Was gärt? XIV – Stilkompetenz bei Bier, Bandbiere, Scheidung bei Stone & NOFX, Namensrechtsstreit bei Hofbräu

Was gärt? XIV – Stilkompetenz bei Bier, Bandbiere, Scheidung bei Stone & NOFX, Namensrechtsstreit bei Hofbräu

Diesmal wird es bei Was gärt? etwas kommentarlastiger. Es geht um Bierstilistik, um große Bands wie Iron Maiden und Queen, die unbedingt eigene Biere haben müssen, und um nicht ganz so große Bands wie NOFX, die ihr Punk in Drublic-Bier nicht mehr von Stone bekommen. Hofbräu hingegen hätte seinen Namen gern aus Aschersleben zurück.

Probieren geht über …

Es ist noch gar nicht so lange her, da schnappte sich ein Quack Doctor … Verzeihung, der Düsseldorfer Professor Helmut Quack 50 gestandene Kölner und Düsseldorfer und ließ sie im Blindtest Bier testen. Kölsch und Alt. Zur Rekapitulation: Die Quote der korrekten Stilerkennung lag bei ca. 50%, also Zufall. Fazit: Alles Lokalpatriotismus und Markenbewusstsein. Sind Marke und Farbe des Bieres nicht sichtbar, erkennt Otto Normalbiertrinker nicht einmal den Unterschied zwischen einem Öbergärigen mit dunklen Malzen und einem ohne.

In eine ähnliche Kerbe schlägt das Költ, die Verbindung beider Bierstile. Tatsächlich legen Hans Berlin und Matthias Ross viel Wert auf die richtige Farbgebung, eben Bernstein zwischen Kölsch und Alt. Die beiden haben Design in Düsseldorf studiert und verschreiben sich nun der rheinischen Völkerverständigung. Da man mit Abschluss in Design nicht zwangsläufig zum Brauer taugt, suchte man sich einen solchen, und fand ihn in Henning Barkey, der in Monheim, zwischen den Streithahnstädten gelegen, sowohl Kölsch als auch Alt produziert, nun beides in einem Bier. Die Starnextkampagne mit 20.000 gewünschten Euronen war erfolgreich.

Warum erzähle ich jetzt diese ollen Kamellen aus dem letzten Jahr? Um demagogisch Bierstildenken aufzuweichen. Bierstile haben überwiegend zwei Funktionen: Orientierung für den Kunden und Bewertungsrichtlinien bei Bierwettbewerben. Denn die Stildiskussion flammt auch bei jedem Taste Forum für die Druckversionen von Mixology oder Bier Bars & Brauer auf. Ist dieses Bier stilgetreu? Gehört jenes abgewertet, weil es zu sehr den Erwartungen des Kunden widerspricht?

Wie so manches Farbebier beweist, besteht der Unterschied zwischen Schwarzbier und Export manchmal in ein paar Tropfen Malztinte. Wie Schlenkerla und österreichische Märzen zeigen, bewegt man sich hier zwischen dunklem, flüssigem Räucherschinken und dem, was nördlich der Alpen als Helles bezeichnet werden würde. Dennoch steht in beiden Fällen „Märzen“ auf dem Etikett. Nur Durchprobieren erzeugt Stilkompetenz. Wer das scheut, kann natürlich auch mit einem Lieblingsbier glücklich werden. Nur halt nicht kompetent.

Punk in Drublic, Beer in Trouble

Gleich das nächste Plädoyer. Mit einer einfachen Frage: Muss denn wirklich JEDE Rock- oder Metalband ihr eigenes Bier brauen? Als Iron Maiden 2013 mit dem Trooper starteten, war das Ganze ja noch halbwegs innovativ, zumal man sich mit der Robinson Brewery einen kompetenten Partner für traditionelle, englische Ales suchte. Auch The Hansons brachten mit ihrem amerikanischen IPA MmmHop ein Lächeln auf die Züge der 90er-Nostalgiker. Danach folgten AC/DC (von der deutschen Karlsberg-Brauerei), Queen (natürlich Bohemian Lager, gebraut bei Pivovary Lobkowicz in Böhmen), Motörhead (Bastards Lager), Kiss (Destroyer), Pearl Jam (Faithfull Ale) und auch die Dänen von Volbeat, welche ihr hopfengestopftes Pilsener bei Ratsherrn in Hamburg produzieren lassen.

