Frisch aus der Flasche: Riegele Noctus 100

Frisch aus der Flasche: Riegele Noctus 100

Bei Imperial Stout handelt es sich um eine Biergattung, die immer wieder zu einem extremen Vokabular anregt. Als dunkelste, kräftigste, komplexeste und opulenteste wird sie beschrieben, zumindest unter den malzbetonten Brauspezialitäten mit Wurzeln auf den Britischen Inseln. Dass aber auch deutsche Brauereien in die dunkle Materie vorstoßen können, beweist Riegele fulminant mit seinem Noctus 100.

Stout basiert auf einer vielfältigen Getreidemischung, zu der helle Malze für die Gärung zählen können, aber auch Karamellmalz oder Spezialgetreide. Oft kommt auch geröstete, ungemälzte Gerste zum Einsatz.

Imperial Stout: die dunkle Farbpalette

Vom optischen Erscheinungsbild her blicken wir auf die dunkelste aller Biergattungen. Von undurchsichtigem Dunkelbraun bis Pechschwarz reicht die Farbpalette. Die Kohlensäure ist gering, je nach der Reifungszeit in der Flasche kann die Schaumkrone gehaltvoll-samtig oder überhaupt nicht vorhanden sein.

Das quasi kaiserliche, das Imperial Stout, verfügt über einen sehr hohen Anteil an besonders intensiv gerötetem, dunklem Malz, der gemeinsam mit dem kraftvollen Alkoholgehalt die vielschichtige aromatische Opulenz begründet.

Die Hommage des Russian Imperial Stout

Imperial Stout, die Weiterentwicklung von Stout und Porter, stammt aus dem England des 18. Jahrhunderts, als die britischen Flotten die Weltmeere beherrschen.

Insbesondere in Skandinavien über die Ostsee bis ins Baltikum schätzt man die kraftvoll eingebrauten Biere.

Berühmtheit erlangte jene Geschichte über die Wertschätzung des russischen Zarenhofes gegenüber der Brauspezialität. Allen voran Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst, die 1745 den späteren Zaren Peter III. ehelichte. 1762 setzte sie ihren ungeliebten Gemahl per Staatsstreich ab und sollte fortan als Zarin Katharina die Große in die Geschichtsbücher eintreten. Als Hommage an die markante Bierhistorie gilt unter Kreativbrauern bis heute das „Russian Imperial Stout“.

Von England über Russland nach Schwaben

„Schönes Leben hier!“ lautet das Motto der Brauerei Riegele aus dem schönen Augsburg. Und wer die Riegele BrauWelt mit herrlichem Biergarten, Besucherzentrum, Restaurant, Braukursen und sensorischen Schulungsangeboten kennt, versteht den Slogan auf Anhieb.

Seit fünf Generationen befindet sich die Braustätte in Familienbesitz. Wobei die Geschichte einer Brautätigkeit vor Ort sogar bis 1386 zurück reicht. Jene Brauerei “Zum Goldenen Roß” erwarb Sebastian Riegele Senior im Jahre 1884. Heute beschäftigt das Familienunternehmen neben Braumeister Frank Müller weitere 100 Mitarbeiter und fertigt eine Ausstoßmenge von ca. 200.000 Hektolitern.

Sebastian Priller leitet die Geschicke des Unternehmens. 2011 wurde ihm der Titel als Weltmeister der Bier-Sommeliers verliehen. Ein solcher Titel verpflichtet natürlich, und so waren die Erwartungen hoch, was für neue Biere aus den Sudkesseln von Riegele fließen würden. 2013 folgte dann – neben den bewährten Klassikern rings um Herrenpils und Commerzienrat – die Brauspezialitäten-Serie mit zunächst acht neuen Sorten.

Riegele Noctus 100: Das schwarze Geheimnis

Von Anfang an Bestandteil der Serie war auch ein Imperial Stout mit dem Namen Noctus 100 und dem Untertitel: „Schwarzes Geheimnis“. Manche Bierfreunde zeigen sich irritiert von der Eigenart der Brauerei, die Bierstile nicht exakt auf den Flaschen anzugeben. Aber Riegele legt mehr Wert auf eine aromatische und geschmackliche Herangehensweise, und so findet sich auf dem Etikett ansonsten viel Wissenswertes zu dem jeweiligen Bier: Farbe, Perlage, Bittere, Körper, Hefetyp, Alkoholgehalt, empfohlene Genusstemperatur und ideale Speisekombinationen

Dunkler jedenfalls als das Noctus 100 kann ein Bier kaum sein. Bekrönt ist es von einem samtigen Schaum, die Nase wittert knackige Röstnoten rings um Kaffee und Schokolade. Eine dezente Rauchnote schwingt im Hintergrund mit. Der Antrunk entfaltet sich zart moussierend und zugleich subtil und opulent. Am Gaumen gesellen sich Fruchtnoten hinzu. Rosine und Pflaume verstecken sich in der Melange aus Kaffee, Gewürzen, Süßholz und Malz.

Aromatisch und kraftvoll

Sehr kraftvoll mundet das Noctus 100, aber ohne dabei anstrengend zu sein. Süße, Säure und Bittere stehen in perfekter Balance zueinander. Der Nachhall ist sehr lang und durchaus wuchtig, hier spürt man auch die 10% Vol. durchkommen. Das Bier entfaltet seine aromatische Fülle zunehmend, je wärmer es wird. Das Riegele-Team empfiehlt auch tatsächlich eine Trinktemperatur von 18° Celsius. Als Speisebegleiter raten die Augsburger zu Ziegenkäse, Schokoladendesserts und insbesondere zu geräucherten Speisen, an denen so mancher Wein ja fatal scheitern kann.

Die Brauerei beherrscht die Braukunst, was die Tradition anbelangt, und nimmt Innovation nicht nur an, Sebastian Priller treibt sie auch voran. Wer an dem Noctus 100 Gefallen findet, sollte unbedingt die fassgereiften Spezialitäten bzw. Jahrgangs-Spezialitäten verkosten, wie Magnus und Michaeli.

Noctus 100 auf Augenhöhe mit der internationalen Konkurrenz

Aber das Noctus 100 ist bestens geeignet, zum tadellosen Ruf der Brauerei beizutragen. Es ist auf Augenhöhe mit international vergleichbaren Bieren dieser Gattung – wie Fuller’s Imperial Stout, North Coast Old Rasputin oder De Molen. Und es passt auch zur Zigarre ganz vorzüglich.

Fazit: 5/5 Kaufbefehl!

Noctus 100 Riegele Imperial Stout

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Photo Credit: Tim Klöcker für Bier, Bars & Brauer

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