Was gärt?  – Kein Bier für Nazis, BrewDog Hotel, neue Alkoholfreie Biere & Veltins goes Mercedes-Benz

Was gärt? – Kein Bier für Nazis, BrewDog Hotel, neue Alkoholfreie Biere & Veltins goes Mercedes-Benz

Verlängerung! Der Sommer kriegt nochmal eine Verlängerung (als wäre er noch nicht lange genug gewesen), und damit auch die Bierzeit. Das Oktoberfest darf sich schon mal auf Rekordkonsum einstellen, trotz wieder einmal höherer Bierpreise. Keine Verlängerung gibt es für AB-InBev in der Mercedes-Benz-Arena und für Rechtsextreme im Brauhaus Lemke am Schloss Charlottenburg. Ansonsten haben wir neue Biere aus Deutschland und ein neues Bierhotel von BrewDog in Ohio.

Anonymes Nazitreffen bei Lemke am Schloss – eine Warnung für arglose Gastronomen

Für Aufsehen sorgte kürzlich eine rechtsextreme Veranstaltung mit anschließender Antifa-Gegendemonstration im und am Brauhaus Lemke am Schloss Charlottenburg. Hans-Ulrich Pieper, politisch aktiv für Republikaner, FDP, NPD und in jüngeren Jahren auch die CDU, mietete dort einen Veranstaltungsraum.

Offenbar geschah dies vorausschauend in mehreren Restaurants in Charlottenburg-Wilmersdorf, denn an plötzliche Absagen ist man ++für diese seit 27 Jahren stattfindenden “Dienstagsgespräche” wohl gewöhnt – meist, sobald der Inhaber der Gastronomie erfährt, wen er sich da ins Haus geholt hat.

Dies geschah im geplanten Veranstaltungsort Restaurant Charlotte, wo bereits im April ein Treffen samt Vortrag stattgefunden hatte. Daher wichen Pieper und Kollegen auf die Option Lemke aus, wo niemand den Braten gerochen hatte. Die Anmeldung erfolgte dabei als Reisegruppe.

Von dem spontanen Antifa-Aufmarsch samt Polizeiaufgebot vor Lemke am Schloss waren die Angestellten des Restaurants zunächst überrascht, dann mit der Situation überfordert. Um 20:30 Uhr wurde Oliver Lemke selbst informiert und machte sich auf den Weg, traf um 21 Uhr vor Ort ein. Hier klärte er im Gespräch mit der Polizei und seinen Angestellten die Umstände und sprach danach ein Hausverbot aus. Alles richtig gemacht, sollte man meinen.

Doch die verstrichene Zeit, in der die Versammlung ungestört ihren Lauf nehmen konnte, reichte bereits, um den Vorwurf als Veranstalter von Nazi-Parties in den sozialen Medien auftauchen zu lassen, wo er wie üblich nach dem Hörensagenprinzip verbreitet wurde. Wie genau eine Gastronomie, die überrumpelt wurde und auf die Situation reagieren muss, bei einem einmaligen Vorkommnis gleich zum Veranstalter von Nazi-Parties (Plural) stilisiert wird, erklärt mir wahrscheinlich der Lynchjustizanwalt.

Wer nicht mit den Namen der Berliner Rechtsextremen vertraut ist, wird bei einer Anmeldung einer Reisegruppe über den Namen Pieper nicht unbedingt misstrauisch, und zu jeder Reservierung eine Recherche in den Hintergrund der Firma oder der Person zu verlangen ist im alltäglichen Restaurantbetrieb einfach nicht darstellbar.

In der Folge suchte sich die Brauerei Hilfe bei MBR, der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin, und warnt nun andere Gastronomien davor, in dieselbe Falle zu tappen. Auch der Deutsche Brauer-Bund hat bereits ein Positionspapier zu dem Problem erstellt und bietet z.B. Vertragsklauseln, die dem Vermieter der Veranstaltungsräume im Falle einer Täuschung durch Rechtsextreme erlaubt, auch eine bereits zugesagte Veranstaltung aufzulösen. Im Voraus abzulehnen ist mit Verweis auf das Hausrecht natürlich stets möglich.

Die Brauerei Lemke hat öffentlich und in Gesprächen mit der Redaktion klar Stellung bezogen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Who let the Dogs – in? BrewDog baut Hotel in Ohio

DogHouse, das große BrewDog-Hotelprojekt, hat es geschafft und feierte Ende August Eröffnung. In Columbus, Ohio, steht nun eine Verbindung von Brauerei, Tap Room, Restaurant, Biermuseum, Konferenzräumlichkeiten und Hotel (natürlich mit ein paar hundefreundlichen Zimmern).

Dabei durchdringt die Bierthematik das gesamte Hotel-Objekt, vom verglasten Ausblick in die Brauerei bis zu den Zapfhähnen und Bierkühlschränken auf den Zimmern. Dass das Hotel selbst eher ein Prestigeobjekt ist, sollte dabei klar sein.

