Brauerei Egger: Kreative Beschränkung

Brauerei Egger: Kreative Beschränkung

Die Brauerei Egger ist die größte Privatbrauerei Österreichs. Und hat sich diesen Status mit einem einzigen Bier erarbeitet. Sepp Wejwar mit einem Kurzporträt und einem Interview mit Egger-Getränke-Geschäftsführer Bernhard Prosser.

Wer in österreichischen Supermärkten zu einem Radlberger oder einem Granny’s greift, hält ein Produkt der Egger Getränke GmbH & Co OG in Händen. Bekannt ist die eine Reihe von Softdrinks abfüllende Firma aber vor allem für ihren Bierausstoß. Bei Unterradlberg in der Nähe der nieder österreichischen Landeshauptstadt St. Pölten liefen im vergangenen Jahr 1,1 Millionen Hektoliter Bier in die Flaschen, Dosen und Fässer. Das macht Egger zur größten Privatbrauerei Österreichs. Die Prognosen für 2018 lassen eine weitere Steigerung erwarten.

Ein Bier für alles

Das Besondere daran ist, dass diese Größenordnung durch ein sehr schmales Sortiment erreicht wird. Hauptprodukt ist Egger Märzen und andere Varianten des Stils Österreichisches Märzen, den man deutschen Trinkern am ehesten als verwandt mit Bayerisch Hell oder hellem Lager erklären kann.

Von diesem Bier wird unter der Eigenmarke Egger auch noch ein Zwickel abgefüllt, das allerdings nur in die Gastronomie rund um den Produktionsstandort geliefert wird. Die Lager-Obersorte Egger Premium wird ebenfalls ausschließlich für die Gastronomie gebraut. Darüber hinaus gibt es den Egger Grapefruit Radler und den Egger Zitronen Radler naturtrüb. Neben Egger Märzen und den daraus hergestellten Produkten wird noch Egger Zisch, ein untergäriges alkoholfreies Bier angeboten.

Der Russland-Coup

In Russland wurde während der Fußball-WM 2018 das Bier knapp. Egger reagierte rasch und konnte vor allem liefern: 840.000 Dosen Egger Märzen. Kurz nach Bekanntwerden des Engpasses wurden 20 Lkw-Züge in Marsch gesetzt. »Das war erst der Start, wir werden künftig noch sehr viel mehr Bier nach Russland liefern«, freute sich Bernhard Prosser.

Reine Privatsache- Egger, die größte Privatbrauerei Österreichs, will kräftig weiterwachsen.

Das Beispiel Egger zeigt, wie eine Brauerei auch heute noch mit einem schmalen Sortiment stark wachsen kann. Bier, Bars und Brauer sprach mit Egger-Getränke-Geschäftsführer Bernhard Prosser.

3B: Was ist der Egger-Gründungsmythos?

Bernhard Prosser: Die Familie Egger hatte eine Kirchturmbrauerei mit knapp 15.000 Hektoliter Ausstoß.

3B: Wo genau?

Bernhard Prosser: In Kufstein. Der Thiersee hat dazugehört. Bis 1976 wurde von dort das Eis mit Rössern in die Keller gebracht.

3B: Klingt sehr romantisch.

Bernhard Prosser: Vielleicht. Ein Weiterwachsen war dort allerdings nicht möglich.

3B: Da gehen Tiroler gleich nach Niederösterreich?

Bernhard Prosser: Man wollte ganz Österreich beliefern. Also hat man geschaut: Wo ist gutes Wasser? Wo sind viele potenzielle Kunden?

3B: So ist man auf Unterradlberg gekommen? 

Bernhard Prosser: Die Familie Egger hat gesagt: »Da stellen wir die modernste Brauerei Europas hin.« Bauzeit war eineinhalb Jahre. 1978 wurde in Unterradlberg das erste Egger-Bier gebraut.

3B: Ein guter Standort – doch damals hat noch niemand an eine Ostöffnung geglaubt, oder?

Bernhard Prosser: Nein, aber an Export hat man bei Egger schon damals gedacht. Heute liegen wir bei 47 Prozent Exportquote.

3B: 47 Prozent?!

Bernhard Prosser: Ja. In Sachen Bierexport sind wir in Österreich führend.

3B: In welche Länder wird verkauft?

Bernhard Prosser: Mittlerweile verkaufen wir unser Bier auf allen Kontinenten. Erst jüngst haben wir ein schönes Geschäft mit Südkorea abgeschlossen, letzte Woche mit Australien.

3B: Wie genau lief der Coup mit Russland während der Fußball-WM ab?

Bernhard Prosser: Als ich gehört habe, dass dort das Bier knapp wird, bin ich aktiv geworden. Ein ganz toller Werbeeffekt – 167 Millionen Bruttokontakte. Selbst die russische Presseagentur hat berichtet.