Irgendwann ist es doch auch mal gut, zumal der Großteil der Biere einfach nur (Pilsener) Lager sind. Innovation sieht anders aus, Kohle mit alkoholischem Merchandise verdienen hingegen genau so. Das es auch anders geht, zeigen Biere wie das „Permanent Funeral“, gebraut von der berühmten Bierschmiede Three Floyds für die Band Pig Destroyer. 10,5% Umdrehungen und Hopfen bis zum Abwinken in einem Double IPA, das begeistert. Festivaltauglich eher nicht, aber da haben beim Sponsoring für gewöhnlich eh große Marken die Hand drauf.

Zwist zwischen Stone und NOFX

Wir bleiben beim Thema Bier, Brauereien und Konzerte. Stone Brewing ist/war in den USA der Veranstalter des Punk in Drublic-Festivals, gemeinsam mit der Punkrock-Band NOFX, deren wohl berühmtestes Album diesen Namen trägt. Es versteht sich von selbst, dass Stone dafür auch ein Bier (ein hopfengestopftes Lager) mit dem Namen Punk in Drublic herstellte. Das Festival bringt Bands wie Lagwagon, Bad Religion und andere Größen der Punkwelt zusammen.

Leider machten die NOFX-Mitglieder unlängst bei einem Konzert ein paar dumme Scherze im Bezug auf das Massaker in Vegas. Stone reagierte prompt und kündigte die Zusammenarbeit sowie die Herstellung des Bieres. Typisch Stone und typisch kompromisslos. Allerdings auch etwas vorschnell, denn die Band entschuldigte sich schon kurze Zeit später für die Äußerungen. Professionelle Bands stehen andauernd auf der Bühne. Nicht jede Show ist pures Gold, und manchmal erzählt man Mist, weil man nicht weiß, was man sonst erzählen soll. Den Opfern gegenüber respektlos waren die Äußerungen natürlich, aber NOFX ist auch weithin berühmt dafür, nicht zu wissen, wann man besser den Mund hält.

Was betrifft uns das hier? Punk in Drublic wurde gerade erst nach Europa gebracht, als Tour durch mehrere deutsche Städte. Seltsamerweise fahren die Veranstaltungen hier, bei denen NOFX auch auf der Bühne stehen werden, fort, wahrscheinlich, weil der Ball einfach schon zu schnell rollt. Gewisse Kompromisse kennt man bei Stone also doch, und wenn es nur die lokale Dependance ist.

Hofbräu gewinnt Namensrechtsstreit in 10 Minuten

Das staatliche Hofbräuhaus München ist eine Institution, deren Name inzwischen eine Franchise. Der ein oder andere nicht so ganz legale Franchisenehmer ist auch mit dabei. Fünf Jahre lang führte der Briefkrieg mit dem Ascherslebener Hofbräu aus Sachsen-Anhalt zu keinem Ergebnis, nun hat das Münchener Landgericht in einer spektakulär kurzen Verhandlung nach nicht einmal einer Viertelstunde dem Original Recht gegeben. Wer den Schriftzug Hofbräu prominent und verkaufsfördernd aufs Etikett knallt, kann sich aber auch nicht wirklich beschweren.

Der Hof, um den es in Aschersleben geht, ist dabei der Graue Hof, ein geschichtsträchtiges Gebäude, das 1309 von Graf Otto II. ans Kloster Michaelstein überantwortet wurde. Doch nicht mit jedem Hof kann man den Münchenern den Hof(bräu) machen, zumal das Bier nicht vor Ort, sondern zwischen Halle und Leipzig auftragsgebraut wird.
Entsprechend erschienen die Angeklagten gar nicht erst vor Gericht, man sparte sich ob der Aussichtslosigkeit die Reisekosten. Auf 20.000 Euro Prozesskosten bleibt der Träger des Anwesens, der Ascherslebener Kunst- und Kulturverein, vermutlich trotzdem sitzen, so die Gastwirtschaft nicht eine separate Entität war. Hoffentlich sind die Taschen tief genug, denn wenn das gesamte Projekt wegen solch eines dummen Fehlers nun zum Scheitern verurteilt ist, wäre das wahrlich bedauerlich.

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Photo Credit: Shutterstock

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