Analog zur Eröffnung von Stone Berlin als Brauzentrum für Europa ist das Hauptziel die Verkürzung der Vertriebswege in den USA. Dazu hat sich BrewDog eine hochmoderne Brauerei geleistet, aus der Biere in Bioqualität fließen sollen, und auch die auf Sauerbier spezialisierte OverWorks-Serie findet hier ihre Brauheimstatt.

Da zahlreiche Brauereien Übernachtungsmöglichkeiten und bierthematischen Tourismus bieten, ist der Anspruch von BrewDog, das weltweit erste Bier-Hotel gebaut zu haben, hingegen strittig. In dieser Größenordnung von Grund auf so konzipiert ist das DogHouse sicherlich ein Unikat, alles darüber hinaus hingegen typisches BrewDog-Marketing.

Neue Biere braucht das Land – Schmugglergold, Atlantik Alkoholfrei, No Juice

Alkoholfrei, das wollen inzwischen alle. Nullkommanull-Prozentlösungen der Großbrauereien und hopfengestopfte Geschmackswunder der Kleinen, zwischen dem Kehrwieder über Normal Null und Warsteiner Alkoholfrei 0,0%, hat sich eine beachtliche Bandbreite im größten Wachstumssegment im Bierbereich aufgetan.

Ob Mittelständler wie Riegele mit dem Liberis 2+3 oder schnell wachsende Marken wie Brlo Naked – viele haben inzwischen aromatisch intensive Alkoholfreie (bis 0,5% Vol.) im Angebot.

Zwei Neuzugänge sind hier das No Juice von Schoppe Bräu und das Atlantik Ale Alkoholfrei von Störtebeker. Letzteres setzt auf den Ruhm des Atlantik Ale als erstes Pale Ale, welches flächendeckend in Supermarkt und Getränkeabholmarkt verfügbar war. Wir sind gespannt, wie es die intensiven Zitrusnoten des alkoholischen Bruders transportiert.

Das No Juice hingegen ist inspiriert vom Schoppe Bräu Juice, ein erst seit Kurzem im Standardsortiment der Berliner Brauerei befindliches New England India Pale Ale. Demnach ist es natürlich ein alkoholfreies NEIPA und soll den Fruit Smoothie-Charakter, der das NEIPA zum Trendbier der Stunde gemacht hat, in ein Alkoholfreies retten.

Das Smuggler’s Gold, eine Kollaboration von Finne aus Münster und Stanislaus Brewskovitch aus Enschede, kommt hingegen nicht ohne Berauschung aus. Die Kollaboration ist inspiriert von der langen Tradition des innovativen Grenzschmuggels im kleinen Stil an der deutsch-niederländischen Grenze. Hier geht es um Kaffee in der Fahrradstange und Butter unterm Rock.

Diese nur individuell wichtigen Goldstücke wollen die Kollaborateure aufleben lassen, angesichts 60 Jahre Euregio, einer niederländisch-deutschen Kooperation über Grenzen hinweg.

Das Bier selbst ist ein Golden Ale mit typisch fruchtigem Hopfenaroma, das allerdings auch eine kühlend-minzhafte Seite haben soll. Sowohl das Smuggler’s Gold als auch das Schoppe No Juice sind für ca. 2,50 Euro für 0,33l zu haben. Das Atlantik Ale Alkoholfrei (0,5l) hingegen ist schon für unter einen Euro zu haben.

Veltins in der Mercedes-Benz-Arena

Die Privatbrauerei aus Meschede-Grevenstein ist offenbar im Aufwind. Mit steigendem Absatz in einer stagnierenden Bierwelt ist die Großbrauerei die Ausnahme: 2,7 Mio. Hektoliter Absatz und Platz 7 der bestverkauften Biermarken Deutschlands, das kann sich sehen lassen. Zudem läuft die neue Marke Grevensteiner mit ihren Sorten Landbier, Hell und Radler spektakulär gut und sorgt weiterhin für Zuwachs.

Nun überraschte man mit der Ankündigung, ab sofort und auf fünf Jahre exklusiver Bierpartner der Mercedes-Benz-Arena in Berlin zu sein. Das Stadion an der Warschauer Brücke in Friedrichshain ist einer der gefragtesten Veranstaltungsorte der Hauptstadt, finden hier neben zahllosen Konzerten doch auch die Spiele der Eisbären und Alba Berlin statt.

Dadurch allein erwartet Veltins ein Ausschankplus von ca. 600.000 Litern pro Jahr.

Wie Veltins es geschafft hat, den bisherigen Partner und Biergigant AB-InBev auszubooten, oder ob die Belgier vielleicht selbst den Hut nahmen, weil man sich mit den Betreibern der Arena nicht einig wurde, ist Spekulation. Es ist auf jeden Fall untypisch für die sonst sehr auf Präsenz bedachte Werbepolitik des Weltmarktführers.

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Photo Credits: Brauhaus Lemke

 

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