Was gärt?! #9 Zoigl, japanische Biersteuerreform, BrewDog expandiert, Green Flash Brewing Company in trouble

Was gärt?! #9 Zoigl, japanische Biersteuerreform, BrewDog expandiert, Green Flash Brewing Company in trouble

BrewDog hat weiter Appetit: Der Kreativbier-Riese übernimmt Draft House und expandiert weiter. In die entgegen gesetzte Richtung geht es hingegen für einen US-Kreativbier-Pionier: Die kalifornische Green Flash Brewing Company ist in Nöten und muss um ihr Bestehen fürchten. Das muss der Brauch des Zoiglbrauens hingegen nicht: Das oberpfälzische Brauverfahren wurde in die Liste des immateriellen Kulturerbes von Bayern aufgenommen.

Zoigl-Bierbrauhandwerk wird Kulturerbe

Der Zoigl-Begriff ist ja so ein wenig wie mit der Craft Beer-Begriff, nur halt unter Bierkennern anstatt unter Laien: Es hört sich gut an, man unterstreicht seinen Expertenstatus, aber so richtig klar ist es eigentlich nicht, wovon man da redet.

Also zunächst den Erklärbär aus dem Gehege geholt: Unter Zoigl versteht man in der Oberpfalz und benachbarten Gebieten ein üblicherweise untergäriges, unfiltriertes und ungespundetes Bier. Darüber hinaus handelt es sich eher um ein Verfahren denn einen Bierstil, denn Zoigl-Bier kann hell oder dunkel, schwach oder stark sein. Normalerweise handelt es sich um ein Vollbier.

Zum Zoiglbrauen versammeln sich mehrere Leute in einem kommunalen Brauhaus und fertigen einen Sud an (Höre ich da ein leises “Collaboration Brew”?). Die entstandene Würze (Bier nach dem Kochen, aber vor der Gärung) wird auf verschiedene Wirte verteilt, die sich selbst mit eigenen Hefestämmen bei sich im Hause um die Vergärung kümmern. Die Verfügbarkeit eines solchen Bieres im Ausschank wird mit Reisigbesen oder Brauerstern (sieht aus wie ein Davidstern) an der Gastronomie angezeigt.

Diese Praxis des oberpfälzischen Collaboration Brewings (Zoiglbrauen) wurde nun in die Liste immateriellen Kulturerbes in Bayern aufgenommen. Eine bundesweite Nominierung steht hingegen noch nicht an. Dies wäre eine Voraussetzung für eine Bewerbung zum UNESCO-Kulturerbe, welches sich die belgische Bierkultur ja bereits gesichert hat. Eintragungen auf diesen Listen bedeuten, dass die jeweilige Kultur als schützenswert eingestuft wird und Mittel zu ihrem Erhalt bereitgestellt werden. UNESCO-Funding für traditionelle Gemeinschaftssude? Da horcht der Wanderbrauer auf …

Biersteuerreform in Japan

Three Tier System kennen Bierfans wahrscheinlich aus dem Vertriebsbereich in den USA. Doch auch Japan verfügt über ein Dreistufensystem im Bierbereich, und zwar bei der Besteuerung. Die drei Klassen sind Bīru, Happoshu und dai-san no bīru, quasi “drittes Bier”. Die Steuerlast ist in der genannten Folge absteigend, hat jedoch auch geschmackliche und qualitative Auswirkungen.

In der obersten Stufe finden sich “richtige” Biere, die mit mindestens 67% Getreidemalzanteil gebraut sind. Dem hiesigen Konsumenten mutet dies meist etwas befremdlich an, bedeutet es doch, dass auch in dieser höchsten Kategorie bei weitem nicht alle Biere hierzulande als Bier durchgehen würden. Doch gerade die Verwendung von Reis ist gleichzeitig günstiger, für den japanischen Markt logisch und kann bei richtigem Einsatz einen schlankeren Körper ins Bier zaubern.

