Einfach nur gutes Bier: das Berliner Berg

Einfach nur gutes Bier: das Berliner Berg

Die junge Brauerei Berliner Berg hat kürzlich einen Tap Room eröffnet. Liv Fleischhacker nahm dies zum Anlass sich mit den Gründern über ihre Pläne zu unterhalten.

Das die Berliner Immobilienlandschaft anstrengend ist, wissen wir. Richard Hodges und Robin Weber haben inmitten der ganzen Verwirrung einen unglaublichen Glücksgriff gemacht: Der Berliner Berg-Schankraum liegt in einem Neuköllner Haus, das früher einmal eine Schmalzfabrik war.  Die Vermieterin wohnt sogar noch über der Bar, aber da diese momentan nur drei Tage die Woche geöffnet hat, ist das gar kein Problem. Außerdem befinden wir uns nicht auf der Weserstraße, hier geht es ein bisschen gediegener zu.

Richard und Robin sind seit März 2015 in der Kopfstraße und haben seit Dezember letzten Jahres offiziell die Türen auf. Nicht nur die Kunden werden sanft, aber bestimmt an das Thema Craft Beer herangeführt, sondern auch das Team. Hier werden Basics wie „wie zapfe ich ein Bier richtig?“ gelehrt. Vor und hinter der Theke passiert halt etwas. Das Berg’sche Team findet es „fast interessanter, wenn jemand in die Kneipe reinläuft und noch nichts weiß“. Natürlich wird das noch interessanter, wenn die Brauerei selbst eröffnet (O-Ton „Irgendwann 2016“) und spannende Events wie Verkostungen und Pairing-Konzepte stattfinden.

Nachbarschaftskneipe mit Niveau

„Wir bieten, obwohl es durchaus eine Nachbarschaftskneipe ist, ein anderes Niveau. Allein, dass bei uns Rauchverbot herrscht und wir Bier so ernst nehmen, dass man es riechen sollte, wird von Leuten am Anfang nicht verstanden“, erklärt Robin. Bestimmt und sachkundig wird über das Produkt Bier geredet und erklärt, was hier beim Brauprozess anders läuft. Dabei kommen natürlich auch öfter Fragen wie „ist da Obst mit drin?“ auf.

Im Berliner Berg wird einfach gutes Bier serviert und bewusst von der offensiven Craft Beer-Schublade zurückgetreten: „Uns geht es um die Biervielfalt und Qualität. Wir hatten auch schon mal eine Tafel, die mit fünf Lagerbieren und nur einem Ale gefüllt war. So was ist dann auch schon relativ ‚ungewöhnlich’ für eine Craft Beer Bar“. Gekonnt wird mit der Idee von Craft Beer gespielt: Im April wird Braumeister Richie sein Stout herausgeben, was schon letzten Sommer als Small Batch gebraut wurde und sehr gut gelaufen ist. Stout im Sommer ist vielleicht nicht traditionell, aber das ist ja der Spaß an der ganzen Sache. Auch ein gutes Stout kann der in Sonne schmecken!

Das Berliner Berg Crowdfunding

Die Berliner Berg Brauerei hatte ein unglaublich erfolgreiches Crowdfunding-Konzept – Ziel waren 65.000 Euro, investiert wurden im Endeffekt 65.866. Robin sagt: „Man darf Crowdfunding nicht durch eine rosa Brille sehen. Um erfolgreich zu sein, muss man Aufmerksamkeit erhalten, klug über sein Thema sprechen und es vor allem klug im Gespräch halten.

Bei uns steckte viel persönlicher Einsatz dahinter: Wir haben alle unsere Freunde angerufen, uns mit Menschen unterhalten, die schon erfolgreiche Crowdfunding-Kampagnen hinter sich haben und hatten eine wohlüberlegte PR-Strategie“. Natürlich ist die Bierthematik momentan sehr präsent, das hilft. Und man muss auch bedenken, dass erfolgversprechende Kampagnen eher unterstützt werden. Von den 65.000 Euro bleibt allerdings am Ende auch nur ein Reingewinn von 5.000 bis 6.000 Euro.

Die Arbeit begann Monate vor Beginn der Aktion und ungefähr ein Drittel der Unterstützter waren Freunde und Familie, so etwas wie eine Umweltanleihe. Das Beste, was beim Crowdfunding herauskommen kann, ist die Aufmerksamkeit sowie dass man mit Menschen über seine Marke ins Gespräch kommt und Feedback erhält um einen Diskurs zu erhalten. Das ist für ein junges Unternehmen unbezahlbar.

Die neue Bier-Hauptstadt Berlin

„Craft Beer gibt es ja in Deutschland eigentlich schon in Form alter oder familienbetriebener Brauereien. Nur weil es nicht ‚trendy‘ ist, heißt das noch lange nicht, dass die kein gutes Bier brauen“, meint Richard. Die beiden Unternehmer sind sich einig, dass genau jene Abwesenheit solcher Firmen das Traurige an der Berliner Szene ist: „Die innerstädtische Bierkultur, die fernab von Konzernen entsteht, fehlt halt noch. Wir wollen keine Schubladen. Wir haben den Schankraum eröffnet um lokale Handwerklichkeit darzustellen. Wenn wir sehen, was andere Tolles produzieren, wollen wir das mit aufnehmen. Unsere Nachbarn Rollberg zum Beispiel machen tolle bekannte deutsche Klassiker. Im Endeffekt wollen wir gutes Bier, das von Menschen gebraut ist, die für Bier leben“.

Hinsichtlich der Entwicklung der deutschen Bierkultur „kommt momentan nichts an Berlin ran“, meinen beide. Außerdem beschleunige sich die Szene unglaublich. Viele Brauereien eröffnen und Berlin ist gerade förmlich ‘Ground Zero’ für Craft Beer in Deutschland. Jeder will dabei sein. Robin fügt hinzu: „In Berlin ist alles möglich, egal was man sucht, hier kann man es finden. Noch ist es bezahlbar und die Craft Beer-Bewegung bewegt sich weg vom Prenzlauer Berg und tiefer nach Neukölln. Hier gibt es eine Gastronomieszene, die für Craft Beer sehr offen ist. Solche Grundbedingungen hat man in ganz wenigen Ecken der Republik. Diese Mischung ist wahrlich einzigartig.“

Im nächsten Jahr würden Richard und Robin gerne ein Wachstum an Qualität sehen. „Inzwischen machen viele Leute mit und das ist fantastisch, aber jetzt geht es darum, dass die Qualität ansteigt. Es muss nicht immer neu sein. Letztendlich ist Brauen noch immer ein Handwerk und dabei muss man zusehen, dass es darum geht, was gut ist und nicht ‚nur‘ neu. Wir müssen uns als Berliner Brauer nicht mehr verstecken. Berlin boomt, wir haben unsere eigene Szene. Wir sollten stolz darauf sei. Aber zugleich brauchen wir Qualität, die da hinter steckt. Es gibt auf jeden Fall noch Potenzial, zu wachsen“. Ein Versprechen, das wohl gehalten werden wird.

Dieser Artikel erschien erstmals auf dem Brew Berlin Blog

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