Weiter Wirbel um AB InBev

Weiter Wirbel um AB InBev

Um AB InBev, den weltgrößten Bierkonzern, wird es nicht ruhiger. In Deutschland steht der Verkauf von zwei Traditionsmarken an. Außerdem wird mit Getränkehändlern hart um Konditionen gefeilscht. Dirk Hoplitschek mit einem Überblick.

Es rumort im größten Sudhaus der Welt, oder zumindest in der deutschen Würzpfanne von AB Inbev. Das Unternehmen, seines Zeichens globaler Branchenprimus im Bierbereich, hat momentan keinen leichten Stand auf dem deutschen Markt, trotz weithin bekannter Marken wie Beck’s, Franziskaner, Löwenbräu, Spaten, Diebels und (noch) Hasseröder. Die Konsequenz sind immer wieder Verhandlungen mit harten Bandagen und am Rande (oder jenseits) der Legalität.

An Preisabsprachen hinter den Kulissen zweifelt nach dem Urteil des Bundeskartellamtes ohnehin niemand mehr. Dabei war die Absicht hinter den sogenannten „vertikalen Absprachen“ (zwischen Händler und Verkäufer), die zwischen 2006 und 2009 stattfanden, eigentlich dem deutschen Biermarkt gar nicht ausschließlich abträglich: Edeka, Rewe, Netto, Kaufland und Getränkegroßhandel A. Kempf koordinierten mit AB InBev flächendeckend Preiserhöhungen, um einen Preiskampf zwischen den Beteiligten zu verhindern.

Nutznießer von Preiskämpfen ist, sehr kurzfristig, natürlich der Verbraucher; langfristig sollte sich jedoch niemand vorgaukeln, dass Preisdumping nicht letztlich auch negativ beim Endkonsumenten ankommt – in Form schlechterer Produkte. Stabile Preise und eine regelmäßige Erhöhung auf ein faires Niveau würden für Sicherheit in der Brauwirtschaft sorgen, geschähe es bundesweit. Natürlich sollen damit die kriminellen Machenschaften nicht entschuldigt werden, teilten doch AB InBev und die Handelsketten die Zugewinne im Verhältnis 60 zu 40 unter sich auf.

Hasseröder schon im Schaufenster?

Wie wir in der Kolumne „Bier, Bars und Brauer“ auf Mixology Online bereits im Mai berichteten, gestalten sich die Preisneuverhandlungen zwischen den ehemaligen Konspirateuren AB InBev und Edeka momentan nicht gerade einfach. Anfang Juni ließen wir dann durchblicken, dass man über einen Verkauf von Hasseröder nachdenkt. Die Formulierung von AB InBev-Sprecher Oliver Bartelt, dass man bei Interesse und guten Plänen für Standort und Marke „sicher Gespräche führen“ würde, ist bei den üblicherweise vorsichtig formulierten Aussagen des Bierriesen fast so gut wie eine offizielle Bestätigung der Verkaufsabsichten.

Einen Käufer hat man indes noch nicht. Vielleicht liegt das am sinkenden Absatz der Brauerei, die momentan jedes Jahr ca. 100.000 hl weniger ausstößt, oder daran, dass 70% des Bieres über Rabattaktionen verkauft wird. Da erscheinen Preisabsprachen geradezu folgerichtig.

Frist(l)os gekündigt – Getränkehändler listet AB InBev aus

In eine ähnliche Kerbe schlagen nun die Nachrichten aus dem Süden Deutschlands: Der Getränkefachgroßhandel Fristo, mit 220 Filialen beileibe kein Kleiner in München und darüber hinaus, hat die Produkte von AB InBev ausgelistet. Die Begründung, man ahnt es schon, ist laut einem Flugblatt, das in Fristo-Ketten auslag, dass AB InBev „die Gewährung von Einkaufskonditionen von der Einhaltung bestimmter Preisvorgaben abhängig gemacht“ habe. So nachzulesen in der Münchener tz. Diesmal jedoch dreht sich der Preiskreisel andersherum, denn was AB InBev laut Fristo-Inhaber Andreas Brügel wollte, waren Preisobergrenzen für Aktionsware. Kurz gesagt – Preisdumping, das Fristo für unwirtschaftlich erachtet.

Nun seien die Preise für AB InBev-Produkte jedoch für Fristo plötzlich so gestiegen, dass diese nicht mehr konkurrenzfähig verkauft werden könnten. Illegal ist das nicht, der Samthandschuh der Verhandlungskunst aber sicherlich ebenso wenig. „Unterschiedliche Vorstellungen über die Konditionen der Zusammenarbeit“ ist dafür der Euphemismus der Stunde. Zu zynisch? Die vertikalen Absprachen hatten AB InBev und die Supermarktketten seinerzeit als „Preispflege“ bezeichnet.

Fristo möchte nun mit regionalen Marken aufstocken – für den Getränkefachgroßhandel ohnehin das lohnendere Geschäft, da man die Preise der Supermärkte für große Marken selten mitgehen kann. Ob man auf das Angebot seitens AB InBev, die Gespräche fortzuführen, eingehen wird, wird sich zeigen. Voraussetzung dafür wäre, dass die Flugblätter verschwinden, denn die dort enthaltenen  Aussagen hält AB InBev für unhaltbar.

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