Frisch aus der Flasche: Crew Republic R.I.P.

Frisch aus der Flasche: Crew Republic R.I.P.

R.I.P. – Rest in Peace – der Nachruf in Folge eines Todesfalls ereilt hoffentlich die wenigsten Trinker nach dem Konsum der Brauspezialität aus München. Aber die pfiffigen Bierbastler von der Isar sorgen ja stets für vergnügliche Texte und Gebrauchsanweisungen auf ihren Flaschen.

Und so schlagen sie auch für den Genuss ihres Barley Wines ein gewisses Mass an gelassener Arroganz, Wollust und Völlerei vor. Das pass ja auch ganz gut zu dem kraftvollen und alkoholstarken Bierstil, der hierzulande noch ein gewisses Nischendasein fristet. Dabei hat Barley Wine doch viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Willkommen zu einer neuen Verkostung aus unserer Rubrik Frisch aus der Flasche!

Rest in Peace – Der Rest ist Geschichte

Der Ursprung der Barley Wines liegt im England des 18. Und 19. Jahrhunderts. Die reichhaltigen und vollmundigen Starkbiere zu genießen, war vorwiegend dem Adel vorbehalten, denn die Herstellung war teuer und aufwendig. Kriege und Handelsbarrieren im Europa jener Tage sorgte vielfach für unzureichende Verfügbarkeit von Weinen. So könnte der Wunsch der Briten nach einem weinähnlichen Gebräu befördert worden sein. Starkbiere mit zehn Volumenprozenten und mehr zu brauen hat auf den britischen Inseln eine lange Tradition und wird begleitet von unterschiedlichen Begriffen für die Gebräue: Stock Ale, Strong Ale, Old Ale oder Parti-Gyle. Der erste kommerzielle Barley Wine dürfte „Bass No. 1“ aus Burton-on-Trent gewesen sein.

Crew Republic griff den Stil, der wie so oft durch die Bewegung des kreativen Brauens neues Leben eingehaucht bekam, bereits 2014 auf. Zu einem sehr frühen und kühnen Zeitpunkt jener so genannten „Craft“-Entwicklung in Deutschland. Der damalige Braumeister, Richard Hodges, gab eine erste Charge im Rahmen der Crew Republic X-Experimental Serie als X 2.0 heraus. Ein grandioses Bier, dem im Laufe der Jahre weitere Rezepturen folgten (X 2.1 etc.). Mittlerweile ist aus dem Experimentalsud ein ausgereiftes Produkt für das dauerhafte Sortiment von Crew Republic geworden, eben das R.I.P.

Rest in Peace – Die trockeneren Dinge im Leben

Ein appetitliches Kastanienbraun schimmert im Glas und eine komplexer Duft vermittelt Trauben, Dörrpflaumen, Fruchtbrot, Toffee und Vanille. Ein Barley Wine darf gerne etwas wärmer getrunken werden. Steigt die Temperatur, so kommen erdige und nussige Noten hinzu.

Der Antrunk ist sehr vollmundig mit einer intensiven Süße und einem Hauch Vollmilchschokolade. Dabei cremig, samtig und schmeichelnd im Mundgefühl. Im Nachhall gesellt sich eine dezent bittere Note dazu. Das Bier klingt eher trocken aus und die Süße nimmt sich nun etwas zurück. Auch die nussigen Noten treten dabei zutage und sorgen für eine gewisse Adstringenz.

Der Barley Wine Beginnt fruchtig und entwickelt sich komplex und herb. Die Hopfensorten Herkules, Fuggles und East Kent Golding betonen den britischen Charakter.

Insbesondere für Barley Wine Einsteiger ist das Rest in Peace sehr geeignet. Es ist verhältnismäßig entspannt trinkbar und doch ausreichend komplex. Wer einige der großen Barley Wines aus dem englischsprachigen Raum bereits verkosten konnte, wird nicht nachhaltig beeindruckt, aber doch sehr gut unterhalten. Abgesehen davon eignet sich das Bier großartig zur Zigarre.

Waldbier Holzbirne

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Photo Credit: Tim Klöcker für Bier, Bars & Brauer

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