Feisty Goat East Goes West Witbier

Feisty Goat East Goes West Witbier

Eine resolute Ziege kehrt aus Peking zurück nach Berlin und braut belgisch in Spandau. Wir haben das Feisty Goat East Goes West Witbier von Filip Klippel einer ausgiebigen Verkostung unterzogen.

Filip Klippel kommt ursprünglich aus Rheinhessen und wuchs umgeben von Weinbergen im Restaurant der Familie auf. Nach der Jahrtausendwende hatte er dann genug von der Idylle und zog nach Berlin. Acht Jahre später war ihm auch diese Stadt nicht mehr voll genug und es ging nach Peking.

Mit der Ankunft der Heimbrauerbewegung in der Volksrepublik begann auch Filip Klippel, eigene Sude auszuprobieren, mit Erfolg. Nun ist er zurück in Berlin und hat sich im Spandauer Craft-Zentrum eingemietet, um seine Biere unters Volk zu bringen. Ein waschechter Kuckucksbrauer also.

Wit die Zweite

Nach dem chinesischen Mondkalender ist Filip Klippel im Jahr der Ziege geboren. Dies in Verbindung mit dem guten, alten “Lebe lieber ungewöhnlich!”-Motto füllt die letzten Lücken im Namensverständnis.

Der Autor dieser Zeilen hatte das Glück, das Witbier noch als Probesud unter dem Namen Wit die Erste probieren zu können, bevor dann das offizielle Verkaufsmuster ins Haus flatterte. Auch für einen Nachtest mit einer dritten Flasche war bereits Gelegenheit.

Diese erwies sich leider als fehlerhaft, zeigte quasi keine Schaumbildung bei viel zu aggressiver Kohlensäure und jeder Menge unschöner Aromen. Vermutlich fand hier eine ungewollte Nachgärung in der Flasche in Verbindung mit zu viel Luftkontakt statt.

Verkostungsnotizen Feisty Goat

Der Übergang vom Prototyp zum Verkaufsmodell hingegen gestaltete sich schlüssig und sanft. Beide Versionen bauten stilistisch eine Brücke zum deutschen Hefeweizen, auch unterstrichen durch die recht kräftige Farbgebung. Wit hält sich sonst eher blass.

Schaumtechnisch fehlt es auch hier etwas an Stabilität, jedoch nicht zu vergleichen mit dem fehlerhaften Exemplar.
In der Nase bekommt man eine schöne Dosis Banane, Orange und Blütenhonig. Leicht parfümhaft, mit einem Hauch Fruchtgummis. Malzsüße und Orangenschalen gehen Hand in Hand.

Im Mund wirkt das Bier weich, fast etwas zu zahm. Ein kurzer, säuerlicher Eindruck wirkt fruchtig-erfrischend, dann breitet sich das weiche Weizenkleid im Mund aus. Die Bananennote verbleibt, die Säure erinnert an Erdbeeren. Das Bier wirkt füllig und orientiert sich auch hier nahe am deutschen Weizenbierstil. Im Vergleich zum Prototypen ist das Verkaufsmodell deutlich weniger würzig im Abgang, die Koriandersamen kommen nicht so recht zur Geltung. Dies erhöht einerseits die Süffigkeit, flacht allerdings auch den Charakter etwas ab.

Fazit – feist, aber nicht feisty

Das Feisty Goat East Goes West Witbier hat einen volles Mundgefühl, das eher an deutsche Hefeweizen erinnert als an belgische Witbiere. Die fruchtigen Aromen sind schön getroffen, das Bier ist erfrischend und anschmiegsam zugleich. Leider gibt es offenbar Stabilitätsprobleme, auch bei der Schaumentwicklung und Einbindung der Kohlensäure. Eine Rückkehr zur Würzigkeit des Prototypen wäre mit Hinblick auf die Namensgebung “feisty” wünschenswert.

Alles in allem ist das Feisty Goat East Goes West ein sehr anständiges Wit mit eigenständigem Charakter. Die genannten Probleme verhindern eine höhere Wertung für das Produkt von Filip Klippel. Ohne diese stünde hier eine Probierempfehlung. So reicht es nur für ein “solide”.

Feisty Goat East Goes West Witbier

Alkoholgehalt: 4,8% Vol.

IBU:           11

Malze:              Weizen, Pilsener, Hafer, Münchener

Hopfen & Gewürze:   Hallertau Hersbrucker, Koriandersamen, Orangenschalen

Preis:              ca. € 3,00

Gebinde:       24 x 0,33l Longneck

Feisty Goat East Goes West

Ährenrunde: Belgisches Wit

Die belgische Variante dessen, was hierzulande Weißbier oder Hefeweizen heißt, gehörte ebenfalls zu den bedrohten Bierstilen. Im Jahre 1967 entschloss sich der Milchmann Pierre Celis, den Stil in seiner Heimatstadt Hoegaarden (gesprochen in etwa: hu-char-den) wiederzuerwecken. Das gelang, bis die Brauerei 1985 einem Feuer zum Opfer fiel. Unter den Brauereien, die in der Folge monetäre Hilfe anboten, befand sich auch Interbrew, das spätere InBev. Celis akzeptierte. In den folgenden Jahren jedoch fühlte Celis sich mehr und mehr unter Druck gesetzt, das Rezept zu verändern, um das Bier massentauglicher zu machen. Stattdessen verkaufte er die Hoegaarden-Brauerei vollständig und gründete Celis Brewery in den USA. Pläne, die Brauerei zu schließen, wurden nicht umgesetzt, und so betreibt AB-InBev auch heute noch die Witbierbrauerei Hoegaarden. Der Witbierstil selbst erfreut sich wieder internationaler Beliebtheit, meist wie bei Celis traditionell mit Orangenschalen und Koriander gebraut.

Photo Credit: c.pxhere und Tim Klöcker

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