Brew Berlin 2017 – Feuertaufe für Bier auf dem Bar Convent Berlin

Brew Berlin 2017 – Feuertaufe für Bier auf dem Bar Convent Berlin

Jahr 3, Halle 4, High Five? Das dritte Jahr, in welchem der dem  Bier gewidmete Bereich Brew Berlin einen eigenen Ausstellerbereich auf der größten Fachmesse im Barbereich in Europa absteckt, gestaltete sich nicht nach dieser wünschenswert einfachen Formel. Obwohl “Bartenders’ Christmas” auch dieses Jahr  die Hauptstadt in einen Wallfahrtsort der Barwelt verwandelte, hatte der Bar Convent Berlin und mit ihm Brew Berlin mit Wachstumswehen zu kämpfen.

Location, Location, Location – so heißt es immer, fragt man nach den drei wichtigsten Faktoren für den Erfolg einer Gastronomie. Auch auf Messestandorte trifft das zu, und während die Station Berlin unter dem Ansturm der Bar-Begeisterten aus allen Nähten platzte, musste Brew Berlin erstmals die privilegierte Stellung direkt am Eingangsbereich räumen. Mit Halle 4 zog der Bier-Bereich in eine Seitenhalle um, mit spürbaren Konsequenzen für den Besucherstrom. So ergab sich eine Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen begeisterten Newcomern und unzufriedenen Wiederholungstätern, zwischen der Preisverleihungspremiere von Bier, Bars und Brauer und manch leerem Auditorium.

Bier und Bar – Konkurrenz und Bereicherung

Entsprechend hörte man von einigen Ausstellern Unmutsäußerungen, was die Besucherzahl anging. Insbesondere, da die Station Berlin und der Bar Convent erstmals bis an (und über) die absolute Belastungsgrenze gefüllt waren, erschienen die (trotz allem) durchschnittlich gefüllten Gassen von Halle 4 im Kontrast etwas vernachlässigt.
In dem bisher nicht gesehen Ansturm auf den Bar Convent findet sich ein erster Grund für das nicht so zahlreiche Erscheinen von Fachpublikum im Bierbereich. Brew Berlin startete vor drei Jahren als eigener Messebereich, der Bar Convent aber ist und bleibt zuvorderst eine Veranstaltung für Bar, Spirituosen und Cocktails. Nicht dabei zu sein erscheint Vertretern der Bar- und Spirituosenwelt also dramatischer als jenen aus der Bierwelt, die zudem zeitnah andere Großveranstaltungen wie die DrincTec in München zu stemmen hatten. Folgerichtig schauten unverhältnismäßig viele kurzentschlossene Besucher aus der Bierbranche in die Ticket-Röhre, war das Kontingent doch unerwartet früh erschöpft.

Von Austellerseite her darf man jedoch nicht vergessen, dass Brew Berlin noch immer eine einzigartige Idee ist. Gerade die Klein- und Kreativbierwelt kennt ansonsten überwiegend Festivals für Endkonsumenten, die Craft Beer-Abteilungen etablierter Getränkemessen oder aber Mischkonzepte wie die Braukunst Live. Bier als Novum innerhalb einer bereits fokussierten Messe, welche es einerseits bereichert und andererseits kontrastiert? Das ist das Besondere an Brew Berlin. Insofern sind also die Menge ausgeschenkten Bieres und die reine Masse an Besuchern bei Weitem nicht so ein guter Indikator für den Erfolg, wie es auf anderen Veranstaltungen der Fall ist.

Die Highlights: Preise, Inder, Niederländer

Gesondert zu erwähnen ist hier die erste Verleihung der Bier, Bars & Brauer-Awards und die Vorstellung unserer ersten Printausgabe. Analog zu den Mixology Awards, die einst in beschaulicher Runde begannen, hoffen wir, mit dem Ruf unseres neuen Magazins für analytische und kritische Qualität auch das Ansehen der Preisverleihung über Zeit aufzubauen. Die Preise in diesem Jahr gingen an das Brauhaus Riegele (Brauerei des Jahres), Oliver Wesseloh (Bierpersönlichkeit des Jahres) und Stone Brewing Berlin (Biergastronomie des Jahres).
Unter den Austellern fand sich eine bunte Vielfalt großer und kleiner Brauereien. Stellvertretend für die verschwimmenden Grenzen sei hier die indische Marke Bira 91 genannt. Von B9 Beverages gebraut, wirbelt die indische Craft-Marke aus Neu-Delhi seit 2015 den dortigen Biermarkt auf. Was genau “Craft” dabei in Indien heißt, ist fraglich, denn mit 1,5 Mio. Hektolitern Jahresaustoß und Investoren wie Sequoia Capital (auch bei AB-InBevs ZX Ventures hatte man angefragt) ist man in Deutschland schon eine Großbrauerei. Dennoch – eines der wenigen India Pale Ales zu verkosten, die sich sich “Indian Pale Ale” auf die Flasche schreiben können, ohne falsch zu liegen, hatte was für sich.
Auch die Niederländer von, Achtung Wortspiel, Lowlander überzeugten mit ihren Botanical-Bieren nicht nur das Publikum, sondern auch Biercocktail-Spezialist Jacob Grier. Gleich zwei der Biere, die ausschließlich reinheitsgebotsfremd gebraut werden, verwendete der Mixologe aus Portland in seinen beliebten Biercocktail -Shows auf der Brew Berlin-Bühne. Dabei war es vor allem die Vielfalt der dargebotenen Drinks, die das Publikum überraschte. Von Flips über Punches bis hin zu gestachelten Heißgetränken – Grier zeigte den Variantenreichtum von Bier als Mixzutat.

Allgemein scheinen alternative Zutaten im Bier in den Niederlanden gerade das Gebot der Stunde zu sein. Auch Garmt Maamka von der Brouwerij De 7 Deugden verwendet mit Vorliebe Limette, Wacholder, roten Pfeffer oder Lakritz, um nur einige zu nennen. Dabei sieht er seine Brauerei als sozialen Betrieb, und beschäftigt eine Vielzahl an Mitarbeitern mit Behinderungen. Dass darunter die Bierqualität nicht leidet, davon konnten sich die Besucher bei Brew Berlin überzeugen.

Brew Berlin 2018 in neuem Gewand?

In Reaktion auf den Andrang und auf die Rückmeldungen der Aussteller wurde bereits am ersten Abend verlautbart, dass der Bar Convent Berlin im nächsten Jahr drei anstatt wie bisher zwei Tage umfassen soll. Dadurch soll der Besucherstrom besser verteilt werden. Im Bezug auf Brew Berlin ist es noch ein wenig zu früh, um Ankündigungen zu machen. Eine Idee ist, den Bierteil so zu separieren, dass er für Endkonsumenten unabhängig vom BCB zugänglich wird, für Fachbesucher aber natürlich weiterhin offen steht. Dies würde die Rückkehr der Business Hours für den Bierbereich bedeuten, damit ruhige Gespräche vor dem Beginn des „Festivalteils“ möglich sind. Momentan sind dies jedoch reine Spekulationen, auf deren Realisierbarkeit auch die Station Berlin erst noch geprüft werden muss.
Auch für die Brew Berlin-Bühne deuten sich einschneidende Veränderungen an: Weg von dem Ansatz einer Einführung in die Bierwelt, soll sich das Programm nun mehr an Fachbesucher aus der Brauindustrie und Bierwirtschaft richten, mit entsprechend tiefgehenden Themen.

 

 

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