Brauerei Sander setzt auf Öko-Biere

Brauerei Sander setzt auf Öko-Biere

Der Gründer der Brauerei Sander wuchs auf einem Weingut auf und setzt konsequent auf Öko-Biere. Wir unterhielten uns mit Paul Sander über seinen Werdegang und die aufstrebende Branche. 

„Bier ist mindestens so facettenreich wie Whisky oder auch Wein“ – so der Brauer Ulrich Sander. Als Winzersohn ist Sander auf einem Weingut aufgewachsen und hat schon als Kind im Betrieb mitgeholfen, dabei hat er die Liebe zum Herstellen alkoholischer Getränke entwickelt. Bevor er sich komplett dem Brauen widmete, ist er um die Welt gereist, um Bierfiltrationsanlagen in Betrieb zu nehmen. Mit den Jahren hat ihn die Tätigkeit jedoch immer weniger zufriedengestellt und Sander sehnte sich nach der Selbstständigkeit als kreativer Braumeister. Nach nächtelangen Überlegungen, Rechnungen und Pläneschmieden eröffnete er 2012 seine eigene Brauerei Sander. Seitdem ist er stolzer Besitzer einer Nanobrauerei.

Im schönen Worms-Weinsheim braut Ulrich Sander seine Biere. Die Brauerei Sander ist besonders dafür bekannt, alle Biere gemäß EG-Öko Verordnung sowie Naturland-Richtlinie herzustellen. Das Sortiment beinhaltet unter Anderen ein sauber gehopftes Pils mit ordentlich Bittereinheiten, verschiedene Ales, ein holzfassgereiftes Porter, hopfengestopftes Lager und andere, klassisch deutsche Bierstile.

Einem interessierten Braumeister wird es nie langweilig

Bei unserem Gespräch erzählt Sander von seiner Faszination für Bier: „Man kann aus einer überschaubaren Anzahl Rohstoffen mit Know-how und Leidenschaft unheimlich viele Geschmacks-Facetten rauskitzeln. Du stellst etwas mit den Händen her, identifizierst dich quasi zu 100 Prozent damit und siehst, was am Ende dabei herauskommt. So etwas musst Du in anderen Berufen der heutigen Zeit lange suchen“. Dass auch in Deutschland Bier wieder die gebührende Wertschätzung erfährt, ist ihm sehr wichtig.

Brauen ist ein traditionsreiches Handwerk mit unheimlich vielen Facetten, dennoch gibt es in allen Bereichen der Brauerei heutzutage auch sehr moderne Elemente und Technologien. Gerade das hat Sander in seinen Bann gezogen. Auch die Nähe zur Natur ist ihm wichtig. Passend für jemanden, der aus simplem Hopfen und Getreide Bier produziert. Eine bodenständige, praktische Ausbildung zum Brauer zu machen – trotz der ganzen Studiererei – empfindet er für sinnvoll. Denn „einem interessierten Braumeister wird es eigentlich nie langweilig“.

Brauerei Sander steht für Öko-Bier

Seinen hohen ökologischen Anspruch an das Bier hat Sander förmlich in die Wiege gelegt bekommen. Sein Großvater, Otto-Heinrich Sander, war schon in den 1850er-Jahren der erste deutsche Öko-Winzer. „Ich bin so aufgewachsen, ich sehe das als selbstverständlich an. Ich verstehe hingegen nicht, wie viele meiner Berufskollegen sich mit der handwerklichen Herstellung feinster Craft Beer-Spezialitäten unheimlich viel Arbeit machen, dann aber bei der Rohstoffauswahl nicht konsequent sind und auf konventionelle Ware zurückgreifen“. Sander meint, das passe nicht zu der Wertschätzung, die einem Craft Beer zuteil werden soll. Momentan muss er nur Abstriche in der Beschaffung der Rohstoffe machen. Manche Hopfensorten sind schwierig oder kaum in Bio-Qualität zu bekommen. Bis jetzt zumindest ist er allerdings noch an alles rangekommen, was er benötigt. Gleichzeitig wird die Nachfrage nach Bio-Hopfen immer größer, sodass weltweit eine wachsende Zahn an Hopfenbauern ihren Anbau auf Bio umstellt – eine Entwicklung, die Sander glücklich stimmt.

Natürlich trinkt Sander auch selbst gern Bier. Dabei geht es nicht um einen bestimmten Lieblingsort oder ein Lieblingsbier, sondern eher um den Moment. „Bier als Kulturgut gehört zu unserem Leben und passt damit auch überall hin, wo sich das Leben abspielt“. Am liebsten trinkt er mit guten Freunden, ganz gelassen und dann durchaus auch etwas Blödsinn redend.

Die Zukunft des deutschen Craft Beers sieht rosig aus. Schließlich braut auch Sander „jeden Tag ein bisschen mehr“. Er ist davon überzeugt, dass 2016 noch einmal viel passieren wird. Denn momentan „ist die mediale Wahrnehmung noch deutlich größer als das, was wirklich konsumiert wird“, betrachtet Sander das Verhältnis von Realität und Hype. Auch die Gastronomie steht, was Kreativbier angeht, noch in den Kinderschuhen, und bei vielen Konsumenten ist das Thema noch gar nicht richtig angekommen. „Je mehr über Craft Beer geredet wird, umso deutlicher werden die Konsumenten auch in der Lage sein, echtes Craft Beer vom Falschem zu unterscheiden und hoffentlich immer öfter nachfragen: ‚Braust Du schon, oder vermarktest Du nur?’, demzufolge werden auch einige ‚Craft‘-Marken wieder verschwinden“, ist sich der Brauer sicher. Aber das ist ja bei jeder sich neu entwickelnden Branche der Fall.

Von Geschmackserfahrung, Schätzen und Trends

Ein wichtiger Grundpfeiler für Sanders tägliche Arbeit ist Offenheit – probieren darf man bei ihm erst einmal Alles. Nur so „kann man Geschmackserfahrung erweitern und Zunge und Gaumen trainieren. Je mehr man probiert, um so größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, richtige Schätzchen zu verkosten“. Von den aktuellen, vermeintlich angesagten Geschmacksvorlieben lässt er sich nicht großartig beeinflussen. „Was 2014 das IPA war, war 2015 das Session IPA und wird 2016 in Deutschland das gestopfte leichte Lager (IPL) sein, keep on moving …“ Sein Traum, den er als naiv bezeichnet aber dem man nur zustimmen mag, ist, „dass wir mit der Craft Beer-Bewegung die Trendwende im pro Kopf-Konsum einleiten können. Das heißt: je mehr Menschen wieder für Bier zu begeistern sind, umso mehr wird auch wieder konsumiert“. Leuchtet ein, das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Hoch die Biere, es muss mehr getrunken werden!

Dieser Artikel erschien erstmals auf dem Brew Berlin Blog.

WRITE A COMMENT