3B: Egger hat inzwischen deutlich über eine Million Hektoliter Bier Jahresausstoß?

Bernhard Prosser: Im Jahr 2003 hat Egger 267.000 Hektoliter Bier im Jahr ausgestoßen. Seither hat sich unser Ausstoß vervierfacht. Und das bei Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs in Österreich.

3B: Gibt es da noch Wachstumsziele?

Bernhard Prosser: Sicher. Wir haben noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht.

3B : Welche Investitionen sind geplant?

Bernhard Prosser: Am 21. Juli 2007 hatten wir keinen Tropfen Bier im Haus. Ich hab den Fritz Egger angerufen und gesagt: »Es ist ein Wahnsinn, was da passiert – die Lkw stehen Schlange und warten, dass Bier abgefüllt wird.«

3B : Was folgte darauf?

Bernhard Prosser: Eine Investition von knapp 3 Millionen Euro. Die drei grünen Lagertanks, die du da drüben siehst. Der erste große Schritt.

3B : Wie viel wurde in Summe in den Standort investiert?

Bernhard Prosser: Wir haben in der Zwischenzeit rund 70 Millionen Euro investiert und sind jetzt wieder eine der modernsten Braustätten in Europa.

3B : Wie hoch ist die Kapazität heute?

Bernhard Prosser: Momentan 1,3 Millionen Hektoliter.

3B: Also muss bald wieder investiert werden.

Bernhard Prosser: Mmh, ja (lacht). Wir investieren laufend. Heuer haben wir 6,5 Millionen Euro in neue Lagertanks investiert. Wir haben die Lagerkapazität jetzt einmal an die Braukapazität angepasst.

3B: Welche Kapazität hat die Abfüllung?

Bernhard Prosser: Wir füllen 80.000 Dosen und 30.000 Flaschen ab. Pro Stunde. Rund um die Uhr. Sechs Tage die Woche.

3B: Da gibt es noch Luft nach oben?  

Bernhard Prosser: Unsere Brauerei ist sehr gut ausgelastet. Wenn die Entwicklung so weitergeht, dann ist auch die Familie Egger bereit, weiter in diesen Standort zu investieren.

3B : Bewegt Egger das Thema Nachhaltigkeit ehrlich?

Bernhard Prosser: In Österreich gibt es nur drei Brauereien, die klimaneutral arbeiten. Egger ist eine davon. Und: Wir sind energieautark.

3B : Was sind die Ziele der Brauerei?

Bernhard Prosser: Den Export weiter stärken. Aber das Wachstum in Österreich ist unser wichtigstes Ziel.

3B : Das geht nur durch Verdrängung.

Bernhard Prosser: Wenn du den Brauereien zuhörst – die meisten lügen sich in die Tasche. In Wahrheit haben fast alle jedes Jahr ein bisschen weniger.

3B : Mit Ausnahme des Heineken-Konzerns.

Bernhard Prosser: Der liegt bei knapp über 50 Prozent. Schon seit einiger Zeit. Was nimmt er dafür in Kauf? Einen Aktionsanteil von nahezu 80 Prozent. Da sind die stärksten Marken mit dabei. Wenn das Ziel darin besteht, dass ich heute mein Bier nur mehr zu Aktionspreisen verkaufe, damit ich meinen Marktanteil erhalte, dann ist das auch eine Philosophie. Darauf stehen wir nicht.

3B : Welche Trends kommen im Biermarkt?

Bernhard Prosser: Regionalität wird ein ganz großer Trend. Kleine Brauereien, die rund um den Schornstein verkaufen.

3B: Das spricht nicht gerade für Egger.

Bernhard Prosser: Wir machen schon unseren Weg. Parallel dazu gibt es diese eigentümergeführten Brauereien, wo ein Matthias Schnaitl sich jeden Tag für seine Marke zerreißt, eine Familie Raschhofer, die einen Innviertler Brauturm aufstellt, die Braucommune in Freistadt zeigt, dass auch Mittelständler stark wachsen können. Das ist gelebte Bierkultur, und die ist uns so unglaublich wichtig. Es muss unser Ansinnen sein, dass es viele österreichische Privatbrauereien gibt, die gute Geschäfte machen.

 

Dieser Artikels erschien erstmals in der Print-Ausgabe 2-2018 von BIER, BARS & BRAUER. Gefällt Ihnen dieser Artikel? Vielleicht interessieren Sie sich dann auch für unseren Newsletter?  Oder möchten unsere Arbeit durch den Kauf einer unserer Print-Ausgaben unterstützen?  Hier können Sie die Printausgabe bestellen. 

Photo Credits: egger-bier.at

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