Was Gärt? XXVI – Labieratorium, Yellow Belly & Castle Fhain

Was Gärt? XXVI – Labieratorium, Yellow Belly & Castle Fhain

Aus für das Labieratorium Cottbus und das Yellow Belly von Buxton & Omnipollo, während Fans von Pabst Blue Ribbon aufatmen können. In Berlin können es die Macher des The Castle nicht lassen und eröffnen noch einen Biertempel, diesmal im Bezirk Friedrichshain. 

Buxton, Omnipollo & Batemans und der Streit um das Yellow Belly

Im Jahre 2014 fanden die englische Brauerei Buxton und die schwedischen Kuckucksbrauer von Omnipollo im Rahmen des Rainbow Project der südenglischen Siren Brewery zusammen. Dabei heraus kam das Yellow Belly, der vielleicht berühmteste Vertreter des recht obskuren Bierstils Flavored Imperial Milk Stout, also ein sehr starkes (11% Vol.), mit Milchzucker und Aromen gebrautes Schwarzbier.

Der Geschmack von flüssigem Schoko-Erdnusscreme-Keksdessert und die provozierende Aufmachung, die an den Ku-Klux-Klan erinnert (“Yellow Belly” heißt soviel wie Feigling, die Brauereien sprechen sich also klar gegen Rassismus aus), fand schnell eine große Fangemeinde weltweit, trotz Preisen von locker 10€ pro 0,33l-Flasche.

Am 28. November schockte Omnipollo seine Fangemeinde mit der Ankündigung, dass Anwälte vor der Buxton-Tür stünden und die Produktion des Yellow Belly nach dem momentanen Sud eingestellt werden müsse. Sofort entfesselte sich ein Sturm der Entrüstung (oder eben die englische Variante mit den Verdauungsendprodukten im Namen) in den sozialen Medien. Wieder einmal wird eine kleine Craft-Klitsche angegangen von einer neidischen Großbrauerei! Doch Moment! Der entlarvte Feind ist die Batemans Brewery. Knapp 70 Pubs klingen nicht schlecht, aber seit die jährliche Produktion 2015 heruntergefahren wurde, liegt man mit unter 11.500 Hektolitern Jahresproduktion klar im Kleinbrauerbereich.

Der Zankapfel ist das Yella Belly (hier ein lokaler Begriff für Leute aus Lincolnshire), ein Golden Ale, welches die Brauerei mit unterschiedlichen Rezepturen seit 20 Jahren braut. Laut Batemans hatte man mehrmals den Kontakt mit Buxton und Omnipollo gesucht, jedoch keine Antwort erhalten. Schließlich wurden die Anwälte losgeschickt, um die Markenrechte der Brauerei zu schützen – denn im Markenrecht ist Duldung durchaus ein Faktor. Wer zu viel duldet, hat am Ende vielleicht das Nachsehen.

Wie auch in Streitfällen zuvor wirkt es seltsam, mit welcher Intensität die “bedrohte” Brauerei zu Werke geht. Denn einerseits verurteilen sie die Ausfälle, zu denen sich einige Fans bei Batemans hinreißen ließen, andererseits kreieren sie mit ihren apokalyptischen Posts selbst diese Atmosphäre. Selbst ein Bild mit dem Yellow Belly, wie immer in weißes Papier mit zwei Augenlöchern darin eingewickelt, auf dem “Ceased & Desisted Final Batch” zu lesen ist, veröffentlichte Omnipollo. Wozu dient diese Art des künstlichen Beschränkens, wenn nicht um Hype und Verkäufe zu steigern? Denn produziert werden darf das Bier ja weiterhin, nur eben vielleicht nicht mehr unter diesem Namen. Es erscheint ein wenig, als versuche man auf Seiten der Schweden, sich die eigene Nachlässigkeit im Markenrechtsbereich auf Kosten des Rufes einer anderen Kleinbrauerei vergolden zu lassen.

Doch auch Batemans hält sich sehr bedeckt, wenn es um die Details geht, vermutlich auf Anraten der Anwälte. Denn die Entrüstung traf Batemans, wie oft in diesen Markenrechtsstreitigkeiten (siehe z.B. Wacken vs. Skandinavische Kleinbrauer, Fritz Cola vs. FritzAle), recht unerwartet, und man war sich zunächst nicht bewusst, wieviel Herzblut und Rage eine eingeschworene Fangemeinde wegen eines Biernamens entwickeln kann. Hoffentlich lernen beide Seiten daraus.

