Fässer im Wandel der Zeit

Fässer im Wandel der Zeit

Die metallenen Fässer, in denen unser Hopfen aromatisiertes Lieblings-Getränk transportiert wird, sind allseits bekannt. Jenes besagte „Keg“, welches mittlerweile Einzug in die deutsche Sprache gefunden hat, ist allerdings nicht gleich Keg. Das wäre ja auch zu einfach. Ein Lagerverwalter nimmt die jüngste Fass-Entwicklung unter die Lupe.

Bis vor ein paar Jahren gab es besagte Behältnisse eigentlich nur aus Aluminium oder Edelstahl, teilweise mit einer Kunststoff-Ummantelung um Beschädigungen am Fass zu verhindern und um es länger kühl halten zu können. Das Fass selbst dient seit Jahrhunderten dazu, das Bier von der Brauerei zu den Händlern bzw. in die Bars und Gaststätten zu bringen. Bei den herkömmlichen Fässern wird das Bier durch die Zugabe von Treibgas, Kohlendioxid und dem dadurch entstehendem Überdruck mittels Steigrohr in die Leitung zum Zapfhahn befördert.

Von Standard zum Key Keg

Für den Anstich des Fasses benötigt man einen Flachzapfkopf oder einen Kombizapfkopf, beide werden seitlich auf das Ventil geschoben. Durch das Drücken des Mittelstößels wird das Ventil des Kegs geöffnet. Die andere Variante von Zapfköpfen nennen sich Korbzapfkopf und der Draftzapfkopf. Diese beiden werden im Gegensatz zu den zuvor genannten Zapfköpfen auf das Ventil geschraubt und danach wird durch Drücken des Mittelstößels das Ventil geöffnet. Nach dem Fasswechsel findet jenes Standard Keg seinen Weg zurück in das Lager und wartet dort auf den Abtransport, um in der Brauerei ausgewaschen und erneut befüllt zu werden. Nach der Wiederbefüllung geht das Keg erneut in die Bars und Gaststätten.

Mittlerweile hat sich aber eine moderne Variante des Keg auf dem Markt etabliert – natürlich unter Beeinflussung der florierenden „Craft“ Szene. Die Rede ist von dem sogenannten Key Keg. Bei diesem Fass handelt es sich um ein Zweikammersystem – kurz gesagt, um eine PET-Hülle, in der sich ein laminierter Sack befindet, der befüllt wird und sich durch die Ausdehnung an die Innenseite der Hülle anlegt. Dadurch ist die Oxidation des Bieres nahezu ausgeschlossen, da zu keiner Zeit das Bier mit dem Treibgas in Berührung kommt. Anders als beim Standard Keg, dient das Treibgas beim Key Keg dazu, den Beutel mittels Druck zusammen zu pressen, um so das Bier schlussendlich in das Glas zu befördern. Bei den Edelstahl- und Aluminium-Fässern wird das Treibgas ins Fass gedrückt. Durch den daraus entstehenden Überdruck wird das Bier über das Steigrohr in die Leitung gedrückt.

Durch den Kontakt mit dem Treibgas, kann es zu einer karbonisierung des Bieres und einer dahin gehenden Veränderung des Aroma führen. Weiters sollte das Standart Keg vor dem schlauchen, mit Co2 ausgeblasen werden. Da Kohlendioxid schwerer als Sauerstoff ist, wird der verbleibende Sauerstoff durch das Befüllen mit Bier, aus dem Fass gedrückt.

Lager- versus Verkehrslogistik

Um das Key Keg an die Leitung seiner Bar anzuschließen, benötigt man jedoch einen speziellen Zapfkopf, da dass Ventil des Fasses nicht mit den anderen am Markt etablierten Zapfkopf-Systemen kompatibel ist. Deshalb muss bei der Umstellung auf Key Kegs daran gedacht werden, auch den notwendigen Zapfkopf zu ordern. Günstig ist eine solche Umstellung daher nicht.

Ob es sich bei der Variante nun um ein Co2 freundliches Produkt handelt, müssen Fachleute berechnen. Man darf bei einem Vergleich dieser beiden Kegs nämlich nicht außer acht lassen, dass Standard Kegs zum Händler und danach in die Brauerei transportiert werden müssen. In der Brauerei angekommen, werden die Kegs gewaschen und sterilisiert, erst danach kann mit der Wiederbefüllung begonnen werden. Je nachdem, von wo das Fass wieder in die Brauerei transportiert werden muss, kann der Transport schon mehrere 100 Kilometer betragen.

