Frisch aus der Flasche: Urban Chestnut Ku´damm Weisse

Frisch aus der Flasche: Urban Chestnut Ku´damm Weisse

Herzlich willkommen zum Auftakt unserer Bier-Verkostungen! An dieser Stelle wird unser geschätzter Autor Peter Eichhorn sich regelmäßig Biere vorknöpfen um diese zunächst zu besprechen und dann einer Bewertung zu unterziehen. Selbstredend einer eigens erstellten Bewertungsskala, die lediglich die Meinung des Autors widerspiegelt. Den Auftakt macht die Urban Chestnut Kudamm Weisse.

Vom Mississippi an die Spree – diesen Weg musste die Urban Chestnut Kudamm Weisse antreten. Denn zuweilen wissen die Amerikaner und die dortigen Brauer die deutschen Traditions-Bierstile besser zu würdigen, als die Deutschen selbst. Das gilt insbesondere in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri, wo seit 2010 die Urban Chestnut Brewing Company die Brauszene bereichert. Gegründet von David Wolfe, gebürtig in St. Louis, und Florian Kuplent, einem Braumeister, der ursprünglich aus Bayern stammt und seine deutsche Heimat kräftig in die Braukessel mengt. Mittlerweile wird in Wolnzach in der Hallertau eine weitere Brauerei mit 3.000 Hektoliter Jahresausstoß betrieben, in der mit Pale Ale, Zwickl  oder Lager eher klassische Bierstile behutsam an das einheimische Publikum herangeführt werden.

Urban Chestnut, die urbane Kastanie, verbindet traditionelle Bierstile mit den modern-experimentellen Brauweisen der aktuellen Kreativbierbewegung in Form von zwei Produktlinien: Reverence Series und Revolution Series. Die Referenz-Biere heißen: Schnickelfritz, Gewässerschutz, Oachkatzlschwoaf, Stammtisch oder eben Urban Chestnut Kudamm Weisse.

Die Urban Chestnut Kudamm Weisse, benannt nach der Berliner Shopping-Meile Ku’damm, konnte vor knapp drei Jahren erstmals in Deutschland verkostet werden, als erste Importeure es verschifften. 2015 fühlte es sich großartig an, mal ein Berliner Weisse Style Ale zu verkosten, das anders war, als die raren Angebote, welche die Berliner Ursprungsregion offerieren konnte. Flächenübergreifend war gerade mal eine Berliner Weisse verfügbar. Wer sich Mühe gab, fand womöglich noch drei bis vier weitere aus Berlin oder Potsdam.

Heute ist das glücklicherweise anders. Die Berliner Weisse feiert ein köstliches Comeback. Immer mehr Hauptstadtbrauer trauen sich an die komplexen Hefe- und Bakterienkomponenten, die diesen leichten und frischen Saucerbierstil zu einer Herausforderung für jeden Brauer machen. Die Urban Chestnut Kudamm Weisse mit ihren 4,2 % Vol. Alc. kommt getreidig-vollmundig daher. Im Duft und am Gaumen entwickeln sich subtile Noten von Apfel und Zitrus. Gut eingebundene Kohlensäure mit einem verführerischen Prickeln. Der Abgang ist kurz und knackig, versetzt mit Fruchtnoten. Die Säure ist angenehm am Gaumen, dabei jedoch nicht zu aggressiv. Urban Chestnut rät auf dem Etikett, Schwarzen Johannisbeer- oder Himbeersirup zuzufügen.

Vor knapp drei Jahren mutete das Bier wie eine Gaumensensation an. Und auch heute noch ist es ein angenehmes und erfrischendes Sauerbier und wirkte als Inspiration für jeden Brauer, der begann, sich mit Berliner Weisse zu beschäftigen. Und mittlerweile kommen immer mehr Brauer kräftig in Fahrt, wenn es um die Berliner Weisse geht. Die Biere werden täglich spannender und vielfältiger. Aber den Pionier, die Urban Chestnut Kudamm Weisse, zu probieren und zu würdigen, kann nicht verkehrt sein.

 

Nachtrag: In einer früheren Version des Artikels war von einer „3.000-Hektoliter-Sudanlage“ die Rede. Nach Hinweis eines Lesers haben wir dies berichtigt. Die 3.000 Hektoliter beziehen sich selbstverständlich auf den Jahresausstoß. 

WRITE A COMMENT