Was gärt?! #8 Bier wird teurer, Biererei Bar, Zwönitzer Einhorn-Affäre, genmanipulierte Hefe

Was gärt?! #8 Bier wird teurer, Biererei Bar, Zwönitzer Einhorn-Affäre, genmanipulierte Hefe

Bier wird teurer! Nein, ausnahmsweise geht es mal nicht um die nächste Limited Collab Sellerie-Haselnussrauch Imperial Gose aus dem Mezcal-Fass, sondern ums stinknormale Supermarktbier. Da kommt die Meldung, dass Hefe Hopfenaromen erzeugen kann, doch gerade recht, um an Rohstoffen zu sparen. Ansonsten gibt es kein Einhorn mehr in Zwönitz, aber eine Bierbar mehr in Kreuzberg.

Preisoffensive der deutschen Brauereien

Es wurde aber auch Zeit! Fast uniform (böse Zungen würden “koordiniert” sagen) haben die deutschen Großbrauereien im ersten Quartal die Bierpreise erhöht, meldet die Welt. Konsumenten dürfen sich auf ungefähr einen Euro pro Kasten mehr einrichten. Diesen Anstieg tragen sowohl die beiden erfolgreichsten Bierkonzerne, Radeberger und Bitburger, mit vielen ihrer Marken, als auch der Marktführer im Bereich Pilsener Lager, Krombacher.

Die Wut der Schnäppchenjäger ist ihnen gewiss, auch wenn es seit zehn Jahren keine solche Erhöhung gab.
Damit reagiert die deutsche Bierindustrie auf gestiegene Produktionskosten allgemein, egal ob diese aus dem Bereich Logistik, Personalkosten oder Rohstoffe kommen. Außerdem wird damit auf das veränderte Trinkverhalten eingegangen. Dem sinkenden Bierkonsum kann man mit Rabatten nicht mehr beikommen, denn offenbar trinken die Leute dadurch nicht mehr, sie bezahlen nur weniger für dieselbe Menge. Dass sich so auf Dauer nicht wirtschaften lässt, leuchtet ein.
Nicht mit an Bord ist Warsteiner. Hier hofft man offenbar, mit stabilen Niedrigpreisen den Niedergang des einstigen Marktführers aufzuhalten und über den Preisanstieg verärgerte Kunden der anderen Marken zu bekehren.

 

Biererei Bar & Bierkeller

Die Biererei in Berlin-Kreuzberg hat vieles richtig gemacht. Neben einer überzeugenden Bierauswahl und Growler-Füllstation ist man quasi gegenüber vom SO36 an einer wunderbaren Stelle mitten im lebhaften Zentrum Kreuzbergs.

Warum aber an dieser Stelle aufhören? Mit dem Bottle Shop im Rücken wagt sich Cihan Çağlar in die wilde Gastro-Szene der Hauptstadt und eröffnete am 16. März die Biererei Bar & Vintage Cellar in der Oranienstraße 185, nur wenige Meter vom Laden entfernt. Mit 20 Hähnen ist die Biererei Bar nicht der erste Pilgerort für Liebhaber der Biervielfalt in Kreuzberg, schließlich ist man dort mit Hopfenreich, John Muir Bar, Bierkombinat und Heidenpeters in der Markthalle 9 gut versorgt, doch gerade die Partymeile zwischen “Görli” und “Kotti” war bisher noch unterhopft. Das soll sich jetzt ändern. Es wird spannend sein, zu beobachten, wie sich die Preisstruktur der kreativen Gebräue in der Späti-Bierkultur der Gegend durchsetzt.

Die Zwönitzer Einhorn-Affäre

Die Zwönitzer Brauerei aus dem Erzgebirge hat offenbar gut zugeschaut bei Neuzeller Klosterbräu, AleMania, BrewDog, Camba und Co.: Kommst Du in Konflikt mit dem Gesetz, mach Marketing! Denn der Kampf der kleinen Handwerksbrauerei gegen das Establishment, gegen die angestaubten Regeln und die Macht der Großen, lässt sich immer verkaufen, ob gezielt oder ohne eigenes Zutun.