Happoshu ist eine relativ breite Kategorie. Hier finden sich Light-Biere, Biermischgetränke und interessanterweise auch teure, importierte Bierspezialitäten, die nicht den reinheitsgebotsartigen Zutatenvorschriften entsprechen. Ursprünglich umfasste diese Kategorie einen Malzgehalt von 25 bis 67%, doch heutzutage finden sich viele Happoshu auch unterhalb dieser Grenze wieder. Sie bezeichnen sich zwar immer noch als solche, fallen aber steuertechnisch in die unterste Kategorie. Das dritte Bier besteht überwiegend aus alternativen Zutaten wie z.B. Erbsen oder Soyabohnen, oder aber es werden Spirituosen und Liköre mit Happoshu-Getränken vermischt.
Nun soll die oberste Kategorie erweitert, der erforderliche Malzanteil dafür auf 50% gesenkt werden. Das Ziel ist klar: mehr Steuereinnahmen aus dem bisherigen Happoshu-Bereich. Letztlich werden sich Asahi, Suntory, Sapporo, Kirin und Co. aber, wie bisher stets, diesen Regelungen anpassen und dies auch mit dem Malzgehalt tun. Sowohl steuerlich als auch für die Bierkultur also eine fragwürdige Entscheidung, die preissensible Konsumenten klar in Richtung der Billigprodukte drückt.

BrewDog kauft Draft House

Um seine Präsenz auf dem wichtigen Londoner Markt zu stärken, hat BrewDog nun den direkten Konkurrenten Draft House für eine unbekannte Summe aufgekauft. Damit kommen zu 8 Bars im inneren Stadtbereich nun satte 13 Draft Houses in London und eine in Milton Keynes hinzu. Draft House wird dennoch als eigene Marke bestehen bleiben, die Bars werden also nicht zu BrewDog-Bars umgemodelt. Einige Veränderungen wird es hingegen schon geben, denn bei der Bierauswahl zeigte sich Draft House bisher auch Großbrauereien gegenüber hin und wieder offen, während BrewDog hier klar seine Betonung auf unabhängige Brauereien durchsetzen wird.
Die 213 Angestellten von Draft House sollen übernommen werden, auch die typischen BrewDog-Schulungen zum Cicerone (vergleichbar dem Biersommelier, aber tatsächlich gastronomieorientiert) werden angeboten.
Zusammen mit der weltweiten Bareröffnungswelle, die auch Deutschland zu weiteren BrewDog-Bars führen wird, Plänen für Brauereien in China und Australien, dem ersten Craft Beer-Hotel der Welt in den USA und dem Drang in die Supermärkte ergibt sich ein klares Bild: BrewDog ist nicht nur auf dem Weg zu einer Großbrauerei, sondern auch zu einem Gastro-Riesen – und das weltweit.

Over in a Green Flash

Neben Ballast Point und Stone Brewing ist die Green Flash Brewing Company mit Sicherheit eine Ikone der Bierrevolution in Kaliforniens zweitgrößter Stadt.
Doch während die zuerst genannten Brauereien Lösungen für die Craft-Krise in den USA gefunden haben (Verkauf im Falle von Ballast Point und internationale Expansion im Falle von Stone), reiht Green Flash sich nun in die lange Schlange von Brauereien in Nöten in den USA ein.

Die Comerica Bank, Hauptgeldquelle und größter Anteilsinhaber der Green Flash Brewing Inc., hat seine Anteile in die Zwangsvollstreckung gegeben und an eine Risikomanagement-Firma in Michigan verkauft. Diese Firma mit dem ungewöhnlich passenden Namen WC IPA LCC fackelte nicht lange und übernimmt nunmehr Green Flash. An der Westküste der USA wird die Firma wohl erhalten bleiben, mit deutlichen, personellen Veränderungen. Für die Ostküsten-Objekte sieht es hingegen eher schlecht aus.

Auf jeden Fall dürfte es mit dem Independent Craft-Logo vorbei sein für Green Flash. Ich werde meine zwei Flaschen wohl noch etwas länger im Keller lassen. Wertsteigerung möglich …

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Photo Credit: Zoiglbier

 

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