Pabst Blue Ribbon gerettet, MillerCoors lenkt ein

Pabst Blue Ribbon ist so ein wenig das Sternburg der USA. Den rapiden Anstieg in seiner Beliebtheit seit 2000 verdankt es vor allem einem Old School-Image, der Abwesenheit von Mainstream-Marketingkampagnen und dem günstigen Preis. Damit wurde es, natürlich durch Grassroots-Kampagnen beflügelt, zu einem Subkulturgetränk und einem der Erkennungsmerkmale des US-Hipsters.

Doch gerade der Preis ist nun in Gefahr, denn tatsächlich ist PBR ein Auftragsgebräu, welches der in Los Angeles beheimatete Eigentümer TSG Consumer Partners von MillerCoors überall in den USA herstellen lässt. Der Vertrag läuft 2020 aus und hat zwei Optionen zur Verlängerung. Doch MillerCoors behauptete, nicht mehr die Kapazitäten zu haben, da sie aufgrund schwindenden Bierkonsums Brauereien schließen müssen und mussten.

TSG bezweifelte dies und reichte Klage ein, denn das Ende des Vertrages würde quasi das Ende von PBR und weiteren Marken bedeuten. Brauereien, die in der erforderlichen Menge brauen können, sind auch in den USA rar gesät. Das finanzielle Volumen dieser Klage umfasste mehr als 400 Mio. US-Dollar und betraf neben PBR auch weitere Marken, z.B. Schlitz. Im November ging das Ganze vors Gericht, und Fans von PBR können aufatmen – offenbar sind die Kapazitäten doch noch da, und MillerCoors produziert weiter.

Das von Seiten als “versöhnlich” bezeichnete Abkommen wird allerdings wahrscheinlich eine Preiserhöhung mit sich bringen.

Aus für das Labieratorium in Cottbus

Die “einzige Craft-Brauerei Brandenburgs” muss schließen. Erst 2017 startete im Labyrinth, einer zentral gelegenen Bierbar, der Braubetrieb. Diese ist seit November geschlossen, nun folgt der Braubetrieb. Nach zwei Firmengründungen, Erfolgen und anschließenden Verkäufen müssen Olaf Wirths und Anja Brauns vor der Bierbranche kapitulieren.

Woran hat es gelegen? Wirths identifiziert vor allem den Mangel an lokaler Unterstützung als Problem. Stammkundschaft für die Bar und der Verkauf von Fassware an andere Bars reichten nicht aus, und trotz Präsenz in mehreren deutschen Großstädten und anderen europäischen Ländern sowie Verträgen mit lokalen Supermärkten mangelte es am Absatz. Vor allem der Preis ist es, der den Kunden nicht zu schmecken scheint.

Was können andere Brauunternehmer bei Neugründungen daraus lernen? Dass man es ganz im Osten vielleicht nicht so dicke hat, ist bekannt, doch es liegt nicht primär an Geldmangel, sondern am Mangel an einer Genusskultur generell bzw. den Prioritäten, die bei begrenztem Budget gesetzt werden. Denn wo Italiener trotz prekärer Wirtschaftslage 40% des Einkommens in Essen umsetzen, können sich auch teure Handwerksbrauereien halten. Wo jedoch trotz anständiger Finanzlage der Discounter die erste Station für den Lebensmitteleinkauf ist (ein gesamtdeutsches Phänomen), muss die Biergenusskultur erstmal erschaffen werden.

Daran ist das Labieratorium gescheitert, hat das Bedürfnis für eine regionale Biermarke im Verhältnis zu den günstigeren Supermarktprodukten überschätzt. Mal sehen, wann sich nach dem Aus für das Labieratorium das nächste Mal jemand traut.

The Castle Friedrichshain eröffnet

Das Soft Opening liegt schon eine Weile zurück, hart wurde es Mitte November. Mit 50 Hähnen setzt sich der “Hahndrang” der Eigentümer Ben Fisher und Gekko fort, und stößt fast schon in Stone-Berlin-Bereiche vor (auch wenn man dort theoretisch über 100 Biere zugleich zapfen könnte).

Anders als Stone liegt man allerdings nicht in den Außenbezirken, sondern am Eingang zum Partyviertel, direkt am Frankfurter Tor. Ich kenne das Gebäude aus der Teenie-Zeit noch als McDonalds, habe dessen Verschwinden weder verstanden noch betrauert. Nun gibt es auf den zwei Etagen Bier aus aller Herren Länder, Kaffee (in Berlin offenbar ein Muss für jede Kneipe) und mit 500m² sogar noch mehr Platz als im alten Castle Pub am Gesundbrunnen. Ob das Gesundbrewing Indoor-Bierfest zurückkehren kann?

Bleibt nur zu hoffen, dass die Umstände, die eine große Fast Food-Kette das Gebäude haben verlassen lassen, nicht auch The Castle ereilen.

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Photo Credit: The Castle

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