Dieses gab es im Falle von Zwönitzer definitiv. Doch auf Anfang: Im lauschigen Zwönitz im Erzgebirge IPA und Fassreifung zu etablieren ist mit Sicherheit keine leichte Aufgabe. Auf der Suche nach einem Aufhänger besann man sich auf die Tugendhaftigkeit des Einhorns. Da dieses sich so ein wenig zu einer Internet-Ikone entwickelt (Unicorn & Mermaid Fitness Week – ja, sowas gibt es) und sich neben dem fliegenden Spaghetti-Monster sogar zu einem Sinnbild der Atheisten gemausert hat (in seiner unsichtbaren rosa Form), lag ein Einhorn-Bier nahe.

So ein Einhorn-Bier musste natürlich auch rosarot sein, was man via Himbeersirup erreichte. Daraufhin meldete sich das Gesetz und beanstandete die Benennung weil – Achtung, Witz! – keine Einhörner enthalten seien. Dies suggerierte zumindest die Brauerei. Tatsächlich richtete sich der Einspruch natürlich gegen das Wort “Bier” auf dem Etikett eines Biermischgetränks. Da hierfür klare Richtlinien existieren, beißt die Maus keinen Faden ab, liebe Zwönitzer! Im Odin-Trunk sind auch keine skandinavischen Götterväter drin, wohl aber mit Honig vermischtes Bier. Wie wäre es denn mit “Einhorntränen?”  Ach nein, das ist ein Gin-Likör. Zu dumm.

Genmanipulierte Hefe ersetzt Hopfen

Hopfenbauern in Deutschland haben es gerade nicht leicht. Jahrelang konnten sie der boomenden US-Bierbranche eigentlich alles verkaufen, was sie vor Ort nicht loswerden konnten. Dann kamen schlechte Ernten, dann zeigte die rapide Expansion der Anbauflächen in den USA Wirkung. Yakima Valley und Co. überschwemmen den US-Markt, und was sie nicht loswerden, verscherbeln sie in Deutschland für Spottpreise.

Und jetzt auch noch das: Biotechnologen an der University of California in Berkeley haben Hefe genetisch so manipuliert, dass sie das Hopfenaroma von sich aus mitbringt, meldet der Spiegel. Wie das? Die Forscher Jay Keasling und Charles Denby schleusten Gene ein, welche die Informationen zur Bildung bestimmter Proteine tragen, über die letztlich in mehreren Stoffwechselschritten Linalool und Geraniol produziert werden. Abgeschaut haben sie sich das bei Wasserminze und Basilikum, welche diese Stoffe in besonderer Intensität produzieren. Beide Stoffe sind wichtige Bestandteile der Zusammensetzung der ätherischen Öle im Hopfen, die für das geliebte Aroma sorgen. Linalool gilt dabei als ein “Leitstoff”, da der Terpenalkohol sich recht gut nachweisen lässt.

Doch da liegt auch der Hase im Pfeffer: Über 300 ätherische Öle wurden im Hopfen bereits als relevant identifiziert. Wie genau diese über den gesamten Brauprozess hinweg jedoch in das finale Aroma im Bier umgewandelt werden, ist deutlich weniger erforscht, und viele davon sind weitaus schwieriger zu detektieren als Linalool.

Während also ein gewisses Grundaroma sich sicherlich über die genmanipulierte Hefe herstellen lässt, ist es unwahrscheinlich, dass ein einziger Hefestamm einst die komplette Fülle einer Aromahopfung ausfüllen kann.
Die Forscher haben auf jeden Fall bereits eine Firma gegründet, um die Hefe zu vermarkten. Doch in einer Branche, in der “Gentechnik” ein ziemlich fieses Schimpfwort ist, werden wohl überwiegend Großbrauer Interesse daran haben, Hopfenkosten auf diese Weise zu senken.

Photo Credits: Harry Batafuko

 

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