Zu Besuch in der De Koninck-Brauerei

Zu Besuch in der De Koninck-Brauerei

Wer durch Antwerpen schlendert und sich wundert, dass auch hier Berliner Weisse getrunken wird, hat es glasklar mit einem Bolleke zu tun – der traditionellen Schale für ein Bolleke-Bier aus dem Hause De Koninck. Zeit für einen Besuch in der Brauerei.

Antwerpen ist eine großartige Bierstadt und verkörpert den kraftvollen Schlag des brauverliebten Herzen Flanderns. Die klassischen Cafés und Kneipen mit einem herrlichen Biersortiment von Lambic bis Trappist laden zu eigentlich jeder Zeit zum Verweilen ein – insbesondere die zugleich skurril und großartig anmutende Kneipe Kulminator mit einer der faszinierendsten Bierkarten der Welt. Erst kürzlich wurde hier eine historische Bierrezeptur wiederentdeckt und neu belebt: das Seef-Bier mit komplexen Hefearomen.

Außerdem bereichernd für die Antwerpener Bierkultur ist das jährliche Bollekesfeest im Sommer. Das große Volksfest findet 2018 vom 18. Bis 19. August statt und verdankt seinen Namen dem bernsteinfarbenen Bolleke-Bier, das seit dem Gründungsjahr 1833 von der Brauerei De Koninck gebraut wird. Serviert wird das Bier in der typischen Schale – dem Bolleke – die einem Berliner Weisse Gefäß gleicht.

Der Name der Traditionsbrauerei geht auf den Initiator Joseph Henricus De Koninck zurück, dessen Nachfolger einen Gasthof in eine Brauerei wandelte, die ursprünglich „De Hand“ hieß. Auf einem Grenzmarkierungsstein am Gründungsort war eine Hand abgebildet, die heute noch zu den Brauereisymbolen zählt. Der heutige Name wird seit 1912 angewendet.

de koninck: Es liegt auf der Hand

Die Familienbrauerei gehört seit 2010 zur Duvel Moortgat Gruppe, wird aber als eigenständige Marke weiter betreiben.

2015 entstand ein neues, sehr modernes und ungemein sehenswertes Besucherzentrum. Wer von so manch bewährter deutscher Traditionsbrauerei eine burschikose Führung mit kratzigen Tonbändern, ungelenken Figurenpuppen und angestaubten Holzbottichen gewohnt ist, wird hier aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. De Koninck repräsentiert hier nicht nur eine Brauerei, sondern auch ein Stück Antwerpener Stadtgeschichte.

Das sieht man bereits an der berühmten Hand, die auch im Wappen der Hauptstadt Flanders erscheint. „Hand werfen“ leitet sich gemäß der Sage der Name der bedeutenden Hafenstadt her. Ein finsterer Riese namens Druon Antigon verlangte Wegzoll von den Schiffern auf der Schelde. Konnten diese die geforderte Summe nicht entrichten, so hackte der Riese ihnen die Rechte Hand ab. Besigt wird der Riese dann von dem wackeren Silvius Brabo, der dann wiederum dem Riesen die Hand abhackt und in den Fluss wirft.

Die Hand bleibt auch während des Brauereirundgangs stets präsent und weist den Weg, wohin die Tour als nächstes führt. Der Eingang in das Besucherzentrum führt durch einen Überseecontainer. Bezüge zur Stadt Antwerpen, die den zweitgrößten Hafen Europas besitzt, sind allgegenwärtig. Bevor mit möglicher Handabhackung gedroht wird, sind 12 Euro zu entrichten. In diesem Eintrittspreis inbegriffen ist ein Brauereibesuch, auch mit mehrsprachigem Sprachsystem innerhalb der Ausstellungsräume, und eine Verkostung der aktuellen De Koninck Biere am Ende der Tour. Insgesamt, also mit Verkostung, sollte der Besucher eine Verweildauer von 70 bis 90 Minuten einplanen, je nachdem, wie gemütlich man die Verkostung vollzieht.

Multi-Genuss-Media-Konzept 

De Koninck kalkuliert mit einem Besucheraufkommen von 100.000 Menschen im Jahr. Und das hat seine Gründe. Das Erlebnis hier ist tatsächlich auffallend vielschichtig. Wie so oft kommt erst die Bildung, dann der Genuss.

Viele Grundlagen zum Brauerhandwerk und den Abläufen innerhalb des Hauses werden interaktiv mit Multimedia in stimmungsvollen Räumen aufbereitet. Der Flaschenabfüllung kann man auf einem Monitor beiwohnen, während Bässe den Boden vibrieren lassen, um das Erlebnis sinnlicher zu gestalten. Die Wände eines weiteren Raumes sind als Bildergalerie gestaltet, auf denen die Generationen der Betreiberfamilien zu sehen sind. Tatsächlich sind es Bildschirme und die historischen Gestalten werden plötzlich lebendig und berichten aus ihrer jeweiligen Epoche. Es gibt einen historischen Schankraum, und unternehmungslustige Gäste können die Fahrt mit einem Bierfuhrwerk oder das Schleppen von Fässern hautnah erleben.

Ein paar Schritte weiter findet man sich in einer riesigen Halle wieder, die sich als vielfältige gläserne Manufaktur entpuppt. Weitere Genussmarken sind hier einquartiert und fertigen feinste Pralinen, Schokolade oder Käse. Spezielle Veranstaltungen beziehen die Produkte in den Biergenuss im Rahmen von Pairing-Verkostungen ein. Künstlerische Gestaltung, interaktive High-Tech-Spielereien und ein Angebot, aus dem sich jeder Besucher das passende heraussuchen kann, sorgen für ein vielschichtiges Erlebnis.

Verkosten, aber reichlich

Am Ende der Tour gelangen die Besucher in eine historische Halle, die zu einem gemütlichen Schankraum auf mehreren Etagen umgestaltet wurde. Nun erhält der Gast ein Brettchen mit Einkerbungen, einer Malerpalette nicht unähnlich. Am Tresen können nun die drei Hauptbier von De Koninck abgeholt werden: Das Bolleke, Wild Jo und Triple D’Anvers. Die Zapfer hängen die kleinen Gläser in die Palette ein.

Der Raum ist einladend und hübsch. Wer länger verweilen möchte, kann an den verschiedenen Tresen auch weitere Biere der Duvel Moortgat Gruppe verkosten, wie beispielsweise Vedett, Duvel, La Chouffe, Maredsous oder die Fruchtlambics von Liefmans.

Wer Antwerpen besucht, sollte sich die Brauerei Tour bei De Koninck keinesfalls entgehen lassen: so geht Brauereiführung heute. Beeindruckend und sympathisch. Auch barrierefrei möglich

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Photo Credit: Peter Eichhorn

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