Duvel braut Boulevard für Deutschland und Europa

Duvel braut Boulevard für Deutschland und Europa

Die Duvel Brauerei braut künftig Biere von Boulevard Brewing für den europäischen Markt in Belgien. Dirk Hoplitschek erklärt die Hintergründe.

So schließt sich der Kreis: Als John McDonald im Jahre 1988 Boulevard Brewing gründete, montierte er eine historische Brauanlage aus Deutschland, die er bei der Schließung einer Brauerei in Bayern erworben hatte. Zum Mauerfall waren die ersten Sude am berühmten Southwest Boulevard in Kansas City fertig. Nun kommen die Biere der erfolgreichen Brauerei aus Midwest zurück nach Deutschland und Europa.

Up the Boulevard

Inzwischen ist Boulevard Brewing natürlich kein kleiner Gastropub mehr. Die bayrische Brauanlage ist Teil der Tour, mehrere Expansionen sorgten für die Kapazitäten, den steigenden Craft-Beer-Durst  der Amerikaner in 30 Staaten zu decken. Über 200.000 Hektoliter produziert die Brauerei jährlich, seit 2006 hat sie theoretisch eine Kapazität von fast einer Million Hektoliter Jahresausstoß. Damit zählt man hierzulande bereits zum erlesenen Kreis der Großbrauereien. In den USA landet Boulevard auf Rang 18 der größten Brauereien nach Ausstoß.

Gegen Ende 2007 führte Boulevard die Smokestack-Serie ein, eine Selektion von Starkbieren, inspiriert von belgischen Trappistenbieren. Sude wie das Tank 7, ein Saison nach belgischem Vorbild, das The Calling Double IPA oder das Tell-Tale Tart, angelehnt an spontan vergorene Biere, wurden herausgebracht.

Eben jene sind es, die nun zuerst ihren Weg über den großen Teich finden. Oder doch nicht? Denn gebraut werden die Biere für Europa nicht etwa in Kansas, sondern von Duvel-Moortgat in der Provinz Antwerpen. Das ist leicht erklärt, denn Duvel-Moortgat, zu denen unter anderem die Marken Duvel, La Chouffe, Liefman’s und Maredsous zählen, kaufte Boulevard Brewing anno 2013. Auch bei der Nummer 16 aus der Liste der größten Craft-Brauereien der USA, den Kaliforniern von Firestone Walker, hat Duvel übrigens einen Anteil.

Freundliche Übernahme

Die Akquise von Boulevard Brewing wie auch die Beteiligung bei Firestone Walker lösten dabei bei Weitem nicht die Empörungswellen aus, wie es bei anderen Übernahmen im US-Craft-Sektor der Fall war, etwa bei Lagunitas und Heineken, Ballast Point und Constellation Brands oder Goose Island und AB InBev. Teilweise lobte die Fachpresse den Aufkauf sogar. Das liegt zum einen daran, dass Duvel-Moortgat trotz vieler strategischer Aufkäufe immer noch in Familienbesitz ist und zum Verband belgischer Familienbrauereien gehört, andererseits einfach nicht in derselben Liga spielt wie die oben genannten Weltkonzerne. Dennoch wird die Verkaufssumme von Boulevard auf 100 Millionen Euro geschätzt.

Wider den Importwahn

Manch ein Fan mag nun aufschreien und die Möchtegern-Craft-Biere aus der belgischen Großbrauerei als nicht original verdammen. Doch tatsächlich hat diese Herangehensweise viele Vorteile für den Konsumenten.
Duvel-Moortgat hat eine Menge Erfahrung mit Starkbieren im belgischen Stil und bringt daher natürliche Expertise zu den in Kansas erdachten Rezepten. Zudem sind die Transportwege kurz und das Bier frischer. Einer der Gründe, warum Duvel-Moortgat Firestone Walker trotz im Vergleich zu Boulevard größerer Berühmtheit noch nicht intensiver in Europa spielt, ist die von Firestone geforderte Kühlkette. Aufwendig, teuer, klimatisch bedenklich.

Denn was in einer globalisierten Welt, in der exotische Güter wie selbstverständlich um die halbe Welt geschifft werden, zu oft vergessen wird: Bier, und insbesondere hopfenbetonte Bierstile, sind frisch einfach besser. Damit ein leichtes, hopfenbetontes Bier wie ein Pils überhaupt ein Jahr Haltbarkeit erreicht, wird in Großbrauereien enormer Aufwand betrieben, oftmals zum Schaden der ursprünglichen Aromatik.

Boulevard Brewing in Vichy

Man sollte sich also freuen, wenn Yeastie Boys nicht aus Neuseeland kommt, sondern bei BrewDog in Schottland gebraut wird, wenn Stone Brewing lieber eine Brauerei in Berlin baut, als Container durch die Weltgeschichte zu schicken. Daran zeigt sich auch ein Qualitätsbewusstsein dieser Brauereien, ein Unwillen, bestimmte Kompromisse zu Lasten des Geschmacks einzugehen. Export innerhalb Europas ist ein ganz anderer Schuh als die Ausfuhr über Kontinentalgrenzen. Das ist kein Plädoyer für Boulevard-Biere, sondern für etwas mehr Realitätssinn bei der Jagd nach den nächsten Bier-Exoten.

Ein weiterer Vorteil ist der Preis, denn eine halbwegs nahe Braustelle und ein Abfüllen in belgische Standardflaschen (der Sorte Vichy 0,33l – das entspricht quasi der deutschen NRW in 0,33l) und damit eine klare Einbindung ins belgische Pfandsystem machen aus einem teuren Importbier für Fans ein fair bepreistes Spezialbier für Jedermann. Über um die € 3 für ein hopfenstarrendes Double IPA kann man sich nicht beschweren, das bezahlt man für vergleichbare, hiesige Produkte auch.

Photo Credit:
Atomium von Robert de Veen via flickr, (CC BY – NC 2.0)  https://www.flickr.com/photos/rdeveen/12169995163
Kansas Wheat von Lane Pearman via flickr (CC BY – 2.0) https://www.flickr.com/photos/fireboatks/18789166889
Post-Production: Tim Klöcker

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