Brlo beteiligt sich an Berliner CraftZentrum

Exklusiv Brlo beteiligt sich an Berliner CraftZentrum

Die aufstrebende Berliner Marke Brlo sichert sich im CraftZentrum Braukapazitäten über eine Beteiligung. Helmut Adam mit einer Analyse dieses Schachzugs im Kampf um die Hopfenkrone der Hauptstadt.

Jahrelang zog die Radeberger-Gruppe im Berliner Bierteich unbehelligt ihre Runden. Mit Schultheiss, Berliner Pilsner und Berliner Kindl sowie Berliner Bürgerbräu hatte der Branchenwal sich alle Markenikonen der Spree einverleibt. Die Tatsache, dass sich Radeberger tief in die Berliner Distributionskette eingekauft hat – Branchen-Insider schätzen, dass das Unternehmen in der Haupstadt im Getränkefachhandel einen Marktanteil von bis zu 60% besitzt – garantierte zudem, dass der Wal auch immer zuerst an die Planktontröge kam.

Der Schwarm gegen den dicken Fisch?

Erst in den Nullerjahren dieses Jahrhunderts begann man mit Namen wie Schoppe Bräu und Brewbaker winzige, wendige Braufische im sich zunehmend gentrifizierenden und öffnenden Berlin zu sichten. Es waren allerdings finanzkräftige deutsche Quereinsteiger und eine ebenso gut betuchte amerikanische Firma, die in der zweiten Dekade wirklich Unruhe ins Gewässer brachten.

Wir reden von Namen wie Berliner Berg, Brlo und Stone Brewing. Um die erstgenannte Brauerei ist es nach lautem Crowdfunding-Lärm allerdings recht ruhig geworden. Die einzige Schlagzeile, die jüngst durchdrang, war der Abgang des erfahrenen Brauers Richard Hodges. Bei den letztgenannten rund um Lautsprecher Greg Koch weiß man nach wie vor nicht ganz, ob sie wirklich Berliner sein wollen.

In den Supermarktregalen ist man bei Stone auf jeden Fall bereits breit aufgestellt, in Mariendorf hat man sich mit ansprechenden Experimentalsuden warmgelaufen und das Arrogant Bastard Pale Ale verkündet fast ein wenig verschämt, dass man übrigens auch nach dem Reinheitsgebot braue. Auch wenn man das ja eigentlich gar nicht nötig habe.

Brlo: Senkrechtstarter am Gleisdreieck

Der dritte im Bunde der Neueinsteiger allerdings ist ein wahrer Senkrechtstarter. Die Brlo-Biere mögen in ihrer Gesamtheit eher mild und unaufgeregt daherkommen, aber Marke macht das Team um Katharina Kurz und Christian Laase wie kein zweites. Die beim deutschen Bier-Michel nach wie vor ungeliebte Dose führte man elegant über den Umweg Air Berlin ein, statt sie mit Besserwisser-Attitüde wie Stone aggressiv in den Markt zu drücken.

Spätestens mit der Eröffnung ihres ersten richtigen Hauptquartiers am Gleisdreieck, für ein schnell wachsendes Unternehmen standesgemäß aus Containern gebaut, zeigte die sich auf die slawischen Ursprünge Berlins beziehende Marke, dass sie bereit ist, den Wal herauszufordern und den Begriff „Berlin“ selbstbewusst zu besetzen.

Nun füllt Brauer Michael Lembke direkt an der U1 bereits Berliner Weisse und Sondersude als Fassbier ab. Laut Brlo macht die Berliner Produktion bereits rund ein Drittel des Gesamtausstoßes aus. Im Gros der Brlo-Flaschen allerdings befindet sich nach wie vor in Sachsen gebrautes Bier. Mittelfristig, das ist allen Berliner Start-up-Marken klar, muss in Berlin gebraut werden, will man im nach Authentizität lechzenden Premium-Segment mithalten. Brlo ist auf diesem Weg nun einen Schritt weiter.

