Der Schnaitl Maibock ist ein kurioser Experimental-Hybrid

Der Schnaitl Maibock ist ein kurioser Experimental-Hybrid

Wer beim Schnaitl Maibock auf eine für die Gattung typische, goldgelbe Frische mit untergäriger Charakteristik hofft, wird einigermaßen enttäuscht werden. Ein spannendes, variabel einsetzbares Bier ist es aber trotzdem.

Der Maibock. Ein Bier mit Verwechslungsgefahr. Spricht ein Brauer mit einem Koch und beide erwähnen den Maibock, so kann es durchaus sein, dass einer von einem Rehbockbraten spricht, der andere von jenem Bierstil, der gerne die Biergartensaison einleitet.

Die Privatbrauerei Schnaitl aus Gundertshausen, zwischen Salzburg und Braunau gelegen, verweist auf eine lange Tradition als Familienbrauerei. Die Chronisten berichten von Franz Schnaitl, der 1843 erstmals 36 Eimer Bier braute.

Verwirrung stiften

Die Auswahl der Biere reicht von Pils über Dunkel bis zum Festbock und ist zugleich bodenständig und experimentell. Letzteres vermag auch Neugierde zu erzeugen und zugleich zu verwirren. „Freestyle kreativ“ beschreibt die Aufschrift der Flasche den Inhalt. Der Einsatz von Mühlviertler Saphir-Hopfen verspricht eine frisch-fruchtige Note. Gepaart mit der Erwartung an einen Maibock klingt das vielversprechend.

Was erwarten wir bei einem Maibock? Meist ist er mit dem untergärigen hellen Bock verwandt und weist eine andere Malzschüttung und einen zuweilen intensiveren Hopfencharakter auf. Das gilt nun auch und erst recht für den Schnaitl Maibock. Gersten-, Weizen- und Dinkelmalz werden mit einer Weizenbierhefe vermählt, um einen charaktervollen Sud zu fertigen. Als Ergebnis sind 6,9 Vol. und 16,7° Plato in der Flasche. Als Trinktemperatur werden 6 – 11° Celsius empfohlen.

Schnaitl Maibock als kurioser Experimental-Hybrid

Die Farbe leuchtet appetitlich bernsteinfarben und in der Nase treffen Hopfenfrische und Erdigkeit aufeinander. Der Antrunk ist sehr vollmundig und würzig. Die Rezenz eher zurückhaltend. Ziemlich aufdringlich zwängen sich Bananennoten und Begleiterscheinungen von Nelke in den Vordergrund. Jene Noten, die gerne als „frühlingsfrisch“ bezeichnet werden, schwingen eher zurückhaltend in den Hopfennoten mit, die sich aber schwer tun, gegen die Kraft von Honig, Rosine und reifer Banane anzukämpfen. Diese Noten sorgen dafür, dass man sich eine Aufschrift gewünscht hätte, die eher einen Weizenbock-Charakter ankündigt.

Wer sich nach Maibocktypizität à la Einbeck oder Hofbräu sehnt und auf goldgelbe Frische mit untergäriger Charakteristik hofft, könnte enttäuscht werden und beinahe meinen, da habe jemand versehentlich ins falsche Heferegal gegriffen.

Nicht falsch verstehen. Dieser Schnaitl Maibock ist ein spannendes Bier. Kraftvoll und als Speisebegleiter sehr variabel einsetzbar. Alleine die Erwartung, die das Etikett mit dem Bierstil „Maibock“ weckt, wird nicht erfüllt.

 

 

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Photo Credit: Tim Klöcker

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