Braukunst im Mikro-Format

Braukunst im Mikro-Format

Wer vom Hausbrauen die Nase voll hat, wird Mikro-Brauer. Bis es vom ersten Wurf aus eigener Hand allerdings in die professionelle Riege reicht, kann dauern. Nicht immer muss dieser Weg allerdings eine Durststrecke bedeuten. Ein Nürnberger Duo bestätigt das.

Dass Bier für uns Deutsche einer Art Wasser nahe kommt, ist nichts Neues; auch nicht, dass Bier weltweit eines der beliebtesten alkoholischen Getränke ist. Und da das bayerische Reinheitsgebot außerhalb Deutschlands glücklicherweise nicht gilt, hat es sich ein Trend namens „Craft“ zur Aufgabe gemacht, auch die hiesigen Bierlandschaften aufzumischen.

Dunkelziffer Deutschland 

Weg von den großen, industriellen Brauereien und hin zum Produzieren in kleinen Mengen, lautet ihre Devise – ob in einer umgebauten Garage oder in der eigenen Küche mit provisorischen Tanks oder kleinen Anlagen: die Haus- und Hobbybrauer fangen sehr klein an; viele von ihnen wollen auch nicht unbedingt wachsen. Und auch vielen Mikro- und Nano-Brauern geht es nicht um die Masse an Bier, sondern um den Herstellungsprozess an sich. Dies macht sich in Deutschland auch in Zahlen bemerkbar: laut dem Deutschen Brauer Bund e.V. ist die Anzahl der Brauereien im Jahr 2016 um rund 100 Brauereien in den letzten 10 Jahren gestiegen. Grund hierfür ist die wachsende Kreativbier-Szene – mit Blick auf das Angebot für Hobbybrauer ist davon auszugehen, dass noch mehr Menschen im Privaten zur Hefe greifen – die tatsächliche Zahl der aktiven Hobbybrauer überschreitet das messbar Mögliche bei Weitem. Verkaufsschlager für den heimischen Genuss: vollautomatische Brauanlagen inklusive Rezepten.

Kultur statt Kommerz

Zwischen Hobby- und professionellen Kreativbrauern stehen die beiden Mikro-Brauereien Honig Bräu und Z-Bräu aus Nürnberg. In einem Kulturhaus im Süden der Stadt haben sie einen Atelierraum zur Brauerei umgebaut, knapp 90 Quadratmeter stehen ihnen zur Verfügung sowie eine selbstgebaute Brauanlage: „Wir sind keine ausgebildeten Brauer, sondern Bierliebhaber. Es geht für uns darum, etwas herzustellen, was uns selber schmeckt, um damit Freude zu bereiten – ähnlich wie beim Kochen“, erzählt Mikro-Brauer Benedikt Wolff, der Anfang 30-Jährige ist gemeinsam mit sechs Freunden Teil von Z-Bräu. Die Mikro-Brauerei gibt es seit 2015, feste Sorten haben sie nicht im Angebot, ebenso wenig wie Flaschenbiere, „An sich ist Z-Bräu unverkäuflich, man muss zu uns persönlich kommen“. Aber es gibt Ausnahmen wie das Sommerfest oder das Jubiläum des Kulturhauses; auch der 6. Januar ist ein fester Termin, dann laden die Mikro-Brauer traditionell zum Bockbieranstich ein und das gegen Spende. Bisher ging das Konzept auf und in der Nürnberger Handwerksbrau-Szene haben sie sich bereits einen Namen gemacht: „Wir wollen nirgendwo hin mit Z-Bräu, sondern sind offen und lassen auch andere bei uns Brauen – da entsteht automatisch ein Austausch“. Und den sieht man auch in der Brauerei: Im Eingangsbereich haben sie ein Podest gebaut samt Holztisch-Garnitur, an der Wand hängt ein Geweih und auch sonst erinnert alles an Wirtshaus – Bierkrüge stehen herum und Schafkopfkarten liegen bereit. Kultur geht hier deutlich über Kommerz und dem Klischee der ach so verhipsterten „Craft“-Welle wird hier ein authentisches Schnippchen geschlagen.

Als Kurier zwischen den Kesseln

Einer, der fest bei ihnen braut und sich an den Kosten beteiligt, ist Christian Honig. Mit Honig Bräu (Obacht: namensgebend war Christians Nachname und nicht die Zutat Honig – die gibt es bei ihm nicht) hat der Mitte 40-Jährige zunächst im Jahr 2014 als Hobby angefangen, „Diese Craft Beer-Bewegung sagte mir zunächst überhaupt nichts und ich dachte, die Amis könnten kein Bier brauen. Nach und nach habe ich gemerkt, dass die genau das machen, was ich auch tue. Dann habe ich in meiner Küche in den Emaille-Töpfen meiner Großmutter angefangen zu experimentieren“, erzählt der ehemalige Lehrer. Mittlerweile steht er fast immer in der Brauerei – wenn er nicht gerade als Fahrradkurier unterwegs ist. Zwischen 250 bis 300 Liter braut er pro Brauvorgang, momentan hat er ein Pale Ale im Angebot, das in näherer Zukunft auch abgefüllt in Flaschen in ausgesuchten Orten erhältlich sein soll – mancherorts gibt es sein Bier schon im Zapfhahn. Zusammen mit den Z-Bräulern und einer Initiative für Bürger*innen baut Christian Honig im Garten des Kulturhauses mittlerweile auch Hopfen an, „Ich bin stark mit der fränkischen Braukultur verbunden, mir ist es deshalb wichtig, mit guten Zutaten zu arbeiten“.

Wirklich Gewinn machen sie alle beide nicht, „Das Bierbrauen ist schon etwas kostspieliger, aber Z-Bräu deckt zumindest die Ateliermiete“, erzählt Benedikt Wolff und auch für Christian Honig ist klar, dass er als Ein-Mann-Unternehmen so schnell nicht mehr als die Unkosten zurück bekommt, „Dennoch ist meine Vision in Zukunft mehr Honig Bräu anzubieten, um mich als Nanobrauer zu etablieren, der mit seinem lokalen Bier die Leute in der Umgebung fröhlich macht“.

Zum Glück steht das Finanzielle hier nicht im Vordergrund und so kommen die Nürnberger bei diesen beiden Mikro-Brauereien in den Genuss bester Kleinbierbrauereikunst, zumindest wenn sie sich auf den Weg zu ihnen machen.

Adresse:

Frankenstraße 200

90461 Nürnberg

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