Frisch aus der Flasche: Wild Beer Brettamarsi

Frisch aus der Flasche: Wild Beer Brettamarsi

Das Brettamarsi erzählt eine Geschichte. Vom First Mover der deutschen Craft Beer Szene, Alexander Himburg, der ein schwieriges Jahr hinter sich hat: Ein fataler Unfall mündete in Schwierigkeiten bei der Produktion, Lieferengpässen und dem Bruch mit der Hofmark Brauerei, wo Himburg zuletzt seine Rezepte umsetzen ließ. Das gesamte Brauprojekt stand  in Frage. In diesen Tagen verbreitete sich die gute Nachricht wie ein Lauffeuer: Himburgs Braukunstkeller ist zurück.

Die ersten neuen alten Biere stehen bereits in den Regalen ausgesuchter Fachhändler und das Brauen auf den Anlagen der Freunde von Kuehn Kunz Rosen in Mainz entwickelt sich bestens.

Brettamarsi: Wild thing…

Apropos Freunde. Eine der sympathischsten Facetten der Kreativbierszene besteht in den Kollaborations-Suden, bei denen sich befreundete Brauer gemeinsam um die Sudkessel scharen und kuriose oder gar köstliche Rezepturen in die Tat umzusetzen. So entstand auch das ungewöhnliche Bier mit dem vielversprechenden Namen „Brettamarsi“, was sich zusammensetzt aus der berühmten Brettanomyces-Hefen der Sauerbierspezialisten. Und dem „Amarsi“, das als  India Pale Ale vor Jahren begann, um im Laufe der Zeit zu einem Imperial India Pale Ale zu werden. Die Hopfensorten Amarillo und Simcoe prägen die Aromatik, daher der Name.

Ein „Wild Beer“, ein wildes Gebräu, verspricht das Flaschenetikett. Und tatsächlich erwartet die Biergenießer mit dem Brettamarsi ein ungewöhnlicher Experimentalsud von einem der ersten Kreativbierbrauer Alexander Himburg und Ulrike Genz. Die diplomierte Braumeisterin verschreibt sich von Kopf (mit Cowboyhut) bis Fuß einzig der beinahe ausgestorbenen Berliner Spezialität Berliner Weiße, die sie ganz traditionell mit den Brettanomyces-Hefen und mit Flaschengärung vielfältig mit ihrer Marke „Schneeeule“ inszeniert. Allen voran das klassische Marlene-Bier, das immer wieder ergänzt wird durch Abwandlungen mit Früchten, Kräutern oder anderen Aromavarianten. So beispielsweise die Schneeeule Yasmin, die bei der Kollaboration zum Einsatz kam.

…You make my heart sing…

Das Brettamarsi ist ein Sauerbier-IPA Cuvée aus Himburgs Amarsi und Schneeeule Yasmin. Kraftvolle 6,3 % Vol. Alc. verleihen dem Bier ein strammes Rückgrat, das die vielfältigen Zutaten beisammenhält. Zum Einsatz kamen bei der obergärigen Spezialität laut Etikett: Gerstenmalz, Weizenmalz, Jasminblüten und Glukose. Dazu Hefestämme von Saccaromyces, Brettanomyces und Lactobacillus. Dazu die oben benannten Hopfen. Über sieben Monate reifte das Bier auf Holzchips von Bourbonfässern.

Die holzgereifte IPA-Weiße verspricht eine lange Lagerfähigkeit. Das aktuelle MHD des ersten Batch ist mit Oktober 2029 datiert. Ein weiterer Hinweis rät, das Sediment nicht mit auszuschenken, sondern in der Flasche zu belassen.

Tatsächlich ist ja insbesondere die Berliner Weisse sehr lange lagerfähig und so kann es sich tatsächlich lohnen, auch vom Brettamarsi ein paar Flaschen liegen zu lassen und das Entwicklungspotenzial eines solchen Spezialbieres auszutesten.

Eine lange Experimentalreihe ging dem Verkaufsstart voraus, verrät Himburg: „Es dauerte eine Weile, bis wir die perfekte Balance fanden und mit dem Bier 100 Prozent glücklich waren.“

…You make everything groovy.

Das Brettamarsi zeigt ein intensives Gold-Braun mit kräftiger Trübung. Es entfaltet sich eine aparte Nase mit süßlich-reifen Fruchtanklängen. Da ist deutlicher junger Apfel und auch etwas Pfirsich. Hefenoten sind deutlich zu wittern, während der Hopfen zunächst diskret im Hintergrund verweilt.

Die Zunge nimmt einen intensiven Säureimpuls wahr. Am Gaumen entfaltet der Hopfen seine fruchtige Frische und verbindet sich sehr ausgewogen mit den typischen Frucht- und Stallnoten einer Berliner Weisse. Im Nachhall und auch im Laufe der nächsten Schlucke tritt zudem eine herbe Note hervor, die von einer hopfigen Bittere abgerundet wird, die auch den Nachhall begleitet, der dennoch nie seine Frische verliert.

Das Flaschenetikett wählt als Geschmacksbeschreibung: „Funky, Wild, Brett!“ Ja, das fasst dieses groovy beer ganz gut zusammen.

Wer Sauerbier mag, muss diese neue Brauspezialität probieren. Mit diesen Komponenten eine solch balancierte Köstlichkeit zu komponieren braucht schon eine gehörige Portion brautechnisches Könne und Geschmack. Gerne mehr davon!

Noctus 100 Riegele Imperial Stout

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Photo Credit: Tim Klöcker für Bier, Bars & Brauer über Shutterstock 1 und 2

 

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