schlechten Braufest im Herbst in den Schatten gestellt.

Zu viel für die engagierten Unternehmer. Die Marke Braufest verbleibt zunächst offenbar in ihren Händen, man möchte sich also auf die eine Veranstaltung konzentrieren. Doch was wird aus dem Berlin Craft Beer Fest? Es wäre doch gar zu ironisch, wenn nun ein Biergigant sich die Marke schnappen würde…

Leffe steigt ein in den deutschen Markt

Zu haben ist Leffe in Deutschland schon vereinzelt. Nun soll die AB-InBev-Tochter, die Biere im Stil der belgischen Klosterbrauereien produziert, richtig auf dem deutschen Biermarkt mitmischen.

Offenbar angetrieben von den steigenden Absatzzahlen im Premium- und Superpremiumsegment des sonst stagnierenden Biermarktes sieht der belgische Bierweltmarktführer Anheuser Busch-InBev nun die Zeit gekommen, eben dieses Segment in Deutschland zu bedienen. Der letzte Versuch mit den auf Craft Beer getrimmten Produkten von Beck’s machte auch eher den Eindruck einer Eintagsfliege.

Leffe hingegen hat vielerorts einen ausgezeichneten Ruf und stellt ein gutes “Brückenbier” dar, um vom klassischen Pils- oder Hellestrinker in die belgische Bierkultur einzusteigen. Die Standards, Leffe Blonde und Leffe Brune, sind intensiv, ohne offensiv zu sein, und eignen sich zu einer Vielzahl von Speisen.

Dies möchte  sich Leffe zunutze machen, und so wird man zur Einführung vermehrt eine Kombination von Schankwagen und Food Truck in deutschen Städten beobachten dürfen, wo die beiden Leffes mit passenden Häppchen der belgischen Küche angeboten werden.

Leffe bietet zudem weitere Sorten wie Tripel, Radieuse oder Vieille Cuvée, sowie eine Single Hop-Serie mit dem Namen Leffe Royale an. Ob und wie diese es in die deutschen Supermarktregale schaffen, hängt sicher vom Erfolg der beiden Standards ab.

Bier fürs Disneyland

Ballast Point, eine Brauerei aus San Diego, machte Schlagzeilen mit dem Verkauf an Constellation Brands (Corona, Modelo), der angeblich mit einer Milliarde US-Dollar zu Buche schlug.

Die neueste Nachricht wird einstigen Fans der Marke, die Aufgrund des Verkaufs abgesprungen sind, sicherlich weiteres Futter für Hasstiraden geben: Ballast Point goes Disney. Im Disneyland Resort, genauer im Downtown District des Vergnügungsparks in Anaheim, California, wird Ballast Point eine Versuchsbrauerei, einen Schankraum sowie ein modernes Restaurant mit lokaler Küche eröffnen.

Nachdem Disney sich also mit Star Wars die dunkle Seite der Macht ins Märchenschloss geholt hat, benutzen sie diese nun offenbar, um einst idealistische Bierbrauer in die finsteren Abgründe von Mickey Mouse Marketing zu ziehen.

Oder von der anderen Seite formuliert: Constellation Brands gelingt mit der Partnerschaft von Ballast Point und Disneyland ein ausgezeichnetes Product Placement an einer Prime Location. Die Besucher von Disneyland wird’s kaum stören.

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Photo Credit: Tim Klöcker für Bier, Bars & Brauer

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