Da die Fässer größtenteils mit LKWs transportiert werden, gestaltet sich auch der ökologische Fußabdruck entsprechend. Und nicht nur im Inland wird deutsches Bier gerne getrunken. Laut dem deutschen Brauerbund wurden im Jahr 2016, 17,4% des Gesamtausstoßes an Bier in der Bundesrepublik, ca 16,5 Millionen Hektoliter in die Welt exportiert. Der Brauerei-Verband NRW gibt für letztes Jahr an, dass 19,39% des Gesamtausstoßes in Fässer abgefüllt worden sind. Wenn man diese Angabe auf ganz Deutschland ummünzt, ergibt sich eine Menge von ca. drei Millionen Hektoliter die in Fässer weltweit exportiert werden. Eine genaue Zahl, wieviele Kegs im Umlauf sind, ist leider nicht zu erheben, doch es geht definitiv in den Millionenbereich. Bei einer Gebinde-Größe von 30 Litern ist es möglich, 576 Stück auf einen Sattelschlepper zu verladen. Anhand dessen kann man sich geradezu ausmalen, wie viele LKW etwa auf der Strasse unterwegs sein müssen, um das Verlangen nach frisch gezapften Bier zu stillen. Auch an den Rücktransport der entleerten Fässer wollen wir gar nicht erst denken.

Wie so oft: Vor- und Nachteile

Im Gegensatz zum Standard wird das entleerte Key Keg mithilfe einer Entlüftungskappe entlüftet und zusammen gepresst. Anschließend kommt das Key Keg in den Restmüll. Dadurch sparen sich Brauereien, die Reinigung der benutzten Fässer, das Gebinde-Management, die anfallenden Kosten die durch den Rücktransport, die Lagerplätze und die Neuanschaffung von Fässer, die durch Abnützung, Beschädigungen, Verlust oder Diebstahl entstehen. Hier fällt der zuvor erwähnte Rücktransport und die so entstehende Co2-Emission weg, dafür muss das Fass recycelt und im Anschluss neu hergestellt werden, da es eben ein Einweg-Produkt ist.

Welche Variante die Umweltfreundlichere ist, müssen Logistik-Experten untersuchen. Beide Varianten haben ihre Vorzüge und entsprechenden Nachteile in Verarbeitung, Benutzung und Umweltverträglichkeit.

Meiner Meinung nach werden sich die modernen Key Kegs bei Großbrauereien nicht  durchsetzen. Für Makro-und Mikrobrauerein allerdings, sind sie sicher eine gute Alternative, da die Kosten für den Personal  und Verwaltungsaufwand viel geringer gehalten werden können. Außerdem kann das eingesparte Investionskapital für eine Fass-Reinigungsanlage, in anderen Bereiche der Brauerei verwendet werden.

Anm. d. Red.: Matthias Bazant ist freier Autor bei Bier, Bars & Brauer sowie Lagerverwalter bei Crew Republic. Über Fässer weiß er daher ausgezeichnet Bescheid. Nerdy können wir nämlich auch. 

Foto via Shutterstock

2 comments

  1. Thorsten Schoppe
    31. Oktober 2017 reply

    Zitat: „Somit ändert sich das Mischverhältnis zwischen Bier und Co2, was zu einer schnelleren Oxidation führen kann und somit den Verlust von Aromen des Bieres mit sich bringt.“
    Entschuldigung aber das ist Unfug. Wie soll denn das Bier oxidieren wenn ich Co2 hinzufüge? Es wird mit der Zeit aufkarbonisieren und auch dies hat einen Einfluss auf das Aroma des Bieres aber es werden dadurch keine Aromen oxidiert weil eben kein Sauerstoff da ist.

  2. Anton
    31. Oktober 2017 reply

    Servus, guter Ansatz das ganze weite Feld der Bier fässer aufzuzeigen.
    Und vielen Dank für das beschreiben und aufzeigen des aktuellen Trends.

    Allerdings stoßen mir ein paar Punkte auf.

    In dem Absatz bezüglich des Mischen von Treibgas und Bier, dem sogenannten Aufkarbonisieren kann der Effekt durch richtige Handhabung der Zapfanlage vermieden werden. Das es zu einem Oxidativen Prozess bei Co2 oder Co2 und Stickstoffmischungen kommt ist mir unbekannt.

    Des weiteren die Umweltverträglichkeit von Lebensmittelechtem PET und dem sogenannten Recycling. In Deutschland darf Müll welcher sortiert und in seine unterschiedlichen Inhalte getrennt worden ist schon als recycelt bezeichnet werden auf wenn er im Anschluss daran verbrannt wird. Was dann auch für die PET Blase sowie bei PET Flaschen zutreffen wird.

    Daher ist es nicht die Aufgabe der Wissenschaftler oder Experten sondern von uns Konsumenten und Produzenten die Rechnung aufzustellen und Wege zu finden.

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