Was gärt? XVII Gutes Image bei Augustiner, Heineken kauft sich in China ein und die Sinnhaftigkeit von Studien und Kühlketten

Was gärt? XVII Gutes Image bei Augustiner, Heineken kauft sich in China ein und die Sinnhaftigkeit von Studien und Kühlketten

Wir brüten und braten weiter vor uns hin, auch über die seltsamen Blüten, welche die Bierwelt manchmal treibt, wie Sinnlos-Studien über den Alkoholkonsum oder Kühlketten bis nach China. Dort erwirbt Heineken Minderheitsanteile am meist getrunkenen Bier der Welt, Snow Lager. Doch zunächst nach Deutschland, wo Augustiner das beliebteste Bier im Netz ist.

Augustiner laut Studie das beliebteste Bier im Netz, Krombacher auf dem letzten Platz

Zum “Internationalen Tag des Bieres” am 3. August fand nicht nur mit der Berliner Biermeile das zweitgrößte Bierfest Deutschlands statt, zudem veröffentlichte die Agentur VICO Research & Consulting eine Studie darüber, wie positiv oder negativ im Netz über bestimmte Biermarken gesprochen wird. Derer 13 standen zur Studie bereit, 14.000 Einträge wurden analysiert, und das Ergebnis sagt einiges über die deutsche Bierkultur aus. Mit Augustiner, Erdinger und Paulaner sind die Plätze auf dem Siegertreppchen allesamt Marken aus Bayern vorbehalten, dahinter kommen Radeberger und Bitburger. Oettinger landet erwartungsgemäß weit hinten, doch Pilsprimus Krombacher schafft es tatsächlich, das Bier mit dem Billigimage noch zu unterbieten.

Hierfür ist nicht unbedingt der Geschmack verantwortlich, sondern laut der Agentur vor allem die Kooperation mit Nestlé. Der Konzern steht für das Abpumpen von Wasser in Trockengebieten in der Kritik, und das passt nicht zum Image von “Rettet den Regenwald” und der “Familienbrauerei,” wenn man bei ca. 6 Mio. Hektolitern Jahresausstoß noch von einer solchen sprechen kann.

Ich vermute jedoch noch einen weiteren Grund: Augustiner hat ein bodenständiges Qualitätsimage aufgebaut, mit dem man sich leicht assoziieren kann und möchte. Entsprechend gern wird öffentlich kundgetan, dass man das Bier trinkt. Krombacher hingegen ist “der Große”, die Massenware, wie die meisten bekannten Pilsmarken oftmals über Angebote verkauft. Niemand möchte sich selbst als billig im Netz darstellen, wer also Massenware trinkt, hält die Klappe. Dass auch Augustiner sich immer weiter den 2 Mio. Hektolitern Ausstoß nähert, ist im Bewusstsein der Biertrinker noch nicht angekommen und hat sich demnach noch nicht im Image der Marke niedergeschlagen.

Letztlich ist es mit Krombacher ein wenig wie mit McDonald’s. Jeder weiß, dass man im Restaurant zur Goldenen Möwe keine Haute Cuisine erwarten kann, um es mal höflich zu formulieren, dennoch ist die App, die einem die früheren Papiercoupons direkt einlösbar aufs Smartphone packt, die meist heruntergeladene App Deutschlands. Man genießt nicht und schweigt.

Heineken erwirbt Anteile am meist getrunkenen Bier der Welt

Knapp zwei Milliarden Euro Nettogewinn hat der niederländische Bierkonzern im letzten Jahr erwirtschaftet und damit eine Steigerung von knapp 25% erreicht. Aber wie sagte schon der alte Rockefeller? 10% an die Kirche, 10% als Ersparnis, 80% reinvestieren. Da passt es natürlich, dass SAB Miller während der Fusion mit AB-InBev seine Anteile an CR Beers Snow Lager verkaufen musste. Das beliebteste Bier Chinas und damit das meistgetrunkene Bier der Welt gehört nun zu 40% Heineken, für umgerechnet 2,7 Milliarden Euro, und soll in den Premiumsektor geschoben werden. Obwohl der Bierkonsum in China genau wie in Europa und Nordamerika stagniert, greift die wachsende Mittelschicht Chinas mehr und mehr zu teureren Premium- und Importmarken, was trotz eines leichten Rückgangs im Konsum eine Wertsteigerung von über 40% der gekauften Produkte zur Folge hatte. Von diesem Kuchen hätte Heineken gern ein großes Stück. Die CR Beer Holding erhält im Gegenzug 0,9% Anteile an Heineken, Zugang zum weltweiten Vertriebsnetz des Konzerns und die Vertriebsrechte für die Marke Heineken auf dem chinesischen Markt.

Das Mantra des moderaten Konsums

Manchmal weiß man als Schreiberling nicht so recht, was man schreiben soll. Damit beziehe ich mich nur bedingt auf diese Rubrik, sondern vielmehr auf die zahllosen Studien, die als Lückenfüller für Berichterstattungslöcher herhalten müssen. So gibt es schon wieder zwei Studien zu moderatem Alkoholkonsum. Um den Satiriker Hagen Rether zu zitieren: “Alles finden die raus!” Jetzt haben sie wieder herausgefunden, dass moderater Alkoholkonsum gut für Herz und Hirn ist, und unabhängig davon in einer anderen Studie, dass dies die männliche Fruchtbarkeit steigert.

Wohlgemerkt, der moderate Alkoholkonsum bezieht sich hier stets auf das ein oder andere Glas pro Woche, selbst das eine Glas Bier oder Wein jeden Abend ist schon zu viel. Mir stellt sich dazu die Frage: Wer zweimal in der Woche ein Glas Bier oder Wein trinkt, braucht der wirklich noch eine Studie, um ihm zu sagen, dass er es richtig macht? Oder könnten wir uns das Geld für die Untersuchungen sparen und mit “Die Dosis macht das Gift” zufrieden sein? Über 70.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an den Folgen von Alkoholmissbrauch. Vielleicht wären Studien dazu sinnvoller.

Der Kühlketten-Wahnsinn

Nochmal China: Der Durst nach Premiumimporten umfasst natürlich auch deutsche, belgische und amerikanische Ikonen, ob traditionell oder modern. Anfragen über Containerladungen bestimmter Biermarken sind keine Seltenheit. Diesen Durst befriedigt z.B. Stone Brewing mit der seit Juni bestehenden, direkten Distribution in China. Denn vormals hingen Container oft im Zoll, Mindesthaltbarkeitsdaten wurden entfernt und die Ware kam alt und in einer rechtlichen Grauzone auf den Markt, nicht nur bei Stone Brewing. Wie zuvor Braufactum schickt auch Stone Brewing nun konstant nachverfolgte Kühlcontainer, die geschlossene Kühlkette ist das Schlagwort, frische und stabile Biere das Resultat.

Das Problem: Wo es ökonomisch sicherlich machbar ist, die Bierspezialitäten in Asien zu Preisen zu verkaufen, die den Mehraufwand an Energie rechtfertigen, ist es ökologisch sehr fragwürdig. Kühlcontainer um die halbe Welt zu verschiffen steht so gar nicht im Einklang mit der Firmenphilosophie von Stone Brewing. Das wissen die Kalifornier natürlich, und mittelfristig wird es auch für den chinesischen Markt nur die Lösung geben, die Stone nun bereits zweimal in den USA und Deutschland gegangen sind: Eine eigene Brauerei muss her, um Transportwege im vernünftigen Rahmen zu halten und frisches Bier zu garantieren.

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Photo Credit: Shutterstock

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