Mehr Bier für Mitte – Der neue Castle Pub

Mehr Bier für Mitte – Der neue Castle Pub

Das Weddinger Castle Pub ist vor ein paar Wochen in den Süden gezogen. Die Bar findet man jetzt auf der Invalidenstraße, direkt gegenüber vom S-Nordbahnhof. Wie es dazu gekommen ist und was Ben Fischer und Partner Gekko zum Umzug veranlasst hat, erzählen sie Liv Fleischhacker.

Man merkt, die beiden Väter des weit über Berliner Bierkreise hinaus bekannten Castle Pub sind in Mitte glücklich. Zwischendurch wird ein bisschen über den Wedding sinniert, schließlich waren Ben und Gekko ganze dreieinhalb Jahre dort und etwas Abschiedsschmerz bleibt. Aber so schlimm ist es doch nicht, denn die „ganze Familie“ ist mit umgezogen. Von den Kunden (die sich wohl nicht lange haben überreden lassen mussten, um den Schritt nach Mitte zu gehen) bis hin zu ihrem Team, sind alle mit dabei. Ein paar neue Familienmitglieder sind ebenfalls dazu gestoßen, schließlich braucht man jetzt professionelle Baristas, die den Mitte-Menschen ihren Kaffee zaubern.

Die neue Castle Bar hat nämlich ab 8 Uhr morgens geöffnet und serviert hervorragenden, frisch gebrühten Kaffee. Dass Kaffee und Bier gut zusammenpassen – beide sind schließlich handwerkliche Produkte – ist kein Geheimnis mehr. Ziel für die neue Bar ist es, einen mindestens so hohen Qualitätsstandard an den Tag zu legen wie bisher. Und zwar für alle Produkte, die hier über den Tresen wandern. Die Kaffeemaschine wird um 17 Uhr abgestellt und wer dennoch nicht auf seinen Koffein verzichten mag, bekommt über die ganze Nacht hinaus Filterkaffee.

Das Epizentrum der Berliner Craft Beer Szene

Es scheint fast, als werde im Castle Pub auf die Aperitivo-Kultur eingegangen. Nicht, dass das groß an die Glocke gehängt wird, nein, nein. Aber man weiß durchaus, wie schwierig es in Berlin ist, vor 18 Uhr einen guten Drink zu finden. Die neue Generation der Bierbars scheint bei diesem Unterfangen fleißig nachhelfen zu wollen – vom ebenfalls Kaffe und Bier mischenden Kaschk bis hin zu Mikkeller und BrewDog: Alle öffnen sie gegen mittags ihre Türen und schaffen in der nachmittäglichen Aperitivo-Problematik Abhilfe. Auch durch die zentrale Lage und das Angebot an Sandwiches kann man sich vorstellen, dass die Castle Bar auch zur 17 Uhr-Stoßzeit bald gut besucht sein wird.

Craft Beer Crawls sind durch den Umzug an den Nordbahnhof erheblich einfacher geworden, die bereits genannten Bars liegen allesamt in der Umgebung. Und auch die belgische Bierbar Herman ist nur ein paar Gehminuten entfernt. Somit steht lauen Sommernächten, in denen man langsam sich von einer Bar zur nächsten arbeitet, rein gar nichts mehr im Wege. Das ist Ben und Gekko auch klar und so wollen sie die Ecke hier zum „Epizentrum“ des Berliner Craft Beer Kosmos machen und mit den anderen Barbetreibern zusammenarbeiten, um Kunden und Bierliebhaber glücklich zu machen.

Rausgeworfen und angekommen

Und das klappt, wenn auch ungeplant. Denn der Umzug verlief denkbar spontan: nachdem Ben und Gekko Komplikationen mit dem Inhaber ihres Objekts im Wedding hatten, haben sie das „Zu vermieten“ Schild in der Invalidenstraße gesehen und sich sofort darauf gestürzt. Die neuen Vermieter waren mit dem Namen „The Castle“ tatsächlich schon vertraut und freuten sich sehr. So schnell kann es gehen.

Die wichtigsten Veränderungen am Konzept sind Standortwechsel und Öffnungszeiten. Von 8 Uhr morgens bis „open end“, in der Regel ist das laut Betreiber-Duo unter der Woche auf 2 bis 3 Uhr morgens. Bei 20 Hähnen bleibt Craft Beer natürlich im Fokus. Wer jedoch lieber filtrierte, leichte Pils und Lager, oder gar ein Gin & Tonic  trinken mag, kommt ebenfalls auf seine Kosten. A propos Kosten – ein Glas 0,3l Bier kostet um die € 3,80 und bei 0,5l ist man mit € 5,80 dabei. Viele „Crafties“ kommen an den Tresen, freuen sich zwei oder drei ihrer Biere trinken zu können und steigen zu guter Letzt doch auf ein Pils oder Lager um. Auch die Gin & Tonics sind in zwei Größe und zwei Preisen verfügbar. Ben Fisher und Gecko möchten ein Ort sein, an dem wirklich jeder glücklich werden kann. Vielleicht jenseits des Sterni-Klientels.

Castle Pub macht mit Festival GesundBrewing weiter

Das Bier lässt sich entweder im Innenbereich genießen, wo 160 Gäste Platz finden oder draußen im Biergarten für sage und schreibe weitere 200 Gäste. Innen ist es hell und spartanisch eingerichtet, da stehen Ledercouchen zwischen Industrie-Flair und sorgen für Gemütlichkeit. Luft und Raum sind nämlich nicht zu unterschätzen, gerade wenn der Laden bis zum Anschlag voll ist. Die grünen Fliesen vom Tresen winken potenziellen Gästen fröhlich nach außen und verleihen der Bar ein klassisches gleichwohl verspieltes Design. Schön ist sie geworden, die neue Castle Bar.

Wer sich um Two Fellas Brewing, die in den Weddinger Castle-Räumen gestartete Mikrobrauerei, Sorgen macht, kann sich getrost beruhigen. Das Start-up ist nämlich gewachsen und brauchte größere Räumlichkeiten. Deshalb sind sie leider nicht mitgekommen. Im Untergeschoss allerdings, gibt es noch ein wenig Raum, wo man hoffentlich in naher Zukunft eine Art Speakeasy Bar finden wird, in der 40 Gäste Platz haben. Ob es wie an alter Wirkungsstätte ein Mezcal- und Bourbonkonzept sein wird, “wissen wir noch nicht”, so Fisher. Auch das GesundBrewing Festival soll nicht im Norden verschwinden. Es wird mit nach Mitte und in den neuen Biergarten transportiert. Im Spätsommer darf man danach Ausschau halten. Und montags findet hier, wie üblich, das Pub Quiz statt.  

Auf die Frage nach letzten Worten bekomme ich zwei verschiedene Aussagen: „Kommt vorbei, bei uns ist alles easy.“ zum einen. „Und go wild!“, fügt Gekko mit schelmischem Blick hinzu. Auf gehts!

Photo Credit: Castle Bar

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