Partnerschaft mit CraftZentrum

Der Flurfunk unter den Malz- und Hopfenbegeisterten in Berlin hatte es schon seit Tagen geflüstert, das Handelsregister bestätigt es: Brlo ist ab sofort Anteilseigner am CraftZentrum in Berlin-Spandau. Das CraftZentrum wurde von Braukon-Veteran Ivan Semikin ins Leben gerufen, um den wie Pilze aus dem Boden sprießenden Bier-Start-ups der Hauptstadt eine Anlage zum Brauen und Abfüllen größerer Chargen zu ermöglichen. „Wir halten eine Minderheitsbeteiligung“, bestätigt Brlo-Geschäftsführerin Katharina Kurz gegenüber BIER, BARS & BRAUER. Gleichzeitig ist ihr wichtig zu betonen, dass das CraftZentrum auch weiterhin eigenständig agiert: „Wir glauben, dass die Gründer die wichtigsten Personen in einem jungen Unternehmen sind. Das ist bei Brlo nicht anders.“

Braukon-Veteran Ivan Semikin, die treibende Kraft hinter CraftZentrum (CBZ), das noch in diesem Jahr seinen Betrieb aufnehmen soll, bestätigt dies: „Brlo hält ein Drittel, wobei es, analog zu zwei weiteren Gesellschaftern, als stiller Teilhaber agiert und sich nicht in das Geschäftsvorhaben einmischt.“ Laut Semikin stünden der Betrieb und die angebotenen Dienstleistungen weiterhin „jedem Unternehmen aus Berlin und von außerhalb Berlins zur Verfügung“. Bis Dato habe man „über 40 seriöse Anfragen aus sieben Ländern und drei Kontinenten“.

Plant Brlo nach Ablauf des Pachtvertrags am Gleisdreieck, der nur auf wenige Jahre angelegt ist, den Umzug nach Spandau? „Nein, der Plan ist nicht, nach dem Gleisdreieck komplett nach Spandau zu ziehen“, sagt Katharina Kurz. „Wir möchten gerne nach und nach die Produktion unserer Flaschenbiere, die momentan noch bei unseren Partnerbrauereien gebraut werden, zum CraftZentrum verlagern.“

Offen für weitere Gesellschafter

Ivan Semikin sieht sein CraftZentrum als „nichts Spektakuläres in der Welt der modernen Kleinbrauereien“. Ähnliche Anlagen und Konzepte gebe es „drei Mal in der EU und in größerer Zahl in den USA“. Er sei offen für weitere Gesellschafter aus der Branche, da „das Unternehmen Wachstumspläne auch außerhalb Berlins und Deutschlands hat“. Heißt das, dass man auch mit Brlo um Berliner Identität konkurrierende Marken wie Berliner Berg abfüllen würde? Schwer vorstellbar. Laut Semikin gab es im Vorfeld Gespräche mit zwei weiteren Firmen aus Berlin. Die „guten persönliche Beziehung“ zwischen den jeweiligen Gründern der beiden Unternehmen, die bei der letzten Berlin Beer Week bereits kollaborierten, habe schließlich den Aussschlag gegeben, so Semikin. 

Im Vergleich zum eingangs erwähnten Branchen-Wal Radeberger haben Brauereien wie Brlo bisher maximal die Größe eines Putzerfischs. Von diesen kleinen, agilen Playern, die sich in den letzten fünf Jahren erfolgreich etablieren konnten und die in den Szenebezirken schon deutliche Sichtbarkeit erlangt haben, ist die Marke mit den vier Buchstaben allerdings die weitaus agilste und strategisch cleverste. Man sollte sich nicht wundern, wenn sie in wenigen Jahren dem Walfisch frech vor der Nase herumschwimmt. Aber zu dem Zeitpunkt dürfte auch bereits der eine oder andere Multi angeklopft haben. Wegen einer Beteiligung an Brlo. 

Nachtrag: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass Brlo den Großteil des Bieres in Bayern braue. Laut Brlo braut man mittlerweile bei einer Partnerbrauerei in Sachsen. 

Photo Credit: BRLO

4 comments

  1. Sarah
    06. Juli 2017 reply

    Viel Geld hilft viel. Hört sich immer so an, als wäre das bahnbrechend was die „großen“ Craft-Braufirmen treiben…dabei haben sie einfach nur Kohle…und zwar viel. Geiles Branding…kann man auch kaufen.

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