Ghost Bottle goes Berlin: Garrett Oliver in der Hauptstadt

Ghost Bottle goes Berlin: Garrett Oliver in der Hauptstadt

In der Bierbranche ist er ein Rockstar – und das nicht nur, weil er früher mit den Ramones bowlen ging. Wir haben einen höchst köstlichen Tag mit Garrett Oliver verbracht, Kiwibier mit ihm getrunken und uns am Abend bei Brlo zum Beer-Pairing ausführen lassen.

Garrett Oliver begann seine Karriere im Music-Business, bevor er 1994 als Braumeister der Brooklyn Brewery anheuerte. 1988 lieferten die beiden Gründer, Steve Hindy und Tom Potter, ein Journalist und ein Banker, die ersten Biere aus.
Ihr Erstlingswerk, das Brooklyn Lager, war damals ungewöhnlich und stieß in dieser frühen Phase der Craft-Beer-Revolution der USA durchaus auf irritierte Gaumen. Heute gilt das Brooklyn Lager weltweit als Ikone und insbesondere das Markante „B“ auf dem Logo der Brauerei, ist Bier-Fans in aller Welt Inbegriff des Craft-Pioniertums. Entworfen hat das markante Logo der legendäre Designer Milton Glaser, von dem auch die Optik für die bekannte „I heart New York“ Kampagne stammt.

Brooklyn – die internationale Marke

In den vergangenen Jahren wurde Brooklyn zunehmend zur internationalen Marke. 2013 begann der Bau einer neuen Brauerei in Schweden und gerade, im Juni 2017, erfolgte die Ankündigung, eine Braustätte in Litauen zu errichten. In Asien gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Kirin Gruppe, die Anteile an Brooklyn besitzt. Auch in Hongkong und Südkorea sind neue Projekte geplant. Weltweiter strategischer Partner der Brooklyn Brewery ist seit fünf Jahren der Carlsberg Konzern, dessen Vertriebsnetz auch die Brooklyn Biere führt und mit dem in gemeinsame Brauereivorhaben investiert wurde. Zuletzt wurde 2016 eine neue Brauerei im norwegischen Trondheim errichtet und im Juli 2017 übernahm man gemeinsam die London Fields Brauerei für knapp 5.2 Millionen Dollar. Der nächste Blick gilt derzeit der französischen Hauptstadt. In Paris kommt eine frühere Bahnstation als Brooklyn-Standort in Frage.

Auch die Errichtung einer Braustätte in Berlin war lange im Gespräch. Auf dem Gelände der Bötzow Brauerei im Prenzlauer Berg fanden umfangreiche Ortsbegehungen statt und auch der silberne Currywurstwagen am Eingang hatte bereits Abtropfmatten mit dem schwarz-weiß-grünen „B“ ausliegen. Aber die Pläne zerschlugen sich leider, wie Garrett Oliver bei seinem jetzigen Besuch berichtete. Immerhin sorgt Carlsberg für die Verfügbarkeit von derzeit zwei Sorten Bier mit dem Brooklyn Label. Und das ist lächerlich wenig.

Brooklyn für Berlin

Die ersten Flaschen Brooklyn Bier hielten einige Berliner bereits in den 1990er Jahren in Händen. Bei einer New York-Reise hatte Club-Betreiber Dimitri Hegemann das Brooklyn Lager entdeckt und für schmackhaft befunden. Er verschiffte eine Containerladung gen Berlin und schenkte das Bier in seinem Club Tresor aus. Damals gab es noch keine Craft-Nerds in Berlin. Das Bier blieb den Techno-Jüngern vorbehalten.
Als nächstes kümmerte sich Braufactum darum, Brooklyn Biere nach Deutschland zu schaffen. Nachdem Braumeister Marc Rauschmann 2009 mit dem frühen Kreativbierprojekt für Aufmerksamkeit sorgte, kamen auch Biere herausragender Brauereien aus Italien, Großbritannien, Belgien und USA ins Portfolio. Endlich kamen traumhafte Gebräue, wie das Sorachi Ace oder das Local 1 nach Deutschland und auch nach Berlin.

Im Rahmen der Berlin Bar Week stellte sich Garrett Oliver auf dem Bar Convent Berlin den Fragen des interessierten Publikums. Außerdem traf er sich in den Folgetagen mit Brauern und Gourmets der Szene und stellte einige rare Biere seiner Brauerei vor, insbesondere einige „Ghost Bottles“ – jene Experimentalsude, oft nach Rittern der Tafelrunde benannt, die nur in ganz geringen Mengen eingebraut und dann zu ausgewählten Anlässen serviert werden. So zählen hochgepriesene Restaurants, wie „French Laundry“ und „Eleven Madison Park“ zu den Partnern von Oliver, genau wie der Gründer des sagenumwobenen „Noma“ in Kopenhagen, Claus Meyer.

Garrett Oliver

Geniale Kostproben

Oliver ist Autor von Büchern, wie „The Brewmaster’s Table: Discovering the Pleasures of Real Beer with Real Food“ und Herausgeber des “Oxford Companion to Beer” und ist leidenschaftlicher Verfechter universeller Genusskultur. Seine Biere beweisen dies und sorgen für Gaumenexplosionen. Zugleich zeigen Sie die jahrelange Erfahrung und Experimentierfreude, die hiesige talentierte Brauer noch aufholen wollen.
Einige von ihnen verkosten wir in der gerümpeligen Atmosphäre der Pampa am Holzmarkt. Garrett selbst fühlt sich schmunzelnd an das Brooklyn der 1980er Jahre erinnert. Die Konzentration soll jedoch nicht dem zugigen Provisorium einer Strandbar gelten, sondern einzig den Bieren. Derer wir an dieser Stelle einige Beispiele zum Besten geben wollen.

Der Chichicapa Brooklyn Ghost entpuppt sich als Local One, dem bekannten Golden Ale Starkbier nach belgischer Brauart, das dann auf 3.000 Höhenmetern in Mezcalfässern von Del Maguey gereift wird. Garrett empfiehlt: „Wenn du eine weitere schlechte Angewohnheit suchst, dann ist Mezcal eine hervorragende Wahl!“
Die nächsten außergewöhnlichen Biere sind oftmals in Zusammenarbeit entstanden, beispielsweise mit einem Gewürzmagier, der Lakritz und Feigenpulver beisteuerte. Oder mit der britischen Thornbridge Brewery, bei der der Trester eines Ciderproduzenten mit verarbeitet wurde.
Aufregend ist auch ein Bier namens „Kiwi’s Playhouse“: eine Art Imperial Berliner Weisse mit Kiwifrucht. Oliver schwärmt von dem Bier als Begleiter zu Lachs, Salaten oder Muscheln.

Der Teller zum Bier

Der Mund ist mittlerweile fatal wässrig, doch Abhilfe wird alsbald geschaffen. Noch an diesem Abend gilt es, einige weitere ausgewählte Biere zu erproben, diesmal in Kombination mit aufregenden Speisen. Das Brlo Brwhouse – frisch gekürt zur Szenegastronomie 2017 von den Berliner Meisterköchen – lädt zum Bier-Dinner. Küchenchef Ben Pommer, bekannt für seine fantasievolle Gemüseküche, großartigen Fleischhappen und den subtilen Einsatz des Smokers – hatte Garrett im Vorfeld ein Menü übermittelt; dieser hatte die passenden Biere ausgewählt und mit an die Spree gebracht. Opulent der Auftakt mit falscher Tomate – einer Art Caprese – mit dem legendären Sorachi Ace. Großartig die Paarung der Bedivere Ghost Bottle, einem American Wild Yeast Beer, gereift in Weissweinfässern, mit einen Arrangement von Topinambur, Schwarzwurzel, Rotem Mangold und einer Sellerievinaigrette. Köstlich harmoniert auch das Topspin Quadrupel mit einer Komposition aus Kürbis, Herbstpilzen, Sauerklee und Röstmalz.
Wer als Restaurantbetreiber oder Küchenchef noch immer hadert, ob Bier ein würdiger Begleiter zu anspruchsvollen Speisen sein kann, sollte dringend Garrett Oliver konsultieren. Für alle anderen bleibt zu hoffen, dass Carlsberg demnächst endlich mehr Gourmet Biere aus Brooklyn für den deutschen Markt herbeischafft.

Komposition aus Kürbis, Herbstpilzen, Sauerklee und Röstmalz

Photo Credits: Brooklyn Brewery, Peter Eichhorn (2)

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